Am 9. April richten sich viele Blicke auf Sand. An diesem Tag wird in der Gemeinde am Main der Bürgermeister gewählt und erstmals bewerben sich drei Kandidaten um das Amt. Bisher traten immer nur zwei Personen an - oder gar nur eine. Jetzt ist alles etwas anders.

Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD), der seit 1993 in Sand "regiert", sieht sich mit zwei Kontrahenten konfrontiert. Die CSU will Andrea Rippstein ins Rennen schicken, und die Freien Sander Bürger (FSB), die zu den Freien Wählern und damit zur Wählergemeinschaft/WG Haßberge gehören, wollen Dr. Jörg Kümmel auf dem Stuhl des Bürgermeisters im Rathaus sehen.


Einstimmiges Votum

Sie nominierten den 49-Jährigen, der verheiratet und Vater dreier Kinder ist, am Samstagabend einstimmig zu ihrem Bürgermeister-Kandidaten. Alle 26 Mitglieder, die zu der Versammlung in das Gasthaus "Zur Krone" gekommen waren, votierten für den promovierten Chemiker und Unternehmer aus Sand.

Es fällt ihm derzeit noch etwas schwer, seine eigenen Chancen einzuschätzen. "Chancen sind da", meint er. Auf jeden Fall habe er schon Zuspruch und Ermunterung erfahren, sich für das Amt zu bewerben, schildert er.
Detlef Weinhold, der Zweite Vorsitzende der FSB, hatte Jörg Kümmel für die Nominierung vorgeschlagen. Es stelle sich die Frage, wie es in Sand weitergehen soll: So wie bisher, "oder richten wir uns neu aus?", fragte er. Jörg Kümmel, der auch Vorsitzender der FSB seit 2014 ist, hält er für den geeigneten Kandidaten, da er sich nicht scheue, "auch an vorderster Front mitzuwirken". Weinhold betonte vor allem das unternehmerische Wissen und Handeln des Kandidaten sowie dessen soziales Engagement (Kümmel arbeitet im Kreisvorstand der Lebenshilfe Haßberge mit).


Zwei wesentliche Kompetenzen

Jörg Kümmel stellte sich und seine Ziele vor und verwies dabei mehrfach wie Weinhold zuvor auf seine wirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen. Er will Bürgermeister werden, da "ich der Meinung bin, dass eine Veränderung Sand gut tun würde", wie er sagte.

Kümmel will Sand als Wohngemeinde stärken - als attraktiven Ort für junge Familien wie auch für ältere Menschen. Dazu gehören für ihn auch alternative Wohnformen wie etwa betreutes Wohnen für Senioren. Er vermisst Anstrengungen in diese Richtung und Begegnungsorte wie ein Mehrgenerationenhaus. Er wünscht bessere Kinderspielplätze und bessere Straßen (keine "Fleckerlteppiche"), günstiges Bauland, einen auf die neuen Gewohnheiten der Wohnmobilisten ausgerichteten Campingplatz, und er fordert mehr Sparsamkeit in der Gemeinde. "Ich weiß, wie Gelder eingespart werden können", erklärte er und schlug konkret vor, dass er selbst ein Ressort im Rathaus übernehmen würde (nicht durch die Kündigung eines Mitarbeiters, sondern im Zuge der natürlichen Fluktuation).


Die Hochwassersituation im Blick

Mit Blick auf die beantragte Kiesausbeute, die der Gemeinderat ablehnt, ist es ihm zu wenig, dass sich die Gemeinde nur gegen eine Verschlechterung der Hochwassersituation wendet. Er möchte, dass die Gemeinde die Hochwassersituation verbessert.

Birgit Bayer (Riedbach), die Kreisvorsitzende der Wählergemeinschaft Haßberge, gratulierte Kümmel zur Nominierung. "Du bist der richtige Mann", lobte sie Kümmels Kandidatur.