Die Zahl der Corona-Infektionen nimmt stetig zu. Um dem entgegenzuwirken, haben Ministerpräsidenten und Bundesregierung gemeinsame Maßnahmen beschlossen. Stark betroffen sind davon gastronomische Betriebe, die bis Ende November schließen müssen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung von Speisen. Bereits im Frühjahr traf es die Gastronomie hart, mit einem zweiten Lockdown haben wohl nur wenige gerechnet. Was bedeutet die Zwangsschließung für die heimische Gastronomie?

Der Brauingenieur und Getränkebetriebswirt Max Göller spricht im Interview über die aktuelle Situation und blickt auf das Jahr zurück. Gemeinsam mit seinen zwei Brüdern Fritz und Felix sowie seinen Eltern Eva und Franz-Josef betreibt er die Brauerei Göller und die Brauereigaststätte "Zur Alten Freyburg" in Zeil.

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie damit, dass Ihr Betrieb wieder schließen musste? Viele Gastronomen sind wütend über die strenge Maßnahme der Regierung.

Max Göller: Wir sind natürlich sehr enttäuscht, dass wir die Gaststätte schließen müssen, zumal wir alle Hygienemaßnahmen zu 100 Prozent umgesetzt haben. Auch für die Mitarbeiter ist es hart, die jetzt wieder in Kurzarbeit müssen und kein Trinkgeld mehr erhalten. Ich würde aber nicht sagen, dass ich wütend bin. Es ist teilweise nur schwer nachzuvollziehen, wieso man Gaststätten mit umgesetzten Hygienekonzepten schließt. Das ist eben ein sehr emotionales Thema, da hängen ja Existenzen dran.

Bereits im Frühjahr mussten gastronomische Betriebe schließen und duften erst wieder öffnen, wenn ein Hygienekonzept vorliegt. Wie aufwendig war es damals, nach dem Lockdown wieder öffnen zu können?

Es war ein großer Aufwand, für die Umrüstungen kam beispielsweise ein fünfstelliger Betrag zusammen. Auch gab es einen großen Mehraufwand beim Personal, zum Beispiel beim Platzzuweisen. Wir möchten uns aber nicht beschweren, schließlich durften wir ja wieder öffnen.

Wie lief es in der Gastwirtschaft unter Einhaltung der Corona-Auflagen?

Wir waren hervorragend aufgestellt. Den ganzen Sommer lang haben wir großen Aufwand betrieben, haben zum Beispiel aufgepasst, dass sich keine fremden Leute zusammensetzen. Wenn wir keine Plätze mehr frei hatten, haben die Leute entweder mit Abstand in einer Schlange gewartet oder wir haben sie nach Hause schicken müssen. Die Abstände im Biergarten wurden eingehalten, im Innenbereich wurden Trennwände aufgestellt. In der Wirtschaft haben wir eine leistungsstarke Lüftung modernisiert und draußen haben wir unter dem Dach Infrarot-Strahler installiert, weil sich viele Gäste lieber im Freien aufgehalten haben. Zudem wurden die Tische immer desinfiziert, es wurden Einwegspeisekarten ausgeteilt und die Bierdeckel mussten nach jeder Nutzung weggeworfen werden.

Hatten (und haben) Sie und Ihre Mitarbeiter Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus durch das Arbeiten in der Gaststätte?

Es gibt und gab keine Infektionskette im Betrieb. Die Servicekraft hält ja Abstand, trägt Maske und wir halten die Hygienemaßnahmen ein. Sicherlich macht sich jeder auch Gedanken, verharmlosen wollen wir das Virus ja nicht. Aber die Mitarbeiter und wir waren einfach froh, dass man wieder arbeiten konnte.

Müssen Mitarbeiter jetzt um ihre Jobs bangen?

Wir werden niemanden kündigen. Wir verkaufen weiterhin über unseren Abholservice. Das ermöglicht es uns, die Mitarbeiter für eine gewisse Stundenanzahl zu beschäftigen - wobei es natürlich nicht annähernd so viele Stunden sind wie normalerweise.

Apropos Abholservice: Wird das Geschäft wieder so aufgerollt wie im Frühjahr?

Jein - im Prinzip schon. Speisen und Getränke können bestellt werden. Was dieses Mal dazukommt: Im Herbst gibt es traditionell sonntags immer Karpfen aus unserem eigenen Teich. Die bieten wir zum Abholen auch jeden Sonntag mit Vorbestellung bis spätestens Freitagabend an. Außerdem wurde unser Bockbier schon in der Gaststätte ausgeschenkt und wir bieten auch Fassbier zum Ausschank in mitgebrachten Gefäßen an. Der Abholservice findet immer donnerstags bis samstags, 16 bis 20 Uhr, und sonntags von 11 bis 14 und von 16 bis 20 Uhr statt.

Damit kommen Sie also verhältnismäßig gut über die Runden. Wie sieht es mit der Unterstützung der Regierung aus?

Wir hoffen, dass wir die angekündigte Entschädigung von 75 Prozent des Umsatzes erhalten. Bisher weiß man einfach noch zu wenig, ob es dabei bleibt. Es ist bisher kein Antrag verfügbar und man weiß auch nicht, ob und wie Umsätze am Mitnahmegeschäft berechnet werden. Wir haben lediglich kürzlich über den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband erfahren, dass die Kurzarbeit mit verrechnet werden soll. Das bedeutet, dass am Ende deutlich weniger als 75 Prozent übrig bleiben.

Haben Sie Sorgen, dass Ihnen jetzt große finanzielle Einbußen bevorstehen?

Der November tut weh, das ist einfach so. Dass die Gastronomen jetzt schließen müssen, ist ja der Worst-Case. Aber da möchte ich noch etwas ausholen: Beim ersten Lockdown war es ja so, dass die Infektionszahlen allmählich gestiegen sind, das Virus noch ganz neu war und die Leute sehr vorsichtig waren. Die Tage vor dem Lockdown war damals so gut wie gar nichts mehr los. Dieses Mal war es anders: Die Leute sind vor dem zweiten Lockdown bewusst noch einmal ausgegangen. Das war fast surreal und hat einen auch etwas traurig gestimmt, weil man sieht, dass die Kundschaft ja da wäre. Die Gäste haben uns am Wochenende vor der zweiten Schließung aber Mut zugesprochen und gesagt, dass sie uns die Treue halten werden. Schon im März und April haben sie große Solidarität gezeigt und wir gehen davon aus, dass die Gäste uns auch im zweiten Lockdown unterstützen werden und bei uns bestellen.

Ihre Familie betreibt ja nicht nur die Gastwirtschaft, sondern auch die Brauerei. Wie wirkt sich der Lockdown auf Ihre Tätigkeit als Lieferant aus?

Die Gaststätten, die wir beliefern, brechen vorerst im November wieder weg. Wir hoffen aber, dass man uns nach wie vor mit dem Einkauf von Flaschenbier für den Genuss zuhause unterstützt.

Wie denken Sie geht es nach dem Lockdown weiter? Dann steht ja quasi schon das Weihnachtsgeschäft an ...

Nun ja, es war abzusehen, dass es keine großen Weihnachtsfeiern gibt. Die großen Firmenfeiern mit über 100 Leuten wurden in diesem Jahr nicht abgesagt, weil sie ja gar nicht erst angemeldet worden sind. Man muss einfach abwarten, was kommt. Es wird auf jeden Fall ein harter Winter und eine harte Vorweihnachtszeit. Das ist nicht schönzureden, aber wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern geben einfach unser Bestes. Wir hatten trotz allem einen guten Sommer und werden auch wieder an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen.

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