Kreuzthal und Gädheim waren die ersten, die unter die Lupe genommen wurden. Am Mittwoch startete der 25. Kreisentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft". Die Bewertungskommission hat eines schon sagen können: Beide Dörfer haben sicherlich eine gute Zukunft, denn hier stimmt das soziale Miteinander.

Direkte Konkurrenten sind die beiden "Auftakt-Dörfer" nicht, denn sie starten in unterschiedlichen Kategorien. Mit knapp über 100 Einwohnern in Kreuzthal und über 800 in Gädheim wäre ein unmittelbarer Vergleich schwer machbar. Bis Freitag wird die Kommission noch drei weitere Dörfer bereisen. Das sind Theinheim, Fatschenbrunn (am Donnerstag) sowie Kirchlauter (am Freitag).

Erstes Ziel war Kreuzthal, der kleinste Gemeindeteil von Riedbach. Hier, wo einst das Kloster "Im Tal zum Heiligen Kreuz" stand, nach sechs Jahren aber wieder zurück nach Mariaburghausen verlegt wurde, war wohl mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung auf den Beinen, um Kommissionsleiter Guntram Ulsamer (Gartenfachberater des Landkreises) und seine Jury zu empfangen.

"Schweinfurter Rhön"

Die Kindergartenkinder und Bürgermeisterin Birgit Bayer stellten ihren Ort vor. Roland Vollert blickte in die Geschichte, erzählte von der Windmühle, die einst am Ortsrand stand, und erzählte, dass die Gegend um Kreuzthal wegen des rauen Klimas "Schweinfurter Rhön" genannt wird. Feuerwehr und Angelverein, aber auch der Jugend-Förderverein gestalten das Dorfleben, drei Wallfahrten werden jährlich in Kreuzthal empfangen.

In der kleinen Wallfahrtskirche ist regelmäßig Gottesdienst. Wenn keine Eucharistiefeier möglich ist, gestalten zwei Wortgottesdienstbeauftragte die Gottesdienste. So haben die Kreuzthaler sowohl in der Osternacht als auch am Heiligen Abend auf jeden Fall Gottesdienst im Dorf. Die Glocken werden hier noch von Hand geläutet, was Guntram Ulsamer und Kreisrat und Bürgermeister Oskar Ebert (Rauhenebrach) gerne ausprobierten.

Die Geschwister Vollert sangen ein eindrucksvolles "Halleluja", bevor es weiter ging zum ehemaligen Rathaus, wo sich jetzt im Erdgeschoss die Senioren und im Dach die Jugend treffen. Beeindruckt zeigte sich die Kommission auch vom Dorfladen, der seit zwei Jahren die Nahversorgung sicherstellt. Erfolgreich die Eigenständigkeit verteidigt hat die Feuerwehr mit ihren 18 Aktiven.

Sanierungen

Ein Glücksfall für das Dorf war, dass die Familie Kratz das ehemalige Forsthaus von der Universität Würzburg erwarb. Das Haus wurde behutsam saniert und erweitert und die Familie fügte sich nahtlos in die Dorfgemeinschaft ein. Stefan Kratz will sogar seine Firma demnächst von Würzburg nach Kreuzthal verlegen und dann ein weiteres Haus auf dem Gelände sanieren.

Gut gefruchtet hat auch die Idee, das leer stehende Elternhaus der Familie Hümpfner in ein Ferienhaus der besonderen Art umzubauen. Bis zu 24 Betten stehen hier zur Verfügung, außerdem ein großer Veranstaltungsraum. Das Haus wird regelmäßig von großen Gruppen gemietet, beispielsweise für Familienfeiern oder von Studentengruppen oder für Schülertreffen. Für die Nachbarskinder haben sich dadurch schon neue Freundschaften bis nach Bremen ergeben.

Die zweite Station

Auch in Gädheim war der Empfang musikalisch: Unter der Dorflinde warteten die Kindergartenkinder, die Senioren und Kurt Schmitt mit seinem Schifferklavier. Marion Kann stellte den breit aufgestellten Sportverein vor, bei dem sich auch das Ferienprogramm der Gemeinde abspielt. Bürgermeister Egon Eck zeigte sich stolz auf das gute Miteinander der Generationen und der Vereine in seinem Ort.

2000 Stunden Eigenleistung stecken allein in der Dorferneuerungsmaßnahme am Dorfplatz und am gegenüber liegenden Lindenplatz, wo sich jetzt so schöne Sitzgelegenheiten finden. Auch die Jugend packt an, etwa bei der 72-Stunden-Aktion vor einigen Wochen. Beide Bushäuschen erhielten einen neuen Anstrich, auch im Kindergarten wurde gestrichen, und einige junge Leute halfen in Schweinfurt bei der Tafel.

Eine starke Truppe

Stark aufgestellt ist die Feuerwehr Gädheim, schließlich ist der Kommandant der Kreisbrandmeister Lothar Ullmann. Dank der Unterstützung des Feuerwehrvereins und der Gemeinde verfügt die Feuerwehr, in der schon seit zehn Jahren auch Frauen Dienst tun, über moderne Technik, vor allem auch für die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen. Aber auch eine starke Mannschaft für die Wespen- und Hornissen-Umsetzung hat die Gädheimer Feuerwehr - und zehn Feuerwehrsanitäter.

Im Kindergarten erläuterte Peter Kraus den Krippenumbau, und von dem fortschrittlich eingerichteten Schulhaus zeigte sich die Kommission sehr beeindruckt. Allerdings ist der Jugendraum derzeit nicht in Betrieb, eine neue ehrenamtliche Betreuung wird derzeit gesucht. Einen enormen Zulauf hat die Musikschule "Musikbahnhof" von Armin Schuler, der auch die Bläserklassen in der Grundschule ermöglicht.

Energie

Sehr weit ist Gädheim in Sachen Energiewende: Die Biogasanlage von Florian Schuler produziert fast das Doppelte des Stroms, den die Gädheimer verbrauchen, und liefert Nahwärme unter anderem für das alte Pfarrhaus. Außerdem sind drei Windräder im Bau. Die Wiederbelebung des Obst- und Gartenbauvereins wünschte sich Guntram Ulsamer. Architekt Bernhard Joos ist sicher, dass von der gelungenen Sanierung am Dorfplatz Impulse auf die angrenzenden Anwesen ausgehen.

Beiden Dörfern bescheinigte die Kommission, dass sie sich auf einem guten Weg befinden, beide Dörfer haben unterschiedliche Stärken, aber vor allem viele Potenziale. Diese Potenziale will die Kommission in ihrem Abschlussbericht aufzeigen.

Das weitere Programm

Vorher geht es für die Kommission heute nach Fatschenbrunn und Theinheim. Als weiteres größeres Dorf steht dann am Freitag Kirchlauter auf dem Programm. Am Freitagnachmittag wird die Kommission ihr Urteil fällen. Alle Teilnehmer werden bei einem Ehrenabend am Freitag, 15. November, im "Silberfisch" am Schulzentrum Haßfurt nochmals präsentiert.