"Hallo, alle!" Winkend stürmt Faisal in den voll besetzten Saal. Die aufrichtige Freude über die vielen Besucher steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er grinst bis hinter die Ohren. Faisal kommt aus Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan. Nach Monaten der Flucht über Tausende Kilometer landete er Anfang September im kleinen Eberner Stadtteil und fühlt sich dort mittlerweile pudelwohl, wie er und seine acht Leidensgenossen beim vorweihnachtlichen Nachbarschafts-Kaffee im Heim der Evangelischen Jugendhilfe Würzburg am Dienstagabend vor großer Runde kundtaten.

Leidensgenossen? Ja, viel Leid haben sie ertragen müssen während der monatelangen Flucht ohne Eltern aus den Kriegsgebieten in Eritrea, Afghanistan und Somalia. Aber jetzt: Sie genießen die Freiheit und das friedvolle Umfeld.

Und dafür sind sie dankbar, wie es Mohammad in einer selbst aufgesetzten Rede beeindruckend zum Ausdruck brachte.
Wort- und metaphernreich schüttete er sein Herz aus, auch "wenn ich keine Worte finden kann, die meine Dankbarkeit über die freundliche Aufnahme richtig ausdrücken", wie er es zunächst auf Arabisch aufgeschrieben und dann zusammen mit seinen Betreuern auf Deutsch übersetzt hatte.

Und seine Worte rührten Nachbarn, Freunde und Unterstützer an, die gekommen waren, um mit den "neuen Jungs aus Bramberg" eine Vorweihnachtsstunde zu feiern. Dazu verlasen die jugendlichen Flüchtlinge noch Gedichte und Geschichten und bewiesen damit, welche Fortschritte sie im Unterricht in den letzten Woche gemacht haben. "Deutsch lernen steht im Mittelpunkt des Unterrichtes", umschreibt Angelika Pfeifer, eine der fünf Betreuerinnen, die sich den Rund-um-die-Uhr-Dienst teilen, den Alltag im einstigen Rot-Kreuz-Haus. "Es funktioniert wirklich alles total problemlos. Die Jungs benehmen sich anständig. Ich habe daheim auch Pubertierende, die sind auch nichts anders, nur Bitte und Danke sagen die nicht so oft", so die Erzieherin, die aus Neustadt bei Coburg stammt.

Gelegenheiten zum Austoben bieten sportliche Aktivitäten. Dazu sind die neun Asylwaisen, die aber alle zumindest noch Elternteil haben, die aber teils in anderen Ländern wie Irak gestrandet sind, in Vereinen der Region aktiv. Die Langläufer in Zeil, die Fußballer bei der JFG Haßgau, die Schwimmer in Baunach und die Volleyballer beim TV Ebern. Gerade die Sportfreunde, wie Edwin Hanke, Reinhold Klein oder Hubert Karl, wurden von ihren Schützlingen innig geherzt als sie bei der Weihnachtsfeier am Dienstag auftauchten.

Aufs Weihnachtsfest wurden die neun Flüchtlinge von ihren Betreuern vorbereitet. "Nur die drei aus Eritrea sind orthodoxe Katholiken und die feiern Weihnachten erst am 7. Januar." Doch auch für die sechs Muslime gelten die deutschen Gepflogenheiten. "Sie wissen alle, um was es geht. Am Heiligabend unternehmen wir zum Mittagessen einen Spaziergang zur Gemünder Mühle. Am Abend gibt es ganz traditionell Wienerla mit Kartoffelsalat und danach erfolgt die Bescherung. "Wir haben bei jedem die Herzenswünsche herausgefieselt", zeigt auch Angelika Pfeifer schon Vorfreude. Meist handelt es sich dabei um Spiele und Kleidung.


Kochen in Eigenregie

Danach wird ein Weihnachtsfilm mit Erklärungen zum Fest gezeigt. Am ersten Feiertag stehen Roulade und Schlittschuhlaufen auf dem Programm. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es Hühnchen, wobei alles in Eigenregie zubereitet wird. Leckere Kostproben davon gab es am Dienstag auch für die Gäste. An Silvester steht Pizzabacken im Kalender und am 7. Januar wird nochmals Weihnachten gefeiert.