Am meisten spüren jedoch die Angehörigen die Veränderungen "Alle haben am Grab intuitiv Abstand gehalten, es gab zwar einen Erdwurf, aber wir mussten die Erde mit der Hand nehmen ohne Schaufel", erklärt Marie. Sie und ihre Familie haben die Einschränkungen stark gespürt. "Es gab keine Messe, nur die Beisetzung. Dort war zwar ein Pfarrer vor Ort, aber es hat einfach etwas gefehlt. Besonders, weil meine Uroma eigentlich jeden Sonntag in der Kirche war, das war ihr wichtig", betont sie. Das es keine Umarmungen und kein Händeschütteln gab, war für Marie jedoch okay: "Wenn ich in Trauer bin und dann alle am Grab auf mich einstürmen, ist mir das meistens zu viel."
Trauer verarbeitet jeder anders
"Der Trauerprozess ist sehr individuell und kann gerade jetzt schwerfallen, weil Rituale wie eine Trauerfeier oder die Zeremonien am Grab nur in abgeschwächter Version da sind oder ganz fehlen. Diese Dinge machen einem die Situation begreiflich und bewusst. Ich mache mir deshalb schon Sorgen um die Zeit danach. Wir gehen davon aus, dass uns vermehrt Anfragen erreichen, wenn sich die Situation beruhigt hat", erklärt Claudia Stadelmann.
Sie arbeitet als Koordinatorin bei den Maltesern in Haßfurt und vermittelt Ehrenamtliche, die Angehörige bei der Trauerbewältigung unterstützen. Beim Malteser-Trauer-Treff oder beim Trauer-Wandern können Angehörige mit Anderen über ihre Situation reden und sich austauschen. Diese Angebote sind aufgrund der aktuellen Situation vorerst eingestellt.
Trauerbegleitung per Telefon
Doch die Einzeltrauerbegleitung wird weiter angeboten, momentan ist sie aber rein telefonisch. "Die Personen rufen zuerst bei mir und meiner Kollegin an und wir vermitteln sie dann an einen Ehrenamtlichen weiter. Manchmal ist es einfacher mit jemand Fremden zu reden, der der Situation neutral gegenüber steht. Auch am Telefon fällt es vielen leichter", erklärt Stadelmann. Es ist nicht die einzige Möglichkeit, mit Trauer umzugehen. Man könne an einen Ort gehen, den man mit der Person verbindet, oder zu Hause eine kleine Ecke mit Bild und Kerze einrichten, meint sie.
Vieles machen die meisten sowieso intuitiv richtig. Doch gerade im Umfeld handeln viele falsch: "Ganz wichtig ist es, nicht die Straßenseite zu wechseln, wenn man denjenigen sieht oder demjenigen nicht in die Augen zu sehen, weil man nicht weiß, was man sagen soll. Man sollte keine Angst davor haben, etwas Falsches zu sagen. Ehrlich Anteilnahme zu zeigen, ist nie falsch", betont Stadelmann. Besonders als Bekannter, Freund oder Nachbar sei es wichtig, Mitgefühl zu zeigen, ob mit einem Anruf oder einer kleinen Botschaft im Briefkasten.
Hilfe anbieten und auch annehmen
Stadelmann erklärt: "Gerade jetzt sollte man Hilfe anbieten. Diese Angebote sollten aber keine Floskeln sein. Man sollte aktiv nachhaken. Meist wollen Angehörige nicht um Hilfe bitten, bräuchten sie aber. Es ist wichtig, die Hemmschwelle zu senken. Es ist okay, Hilfe zu brauchen und auch darum zu bitten. Die Menschen müssen auf uns zukommen, erst dann können wir helfen." Und helfen will sie, denn sie ist überzeugt, dass es wichtig ist, "die Trauer jetzt nicht zur Seite zu schieben, sondern sie zuzulassen".
Da sehe sie aber auch die Chancen dieser Zeit: "Uns wird gerade wieder bewusst, was wichtig ist", sagt Stadelmann. Auch das Bestattungsunternehmen Schunder nutzt Chancen: "Wir bieten unter den Umständen jetzt auch an, die Trauerfeier zu filmen. Wir stellen das Video dann auf unser Kundenportal und dort erhalten dann die Angehörigen mit einem Passwort geschützt Zugriff. Das ist eine Möglichkeit, die Feier mit anderen zu teilen, die nicht teilnehmen konnten." Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Gedenkfeier nachzuholen, wenn sich die Lage entspannt hat. So werden es auch Marie und ihre Familie machen: "Wir planen auf jeden Fall eine Gedenkfeier und eine Messe, wenn das alles vorbei ist."
Hilfe und Hintergrund:
Angebot Kostenlos hilft der Malteser Hilfsdienst e. V:
Claudia Stadelmann
Tel.: 09521/9529900; claudia.stadelmann@malteser.org
Totentafel Die Redaktion erreichte ein Leseranruf: Könnte nicht wenigstens Name und Todesdatum in der so genannten Totentafel veröffentlicht werden? Das richtet sich grundsätzlich nach den eingehenden Traueranzeigen. Die Anzeigenabteilung hat auf Bitten von Bestattern und Friedhofsverwaltungen entschieden, die Totentafel auszusetzen, denn es gab Fälle, in denen sich Besucher in Gruppen vom Verstorbenen am Friedhof verabschieden wollten.