Wie gut, dass im Sommer 2008 eine Konzerttournee die drei Musiker zusammenführte, denn seitdem bilden der Geiger Michael Scheitzbach, der Violoncellist Tilman Trüdinger und der Pianist Hiroto Saigusa das "Saxonia Piano Trio". Am Samstag waren sie im Schloss von Maximilian und Anna Maria von Rotenhan in Rentweinsdorf zu Gast und begeisterten mit Haydn, Rachmaninoff und Mendelssohn ein nach jedem Stück frenetisch applaudierendes Publikum.

"Wenn es im Barockschloss warm ist, dann ist der Sommer wirklich da", eröffnete die Urheberin der Reihe, Konzertagentin Anne Meiners, das zweite diesjährige Konzert. Als "junges Ensemble mit breitem Repertoire" kündigte sie die Drei an, die mit dem "Klaviertrio in G-Dur, Hob. XV:25" von Joseph Haydn (1732 - 1809) beschwingt begannen. So leicht, als würden Schmetterlinge über die Sommerwiese hinter dem Schloss flattern, schwang das Andante durch den kunstvoll stuckierten und mit Fayencefliesen gestalteten Festsaal.

Gelebte Musik

Im zweiten Satz, dem Poco Adagio, verriet neben dem akustischen Geschehen auch Michael Scheitzbachs Mimik, wie versunken und völlig in der Musik aufgehend der Geiger sein ausdrucksvolles Violinsolo im Mittelteil nicht nur spielte, sondern regelrecht durchlebte. Im beschließenden dritten Satz, einem temperamentvollen Rondo, ließen die Musiker ungarisches Feuer auflodern.

Ehrfürchtig staunten die Konzertbesucher, wie in rasender Geschwindigkeit Bögen über die Saiten flogen, gestrichene mit im Pizzicato gezupften Klängen einander abwechselten und am Flügel die Tasten Freudensprünge vollführten. Das auch als "Zigeunertrio" bezeichnete Eingangsstück passte so recht zu diesem glutheißen Sommertag.

Ein Gratwanderer

Mit äußerster musikalischer Hingabe spielten die drei Künstler dann auch das "Trio Élégiaque in g-Moll", ein etwa zwölf Minuten dauerndes Stück von Sergei Rachmaninoff (1873 - 1943). Das Werk hat es in sich, aber die Vortragsweise in der Besetzung Scheitzbach, Trüdinger und Saigusa ließ keinen Zweifel daran, dass diese Musik etwas ganz Besonderes ist.

Von Scheitzbach, der sich nicht nur als exzellenter Virtuose auf seiner Violine erwies, erfuhren die Gäste Interessantes aus dem "unglaublichen Lebenslauf des hochbegabten Menschen".

Rachmaninoff soll es nicht ertragen haben, dass er "als Komponist auf cis-Moll festgelegt" war, er soll als Mitglied des Moskauer Bolschoi-Theaters "empfindlich auf Kritik reagiert" und ständig eine Gratwanderung "zwischen Erfolg und Depression" vollführt haben. "Das alles spiegelt dieses g-Moll-Trio wider", sagte der Geiger und lieferte im Zusammenspiel mit seinen Kollegen den musikalischen Beweis.

Dem höfischen Start mit dem Wiener Klassiker und der charaktervollen Komposition des Russen folgte als Dessert ein musikalisches Praliné des Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847). Mit einem liedhaften Thema beginnt das "Trio d-Moll, op. 49", "singend" trugen es die Streicher vor.

Ein exquisites Erlebnis

Das Klavier eröffnete mit einer vertrauten Melodie den zweiten Satz und spielte - vom Pianisten Saigusa eindrucksvoll in Szene gesetzt - in dieser Komposition quasi die erste Geige. Das Klaviersolo antwortete der Geige in wunderbarer Weise, während Trüdinger sein Cello mit weit ausholenden, kraftvollen Bogenstrichen klagen oder jubilieren ließ.

Nach dem fulminanten Finale jubelten auch die Zuhörer und dankten lang applaudierend für dieses exquisite Erlebnis, das Dank der Öffnung des Schlosses und einem Blick oder Gang in den Schlosspark während der Pause auch andere Sinne als die Ohren angesprochen hatte.