Eigene vier Wände sind immer noch das Allerbeste. Das gilt auch für eine staatliche Behörde wie die Landesbaudirektion, die in Ebern seit ungefähr vier Jahren zur Miete angesiedelt ist. Im Januar 2017 hatten die ersten Beschäftigten ihre Räume im alten Rathaus bezogen, inzwischen ist die Behörde auf 38 Beschäftigte angewachsen und hat zudem das Gebäude eines früheren Optikgeschäfts am Marktplatz angemietet. Doch nun soll der Bau eines repräsentativen Gebäudes realisiert werden, das genügend Platz bietet und dem Rang einer Staatsbehörde Rechnung trägt.

Zeichen an die Bürger

Die Standortsuche und die Verkaufsverhandlungen hatten Jahre gedauert, doch im zu Ende gehenden Jahr wurden Verträge unterzeichnet und baurechtliche Hürden aus dem Weg geräumt.

Nun steht fest, dass der Gasthof Post (Gall) an der Kreuzung Coburger-/Bahnhofsstraße dem Behördengebäude weichen wird. Wohn- und Bauministerin Kerstin Schreyer erklärt dazu: "Der Standort in der Innenstadt ist auch ein Zeichen an die Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen als Teil der Stadt Ebern wahrgenommen werden. Ein Neubau auf der grünen Wiese hätte dies nicht gewährleistet, sondern hätte nur zusätzliche Flächen verbraucht."

Rechtzeitig vor Weihnachten geben sie, Schreyer, sowie Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, sozusagen den Startschuss für die Bauplanung. Das neue Gebäude soll Raum für über 100 Mitarbeiter bieten, denn Ebern ist zum Hauptsitz der Landesbaudirektion Bayern erkoren worden.

Sukzessive geht der Umzug aus dem bisherigen Behördenstandort in Nürnberg vonstatten. 2015 hatte die Staatsregierung beschlossen, Behörden aus den Zentren in die Peripherie zu verlagern, um Impulse für Regionen zu setzen, die vom demografischen Wandel besonders betroffen sind.

Direkt in der Heimat

Der Raum Ebern, vor Jahren durch den Abzug der Bundeswehrgarnison und weiterer Behörden schwer getroffen, profitiert davon. 102 "hochwertige" Arbeitsplätze stehen auf dem Plan. Diese werden auch, aber nicht nur, mit Beschäftigten aus der Frankenmetropole besetzt.

"Unsere Behördenverlagerung ist zentraler Baustein der bayerischen Heimatstrategie. Wichtig ist uns dabei, dass niemand gegen seinen Willen versetzt wird. Wir wollen, dass möglichst viele Menschen in ihrer Heimat leben und arbeiten können. Das ist aktive Heimat- und Strukturpolitik!", sagt Minister Füracker. Von der Ansiedelung sollen auch der Landkreis Haßberge und die gesamte Region profitieren. 38 Beschäftigte arbeiten bereits in Ebern, mit dem geplanten Neubau schaffe man "Raum, damit auch die weiteren 64 Kräfte in Unterfranken in modernen Räumlichkeiten starten können", so der Finanz- und Heimatminister.

Aus Sicht von Bürgermeister Jürgen Hennemann verheißt die Behördenverlagerung Steuereinnahmen und Kaufkraft und bietet Perspektiven für die Schulen und Ausbildungsverhältnisse in der Stadt. Er baut darauf, dass junge Leute wegen qualifizierten Behördenjobs nach dem Studium zurückkehren, was sich langfristig auf die Einwohnerentwicklung auswirken könne. Froh sei er, dass es nun endlich weitergeht, nachdem die Stadt alle Voraussetzungen für den Neubau geschaffen und beispielsweise den Bebauungsplan geändert habe.

Stadt will mitreden

"Während des Planungsprozesses ist es seitens der Staatsbauverwaltung vorgesehen, die Stadt Ebern bei wichtigen Meilensteinen des Projektes eng zu beteiligen", versichert Behördenchef Nolte, selbst außerordentliches Mitglied im Bund deutscher Architekten. Auch bei der Stadt legt man Wert darauf, einbezogen zu werden, so Jürgen Hennemann, "damit der Neubau dann auch ins Stadtbild passt".

Die ursprüngliche Idee eines Architektenwettbewerbs wurde fallengelassen. Laut Mittelung der Ministerien erstellt die staatliche Bauverwaltung im nächsten Schritt die Projektunterlage. Diese muss der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags absegnen. Das Bauministerium wird laut Auskunft eines Ministeriumssprechers das Staatlichen Bauamt Schweinfurt mit der Planung beauftragen, das wiederum einen externen freiberuflichen Architekten einschalten wird.

Der Zeitplan

Der Abbruch der Bestandsgebäude soll den Angaben zufolge ab dem zweiten Quartal 2022 erfolgen, dann wird der Neubau errichtet. "Realistisch betrachtet", meint Jürgen Hennemann, "wird es nicht vor 2013 losgehen". Nach aktuellen Planungen soll der Neubau bis Ende des Jahres 2025 fertiggestellt sein.

So bleibt Zeit, um die Mehlschwalben, treue Fluggäste unterm Dach des "Gasthof Post", umzusiedeln. 30 Nester der gefährdeten Art hatte der Bund Naturschutz dort gezählt, die "einzige größere Kolonie im Kernort der Stadt Ebern". Ersatznistplätze sollen an Schwalbentürmen (etwa sechs Meter Höhe) und Privatanwesen in der Umgebung entstehen.

Die Aufgaben der Landesbaudirektion

Von Ebern aus betreut und koordiniert die Landebaudirektion Bauvorhaben des Bundes in ganz Bayern und arbeitet mit den entsprechenden Bundesministerien zusammen. Auch betreut sie 20 Staatliche Bauämter in Bayern, die Hochbauprojekte des Bundes planen und durchführen. Diese Ämter berät die Behörde in Ebern zudem in technischen Fragen sowie in Vergabe- und Rechtsangelegenheiten. Bedeutende aktuelle Projekte sind der Ausbau der Universität der Bundeswehr München, die Offiziersschule der Luftwaffe in Roth, die Europäische Schule in München, das Bundesamt für Strahlenschutz in Neuherberg oder das Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Bamberg.

Daneben nimmt die Landesbaudirektion mit ihren Zentralstellen der bayerischen Staatsbauverwaltung zentrale Landesaufgaben im Straßenbau wahr.