Seit Samstagmittag wohnen Flüchtlinge im Zeller Pfarrhaus. Es handelt sich um die Großfamilie Sarkanitsch aus der Ukraine, die vor den Kriegswirren in ihrem Land geflohen ist. Die Männer - ein Vater mit seinen vier erwachsenen Söhnen - sprechen deutsch. Sie kommen aus Transkarpatien, einem ukrainischen Landesteil, der vor langer Zeit unter anderem von Deutschen besiedelt war.

Zehn Erwachsene und zwei Kleinkinder haben vorerst Zuflucht in Zell gefunden. Sie sind orthodoxe Christen. Die Verantwortlichen der Pfarrei hatten sich kurzfristig entschlossen, das seit 2009 leerstehende Gebäude für ein Jahr an den Landkreis Haßberge zu vermieten, um darin Flüchtlinge zu beherbergen. Zum ersten Mal sind Asylbewerber in Zell (Gemeinde Knetzgau) einquartiert.


Willkommen in Zell

Helfer aus dem Dorf hießen die Familienmitglieder bei ihrer Ankunft am Samstag herzlich willkommen und freuten sich, als diese sofort anboten, noch ausstehende Arbeiten selbst zu übernehmen. Am Dienstag vorher hatten Frauen und Männer aus Zell - darunter Dagmar Schnös vom Freundeskreis Asyl aus Knetzgau mit zwei syrischen Flüchtlingen - das seit 2009 leerstehende Pfarrhaus von Grund auf gereinigt. Im Außenbereich aber gibt es noch einiges zu tun. So war auch gleich eine der ersten Fragen von Michael Sarkanitsch, dem Vater, die nach einem Rasenmäher.

Dass derzeit vor allem Familien als Flüchtlinge ankommen, berichtete Dieter Sauer vom Landratsamt Haßberge auf einer Informationsveranstaltung, die am Freitagabend im Zeller Pfarrheim stattfand. Seit Dienstag vergangener Woche erreichten fünf Busse den Landkreis, der an der Reihe war, sich im Rahmen einer Notfall-Unterbringung um Unterkunft und Verpflegung für 200 Flüchtlinge zu kümmern. In vier Bussen befanden sich syrische Flüchtlinge, vor allem Familien. Im fünften Bus waren Ukrainer. Der Plan des Landratsamtes, die Flüchtlinge so schnell wie möglich aus den Turnhallen am Haßfurter Schulzentrum auf kleinere Einheiten zu verteilen, habe funktioniert, so Sauer erleichtert. Ob die neuen Flüchtlinge im Landkreis bleiben, könne man jetzt noch nicht sagen. Der Landkreis bemühe sich, vor allem die Familien zu halten und Alleinstehende auf andere Bundesländer zu verteilen. Mit dem bald beginnenden Schuljahr habe dies vor allem auch pädagogische Gründe. Außerdem würden die Flüchtlinge, die man jetzt aufnehme, auf das Kontingent angerechnet, das jeder Landkreis übernehmen müsse, erklärte Sauer.

Dieter Sauer sagte, dass die Flüchtlinge aus den Krisenregionen dieser Welt nicht kämen wegen der Sozialleistungen. "Diese Menschen kommen aus purer Not." Auch werde ihnen kein Geld nachgeschmissen, wie manchmal behauptet wird. Sie bekämen Warengutscheine für Lebensmittel und Kleidung. Allein ein Taschengeld werde bar ausgezahlt. Medizinische Leistungen gebe es nur im Akutfall, erläuterte er.

Anke Schäflein, Geschäftsführerin des Kreiscaritasverbandes, die bei der Notfall-Unterbringung in Haßfurt mitgeholfen hat, berichtete, dass viele Flüchtlinge total erschöpft seien. "Vor allem den Familien mit kleinen Kindern geht es nicht gut." Sie bräuchten kleinere Einheiten, um sich erholen zu können. "Das ist sehr schön, dass einige von ihnen nach Zell kommen können", lobte sie auf der Informationsveranstaltung.

Die Großfamilie aus der Ukraine habe sie bereits kennenlernen können. "Die sind ganz extrem freundlich und fleißig. Die haben die ganze Turnhalle wieder sauber gemacht." Sie riet den Zellern, die Flüchtlinge am besten in den Alltag zu integrieren, auf sie zuzugehen und sie in Vereine oder sonstige Gruppen einzubinden. In Asylrechtsfragen unterstützten die Fachleute der Caritas und des Landratsamtes.


Das Patensystem

Dagmar Schnös vom Freundeskreis Asyl in Knetzgau stellte das Patensystem vor, das sich bei der Betreuung der syrischen Flüchtlinge in Knetzgau bewährt habe. Die Paten halten den Kontakt zu den Flüchtlingen und sind erste Ansprechpartner für deren Fragen und Anliegen. Sie sind vernetzt mit weiteren Ehrenamtlichen, die sich um Kleider- oder Sachspenden, Fahrräder oder die Verbindung zu Vereinen kümmern, erfuhren die Zeller.

Im Anschluss an die Informationsveranstaltung erklärten sich spontan 14 Leute bereit, sich für die Neuankömmlinge zu engagieren, darunter Pfarrer Jürgen Schwarz und als Paten Patrick Kittler, Martin Stahl, Heike Huttner und Elfriede Klauer. Sie vernetzen sich mit den Mitgliedern des Freundeskreises Asyl in Knetzgau, der organisatorisch ans Bündnis für Familien und Senioren der Gemeinde Knetzgau angegliedert ist. Im Gemeindebereich von Knetzgau sind derzeit in drei Orten Flüchtlinge untergebracht: in Eschenau, in Knetzgau sowie jetzt neu in Zell. Bei der Informationsveranstaltung am Freitagabend schilderten Eva und Wolfgang Aull (Eschenau) sowie Gudrun Jäger (Knetzgau) und Manfred Vogt (Oberschwappach) vom Freundeskreis Asyl ihre Erfahrungen. kle