Die "Campingfreunde" sind ohne Zweifel ein besonderes Völkchen. Der 76-jährige Otmar Unger aus Bergrheinfeld bei Schweinfurt hat sich seit 45 Jahren dem Camping verschrieben und war 30 Mal bei der sogenannten Rhein-Main-Neckar-Ausfahrt dabei, die in den vergangenen Tagen in Knetzgau Halt machte.

"Den besonderen Reiz bieten schon diese traditionellen Ausfahrten der vier Landesverbände Nordbayern, Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Dabei begegnest du Leuten aus der ganzen Republik, und das ist das schöne an diesem Hobby", erklärt Unger.

Außer Dänemark im Norden war er in Europa fast schon überall, vor allem auch in Richtung Osten mit der Hohen Tatra. Allerdings sieht er auch einen Nachteil gegenüber früher. "Es ist wirklich alles sehr viel teurer geworden. Früher war es ja wirklich ein Arme-Leute-Hobby, mit dem Wohnwagen in Urlaub zu fahren.
Heute ist dies ganz anders, denn sowohl die Fahrzeuge als auch der Sprit oder die Stellplatzgebühren sind enorm in die Höhe gegangen. Aber ich werde trotzdem meinem Hobby so lange nachgehen, wie ich fahren kann."

Otmar Unger spricht noch ein ganz anderes und offenes Problem der Camping-Clubs an: Dass ihnen nämlich auch der Nachwuchs Sorgen bereitet. Die jungen Leute fliegen eben viel lieber und ziehen ein "All-Inclusive"-Angebot dem auch mit Arbeit verbundenen Campen vor.

Außergewöhnlich

In der Campingstraße an der Franz-Hofmann-Halle Knetzgau trifft man auf ein anderes Paar, das außer seinem Wohnwagen ein anderes Gefährt dabei hat: mit zwei Sitzgelegenheiten hintereinander und von einem Elektromotor angetrieben. Damit fahren sie von ihrem Wohnwagen zum Galaabend in die Halle. Es sind Rosi und Werner Guttenberger aus Neumarkt in der Oberpfalz. Sie unternehmen gerne Campingfahrten alleine im ganzen europäischen Raum, schließen sich aber auch dem Club oder solchen Treffen an, weil sie hier gut aufgenommen werden. Beide haben eine außergewöhnliche Lebensgeschichte: Werner Guttenberger ist contergangeschädigt und muss ohne Beine zurechtkommen und seine Frau Rosi ist wegen eines Unfalls stark behindert. Deswegen ist ihnen ihr kleines Gefährt eine große Hilfe, um sich außerhalb ihres Wohnwagens zu bewegen. Über das Treffen mit anderen Campern in Knetzgau freuen sie sich besonders.

Die Organisation dieses großen Camper-Events lag diesmal beim KC Hof (Kreisclub Hof), dessen Vorsitzender Heinz Markert aus Schönbach im Landkreis Haßberge kommt. Sein Club hat 46 Mitglieder und besteht heuer seit 50 Jahren. Im Oktober will der Kreisclub das Jubiläum feiern mit einem großen Campertreffen in Schönbach bei Ebelsbach.

Freunde finden

Heinz Markert und seine Frau Brigitte sind echte Funktionäre. "Wir sind fast jedes Wochenende im Frühjahr und Herbst für unseren KC Hof oder den Landesverband Nordbayern unterwegs. Wir genießen unser Hobby und finden es ganz toll, weil wir hier viele Leute kennen lernen und auch wirklich gute Freunde gewinnen. Und wenn wir wirklich einmal ein freies Wochenende haben, dann sind wir auf dem Campingplatz in Mehlmeisel zu finden."
Dies wird die nächsten Wochen nicht möglich sein, denn am kommenden Wochenende fahren die Markerts zur Ausfahrt nach Würzburg, danach sind sie beim Jubiläum 60 Jahre Landesverband Württemberg, und eine Woche später feiern sie mit den Würzburgern ihr 50-jähriges Bestehen. Von Langeweile also keine Spur.

Die 36. Rhein-Main-Neckar-Rallye der Campingfreunde aus ganz Deutschland mit Station in Knetzgau war verbunden mit dem 60-jährigen Bestehen des Landesverbandes Nordbayern. 152 Wohnmobileinheiten mit insgesamt 320 Personen campten dabei fünf Tage lang rund um die Franz-Hofmann-Halle. Die Teilnehmer waren begeistert von einem abwechslungsreichen Programm in einer idyllischen fränkischen Landschaft.

Schon am Mittwoch vor "Christi Himmelfahrt" waren die Campingfreunde in Richtung Knetzgau gestartet, um an der jährlichen Rallye beziehungsweise Sternfahrt teilzunehmen. Diese große Ausfahrt findet alle zwei Jahre in einem anderen Landesverband statt und führte nach acht Jahren wieder einmal nach Bayern. Der Deutsche Campingclub besteht aus rund 1600 Mitgliedern in 22 Landesverbänden. Die sind noch einmal unterteilt in Ortsclubs, von denen es im Landesverband Nordbayern zehn in den drei fränkischen Bezirken und der Oberpfalz gibt. Die nächsten sind in Schweinfurt, Bamberg und Hof.

Zu dem Treffen in Knetzgau kamen nun Campingfreunde mit ihren Wohnwagen oder Wohnmobilen aus ganz Deutschland, von Schleswig-Holstein im Norden bis hinunter nach Südbayern. Aus 17 Landesverbänden Deutschlands waren 57 Ortsclubs gekommen und machten Knetzgau für einige Tage zu einer Wohnwagensiedlung.

Vorzüge der Region

Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus freute sich über dieses große Campertreffen und stellte heraus, dass Knetzgau mit seinen Gemeindeteilen und seiner ländlichen Kulturlandschaft ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende und Urlauber sei. Egal ob Wandern, Joggen, Mountainbike, Angeln, Radeln oder Nordic Walking, die Region biete für jeden Freizeitsportler das ideale Terrain. Dabei wies er auch auf das Life-Natur-Projekt in der Mainaue, die Vogel-Beobachtungsstationen oder die familienfreundlichen Radwanderwege und den äußerst beliebten Mainradweg hin. Dabei setze die Region auf Naturschutz und Selbstvermarktung, sagte er.

Silberne Ehrennadel

Der Landesverband Nordbayern zeichnete beim Treffen in Knetzgau Heinz Markert aus Schönbach aus, der seit zehn Jahren den KC Hof leitet und Caravan-Referent im Landesverband ist. Er erhielt dafür die silberne Ehrennadel des Deutschen Campingclubs.