Nachdem sie das Zeiler Weinfest besucht hatten, trafen sich fünf Personen zu einem fidelen Stelldichein auf dem Kinderspielplatz an der Sander Straße. Drogen waren im Spiel. Nach kurzer Zeit beendete die Polizei das illegale Treiben. Dass ein 40-Jähriger - wie in der Anklage der Staatsanwaltschaft vorgetragen - den Stoff mitgebracht hatte, ließ sich in der Hauptverhandlung des Haßfurter Amtsgerichts nicht nachweisen. Von den Vorwürfen übrig blieben nur kleinste Rauschgiftmengen, die man in seiner Wohnung fand. Das Strafverfahren gegen den arbeitslosen Mann, der nicht vorbestraft ist, wurde deshalb mit einer kleinen Auflage eingestellt: Innerhalb der nächsten fünf Monate muss er 50 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.


Kein Vergehen, sondern ein Verbrechen

Für den in einer schicken Lederjacke erschienenen Angeklagten stand viel auf dem Spiel, weil sich unter den Drogenkonsumenten auch zwei Schwestern mit 16 und 14 Jahren befanden. Von daher ging es um den Vorwurf des Handeltreibens und um die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige. Eine solche Straftat gilt im deutschen Strafrecht nicht mehr als Vergehen, sondern als Verbrechen. Und wer dieses Delikt begeht, der wird - wie es in dem Gesetzestext heißt - mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. Aus diesem Grund fand die Verhandlung vor einem Schöffengericht statt.

Die Tat selber ereignete sich bereits Anfang August 2015. Nachdem die Beteiligten bei dem Weinfest ordentlich vorgeglüht hatten, machten sie sich auf den Weg zu dem Spielplatz. Das Quintett bestand aus drei jungen Mädchen im Alter von 14, 16 und 17 Jahren, einem 21-jährigen Mann sowie dem Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt 38 Jahre alt war.


Zufällig mitbekommen

Wie der damals vor Ort eingesetzte Polizist erklärte, bekamen die Ordnungshüter eher zufällig Wind von der "Kifferrunde". Einige Festbesucher, die an der Polizeiabsperrung vorbeiliefen, hatten einen verdächtigen Geruch und damit Lunte gerochen. Eher beiläufig meinten sie in Richtung der Uniformierten: "Da hinten wird gekifft." Die Polizisten gingen der Sache nach und wurden schnell fündig. Als erstes erteilten sie an alle unter der Rauchwolke Sitzenden die Anweisung, die Hände auf das Drehkarussell zu legen. Sodann folgte die Durchsuchung. Verdächtig war von Anfang an das Benehmen des Angeklagten, da er nach den Worten des Polizisten "aggressiv und ungehalten" war. Immer wieder habe er seine Hände in die Hosentaschen gesteckt und als die Ermittler mit ihren Taschenlampen alles ausleuchteten, fanden sie auf dem Boden ein Tütchen mit "Gras" - direkt vor seinen Füßen.


Zeuginnen wackelten

Da zwei der Mädchen damals bei der anschließenden Vernehmung zu Protokoll gaben, dass der Arbeitslose das Rauschgift mitgebracht und verteilt habe, waren die Indizien für die Staatsanwaltschaft ausreichend, um Anklage zu erheben. Doch im Zeugenstand vor Gericht wollte keine der jungen Zeuginnen die Anschuldigungen gegen den Mann wiederholen und es gab es bei der Frage, wer den Stoff mitbrachte, wer den Joint drehte und wer ihn dann wem angeboten und weitergereicht hat, jede Menge an widersprüchlichen Aussagen.

Trotz wiederholter Belehrung, dass man als Zeuge zur Wahrheit verpflichtet ist, "eierten" die Zeuginnen bei ihren Äußerungen ständig hin und her. Allein, dem Angeklagten war die Straftat nicht mehr nachweisbar.
Aber für die jungen Zeuginnen ist die Sache wohl nicht ausgestanden und das dicke Ende kommt noch: Staatsanwältin Kathrin Thal deutete an, dass gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen falscher Verdächtigung eingeleitet wird. Möglicherweise wird dann der Mann, der heute auf der Anklagebank saß und äußerst glimpflich davonkam, als Zeuge vorgeladen.