Es ist nicht einfach für den Verbraucher, findet Günther Liebert. Dabei sei aber doch genau das die Intention gewesen, als die Europäische Union (EU) die Energieeffizienzklassen für Elektrogeräte eingeführt hat: Wer ein Elektrogerät kauft, soll anhand einer Skala feststellen können, wie stromsparend das Teil seine Arbeit verrichtet.
Nun ist die Skala allerdings in ihrer ursprünglichen Form bei vielen Elektrogeräten quasi nutzlos geworden, erklärt Liebert, der Energieberater im Umweltbildungszentrum in Oberschleichach ist: Von "A" (bestmögliche Klasse) bis "G" (schlechteste Klasse) reichen die Abstufungen, tatsächlich sind aber einige Geräte-Typen wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler derweilen so effizient geworden, dass es die Buchstaben B bis G gar nicht mehr braucht, da sie alle in der Klasse A angesiedelt sind.
Deswegen wurden die Kennzeichnungen A+, A++ und A+++ eingeführt, um noch bessere Geräte zu kennzeichnen.


Gesetzliche Mindestanforderung

Zudem hat die EU die gesetzlichen Mindestanforderungen an einige Geräte angepasst, so müssen etwa seit Dezember 2013 alle innerhalb der EU verkauften neuen Geschirrspüler und Waschmaschinen mindestens die Anforderungen der Energieeffizienzklasse A+ erfüllen. Auf dem Energiepass im Handel sind aber für diese Geräte die Angaben A+++ bis D vermerkt (bis D, weil durch die dreifache Abstufung von A die Buchstaben E bis G wegfallen). "Das ist verwirrend", sagt Liebert, wo doch A bis D sowieso nicht mehr vergeben werden darf. Zumal jeder Elektrogeräte-Typ wieder eine andere Skala hat, je nachdem, welche Fortschritte die Hersteller bei der Verbesserung der Effizienz gemacht haben. So war etwa bei Dunstabzugshauben bis Ende 2015 die bestmögliche Klasse A, seit Anfang 2016 gibt es nun auch A+. "Es ist halt nicht dynamisch", sagt Liebert. Stattdessen müsse der Verbraucher ständig hinterher sein, welche Standards nun bei welchen Geräten gerade gelten.


Alternative: Top-Runner-Prinzip

Nachdem die EU immer wieder über eine Vereinfachung der Kennzeichnung nachdenkt, aber ein wirkliche Verbesserung nicht in Sicht ist, fragt sich Günther Liebert, warum man sich nicht an etablierten Systemen anderer Länder orientiert. In Japan etwa gelte das "Top-Runner-Prinzip", erklärt der Energieberater. Hier schaut der Gesetzgeber alle fünf Jahre auf den Markt und prüft die vorhandenen Geräte auf ihre Effizienz. Das beste Gerät setzt dann für die kommenden fünf Jahre den Maßstab.

Alle anderen Geräte müssen dann innerhalb eines vorgegeben Zeitraums diese Standards erfüllen, um am Markt zu bestehen. "Jeder Hersteller kann in der nächsten Runde den Maßstab setzen", sagt Liebert. Wenn man sich als Kunde aber ständig fragen müsse, ob nun A+ oder A+++ oder A bei diesem oder jenem Gerät das beste sei, ist das einfach lästig. "Der Verbraucher verliert das Interesse."


Ob's besser wird?

Ob die EU hier echte Verbesserungen vornimmt, ist ungewiss. Notwendig wäre es allerdings, findet Energieberater Günther Liebert. "Es hat sich ja ein detailliertes Chaos entwickelt."