In den nächsten Tagen entscheidet sich, wie es mit der traditionsreichen Bäckerei Sachs weitergeht. Die Gläubigerversammlung hat dem Insolvenzverwalter die Vollmacht erteilt, den vorhandenen Grundbesitz "freihändig", also ohne Zwangsversteigerung, zu verkaufen. Der Geschäftsbetrieb geht deswegen weiter wie bisher. Längstens aber bis zum 28. Februar, wie einer Bekanntmachung des Insolvenzgerichtes in Bamberg zu entnehmen ist.

So lange will der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Gerald Rohé aus Schweinfurt, aber gar nicht warten. "Ich möchte bis Ende Januar zum Abschluss kommen."

Interesse am Bäck-Drive

Wie dieser Abschluss aussehen könnte, davon hat der Anwalt, der aus Losbergsgereuth stammt, klare Vorstellungen: "Es gibt zwei Möglichkeiten. Mir liegt für das Bäck-Drive in der Gymnasiumsstraße ein konkretes Angebot einer größeren Kette vor. Wahrscheinlicher erscheint mir aber die Übernahme durch eine Auffanggesellschaft durch die Familie Sachs, die wegen der Finanzierung noch die entsprechenden Gespräche führt. Bis Ende Januar braucht's deswegen eine Bankbestätigung."

Für solch einen Übergang des Geschäftsbetriebes muss sich der bisherige Inhaber am Angebot der Konkurrenz orientieren. "Anders geht das gar nicht. Das schreibt das Insolvenzrecht so vor. Würde ich anders handeln, würden mich die Gläubiger in Regress nehmen", so Rohé.

Bei den Gläubigern handelt es sich vorrangig um eine Bank, die eine Filiale in Ebern betreibt und hohe Forderungen angemeldet hat.

Eine Fehleinschätzung

Sie hatte ein Projekt finanziert, das die gesamte Firma ins Dilemma stürzte: den Bau des "Bäck-am-Eck" in Sandhof. Dessen Zielgruppe, vorbeifahrende Fahrzeuginsassen auf der B 279, ließ die sechsstellige Investition samt Autoschalter und Aufzug aber meist links liegen, so dass "nicht einmal die Hälfte des erwarteten Umsatzes erreicht wurde", wie Insolvenzverwalter Rohé nachgerechnet hat . "Das hat sich nie getragen."

2008 gekauft und und aufwändig eingerichtet, wofür insgesamt 850 000 Euro investiert wurden, steht das Bäck-am-Eck seit 2012 leer, die Innen-Einrichtung schmückt mittlerweile zum Teil das rentable Bäck-Drive in der Gymnasiumsstraße.

Zusammen mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. August 2014, als der Kapitaldienst das Geschäftskonto aufgezehrt hatte, wurde auch die Filiale in der Kapellenstraße geschlossen, die zu dieser Zeit noch vormittags geöffnet hatte.

Dort befindet sich noch immer die Backstube, wo die Waren hergestellt werden, die im Bäck-Drive und bei Rundfahrten durch die Dörfer verkauft sowie an Stammkunden geliefert werden. Eberns letzte Backstube, da Hans-Peter Sachs, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt, als einziger einheimischer Bäcker übrig blieb.

Sollte eine externe Kette den Zuschlag erhalten, wäre damit das Ende dieser Produktionsstätte besiegelt und mehrere, der zuletzt 15 Arbeitsplätze gingen verloren. "Der auswärtige Investor hat natürlich nur Interesse an den Verkaufsmöglichkeiten, nicht aber an einer zusätzlichen Produktionsstätte", weiß Insolvenzverwalter Rohé.

Über die weiteren Immobilien machte Rohé keine Angaben. Für das Bäck-am-Eck hatte die Geldgeber-Bank ihre Preisvorstellungen zwischenzeitlich von 160 000 auf 90 000 Euro heruntergeschraubt. Am Standort Kapellenstraße hat den Informationen unseres Portals zufolge das Diakonische Werk Bamberg Interesse, da es eine Generalsanierung und Erweiterung des unmittelbar angrenzenden Seniorenzentrums St . Elisabeth plant.
In einer der Verhandlungsrunden war dabei angedacht worden, dass beim Zustandekommen einer Auffanggesellschaft ein Kauf erfolgt, wobei die Backstube für eine bestimmte Frist an die Familie Sachs zurück vermietet wird, war aus Teilnehmerkreisen zu erfahren.