Ist der Fischotter auf dem Weg in den Kreis Haßberge?

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Ein Fischotter, aufgenommen in einem Tierpark. Die Tiere sind in freier Wildbahn eher selten zu beobachten. Foto: Silas Stein/dpa
Ein Fischotter, aufgenommen in einem Tierpark. Die Tiere sind in freier Wildbahn eher selten zu beobachten. Foto: Silas Stein/dpa
Die Tretzendorfer Weiher liegen im Tal der Aurach zwischen Tretzendorf und Unterschleichach. Foto: Gemeinde Oberaurach
Die Tretzendorfer Weiher liegen im Tal der Aurach zwischen  Tretzendorf und Unterschleichach. Foto: Gemeinde Oberaurach
 

Der Fischotter ist in Franken unterwegs und bereitet Teichwirten Sorgen, weil er Teiche regelrecht plündert. Wie ist die Situation im Kreis Haßberge?

Böser Fischotter! Kommt her und frisst und frisst und frisst. Die Teichwirte im Kreis Haßberge sind in großer Sorge. Oder? "Nein, eigentlich nicht", sagt Jürgen Schaaf. "Bislang hatten wir mit dem Fischotter überhaupt keine Probleme." Schaaf ist Fischzüchter und bewirtschaftet unter anderem die Tretzendorfer Weiher in der Gemeinde Oberaurach. Dort zieht er Karpfen, Hechte, Schleien, Zander und Weißfische heran, die überwiegend als Speisefisch vermarktet werden.


Der Fischotter würde da sicherlich auch nicht lange überlegen und sich an den Fischen in Schaafs Teichen gütlich tun, davon ist der 51-Jährige Tretzendorfer überzeugt. Nur: Ein Glück, die flinken Fischjäger haben ihn bislang noch nicht heimgesucht. Mit dem Thema beschäftigt hat sich der Fischwirtschaftsmeister dennoch, denn das gehört zu seinem Beruf.


Wenn Jungtiere das Jagen üben

Von Kollegen aus anderen Regionen Bayerns, die mit dem Fischotter bereits ganz reale Erfahrungen gemacht haben, weiß Schaaf, dass mit diesen "hervorragenden Jägern" nicht zu spaßen ist. "Die metzeln manchmal regelrecht im Teich", sagt er. "Die Jungtiere sind es, die den meisten Schaden machen." Denn die würden quasi zu Übungszwecken auch mal ganz ohne Bedarf eine Vielzahl an Fischen töten. Fressen wollen sie die dann gar nicht. Und freilich, bestandsreiche Zuchtanlagen der Teichwirtschaft sind quasi das Schlaraffenland für die Fischotter. Das könne für Fischzüchter durchaus existenzbedrohend werden.


Nach Schaafs Auskunft helfen da auch keine Schutzmaßnahmen wie Zaun, Elektrozaun oder Mauer gegen einen Ottereinfall. "Das hält ihn nicht auf", sagt Schaaf. Die Fischotter seien geschickt, könnten graben, klettern und sehr gut schwimmen. Aber, so sagt er erneut, im Kreis Haßberge sehe er derzeit keine Gefahr für Fischzüchter durch Fischotter. Zumal ein einzelner Otter auch nicht wirklich eine Bedrohung sei - nur wenn sich ganze Familien um bewirtschaftete Teiche herum ansiedeln würden, wäre es ein Problem.


Auch die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt des Landkreises Haßberge gibt Entwarnung: "Bei uns ist kein Vorkommen bekannt", sagt Bernd Janik über den Fischotter. "Biber: ja. Rauf und runter", aber ein Fischotter sei im Landkreis, insbesondere im Maintal oder im Steigerwald, noch nicht beobachtet worden. Derzeit gebe es auch keine Anzeichen dafür, dass sich das ändert.


Geschäftsaufgabe?

Fischwirte in Bayern sind dennoch auf der Hut: "Wenn nach Kormoran und Biber auch noch der Fischotter kommt, werden viele das Handtuch werfen", ist sich Martin Oberle, Leiter der für ganz Bayern zuständigen Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Landwirtschaftsministeriums, sicher.
In der Oberpfalz ist der Fischotter bereits eine Bedrohung, zumindest für diejenigen, die mit Fischzucht Geld verdienen wollen. Hans Klupp ist Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz und für ihn ist die Lage bereits "dramatisch". Aus Tschechien und Österreich ist der unter Schutz stehende Marder in den Bayerischen Wald eingezogen. Hier gab es rund tausend auch kleinste Betriebe, in denen Forellen gezüchtet wurden. "Die Hälfte davon hat ihren Betrieb schon eingestellt", sagt Klupp. Laut Klupp wurden in der Oberpfalz 2017 Schäden durch den Fischotter in Höhe von 250 000 Euro gemeldet. In diesem Jahr werde sich die Schadenssumme auf eine Million Euro erhöhen.


Nach Angaben des Bundes Naturschutz war der Fischotter in Deutschland noch Ende des 19. Jahrhunderts "flächendeckend in allen geeigneten Gewässern und Feuchtgebieten zuhause". Bis Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand er dann "aus weiten Teilen West- und Mitteldeutschlands". Die Tiere wurden stark bejagt, weil sie unter anderem Fischzüchtern ein Dorn im Auge waren, die um ihre Bestände fürchteten. Auch die geschmeidigen Otterfelle waren begehrt. Schmutzige Gewässer führten zudem zu einer zunehmenden Verknappung des Lebensraums. Der Fischotter gilt heute als streng geschützt und darf nicht gejagt werden.


In der Nähe gesichtet

Die Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung, in den vergangenen Jahrzehnten haben sich Fischotterbestände wieder erholt. In Deutschland sind die Tiere laut Bund Naturschutz überwiegend im Osten der Republik heimisch (vor allem Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, siehe hierzu www.bund-naturschutz.de), aber auch in Bayern fassen sie wieder Fuß. Fischotter haben sich Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zufolge überwiegend im Osten Bayerns angesiedelt, kommen über die Oberpfalz aber immer weiter westwärts, wenn auch langsam. In Oberfranken gab es Nachweise des Fischotters, etwa in Bayreuth und auch im Itzgrund im Raum Coburg, unweit des Landkreises Haßberge. In Unterfranken ist die Otterart im Bereich der Schondra gesichtet worden.

Mit Textpassagen von Andreas Dorsch, Redaktionsmitglied des Fränkischen Tags.



Infos zum Fischotter

Quelle Alle folgenden Angaben sind dem Wikipedia-Eintrag "Fischotter" entnommen.

Marder Der Fischotter ist ein an das Wasserleben angepasster Marder, der zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren zählt. Er kommt in fast ganz Europa vor und wird einschließlich Schwanz etwa 130 Zentimeter lang.

Lebensraum Sein bevorzugter Lebensraum sind flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen. Er sucht sich klare und fischreiche Gewässer, die ihm ausreichend Versteckmöglichkeiten entlang der Ufer bieten.