Sein brutaler Angriff auf einen Schaffner kommt einen 25-jährigen Forchheimer teuer zu stehen. Richter Roland Wiltschka verzichtete in seinem Urteil zwar auf eine Geldstrafe und legte dem Angeklagten neben einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf drei Jahre Bewährung "nur" 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Aber von zivilrechtlicher Seite kommen auf den jungen Mann allerhand Forderungen zu: 2050 Euro Schmerzensgeld, Regressforderungen der Deutschen Bahn sowie der Krankenkasse des Geschädigten.

Der, ein 39-jähriger Zugbegleiter, war in der Nacht des 26. Januar gegen 23 Uhr von einem Kopfstoß des 25-Jährigen überrumpelt worden. "Ich habe mich mit seinem betrunkenen Kumpel unterhalten. In dem Moment springt er auf und haut mir seinen Schädel ins Gesicht", erzählte der Schaffner vor Gericht.

Da der Zug anschließend am Zeiler Bahnhof hielt und auf die alarmierte Polizei wartete, wurde die gefährliche Körperverletzung am Amtsgericht in Haßfurt verhandelt. Im nüchternen Zustand hätte der eher schmal gebaute Angeklagte (ein Test ergab später 1,15 Promille beim Täter) den Angriff bestimmt nicht gewagt: Der Geschädigte bringt neben einer stattlichen Körpergröße auch ein ordentliches Gewicht auf die Waage.

Kein Ausweichen möglich

Doch weil der Kopfstoß völlig überraschend kam, hatte der Schaffner keine Möglichkeit zurückzuweichen und trug massive Verletzungen davon: eine Schädelprellung, eine geplatzte Unterlippe, eine Zerrung der Nackenmuskulatur und des Schulterblatts sowie zwei gelockerte Zähne.

Acht Wochen war der Mann aus Rheinland-Pfalz krankgeschrieben. "In meinen 25 Jahren als Zugbegleiter hat mich noch nie einer angegriffen", sagte der 39-Jährige. Ruhig und gelassen schilderte er die Ereignisse der Tatnacht, während der 25-Jährige nervös und mit eingezogenem Kopf auf der Anklagebank saß.

Schon mehrfach hatte er sich bei dem Schaffner entschuldigt: kurz nach der Tat, in einem Brief und nun ein weiteres Mal vor dem Amtsgericht. Doch auch wenn der Geschädigte die Entschuldigung annahm: Mit der Deutschen Bahn hat sich der 25-Jährige einen kolossalen Gegner ausgesucht. Für den außerplanmäßigen Halt in Zeil von 90 Minuten stellte das Unternehmen bereits 900 Euro in Rechnung. "900 Euro? Das ist billig. Normalerweise kostet eine Verspätung pro Minute 180 Euro plus Steuern", erklärte der Zugbegleiter. Insgesamt habe der Zwischenfall Verspätungen von 230 Minuten nach sich gezogen.

Doch bei dem Forchheimer ist nicht viel zu holen. Er arbeitet nur im Sommer als Kellner in der Gastronomie.
Wie es zu dem Aussetzer kam, konnte der Forchheimer Richter Roland Wiltschka nicht erklären. Seine Erinnerung setze erst nach dem Kopfstoß ein, als ihm das Blut über das Gesicht lief, sagte er. Seitdem schlafe er schlecht und habe keinen Alkohol mehr getrunken. Dazu riet ihm Richter Wiltschka auch dringend: "Mit Alkohol haben Sie ein mords Problem. Der macht Sie massiv aggressiv."

Der Geschädigte wird die Ereignisse nicht so schnell vergessen. Er war von Fahrgästen darauf angesprochen worden, dass zwei junge Männer einen Feuerlöscher herausgerissen hätten. Als er die beiden kontrollierte, stellte er fest, dass sie die falsche Fahrkarte gelöst hatten und im verkehrten Zug saßen. "Der Angeklagte war ziemlich aufgekratzt", erinnerte sich der Schaffner. Als der 25-Jährige aufsprang und seinen Kopf gegen seinen schlug, wollte er gerade die Polizei alarmieren.

Zuvor hatten die beiden den Feuerlöscher quer durch den Waggon geworfen. Verletzt lief der Schaffner dann zum Lokführerstand, rief die Polizei und ließ den Zug in Zeil halten.
Schon in der Vergangenheit war der Angeklagte unter Alkoholeinfluss straffällig geworden. Doch er hatte Glück im Unglück: Am 2. Juni waren alle seine Vorstrafen im Bundeszentralregister getilgt worden. Der Grund: Die Eintragungen im Erziehungsregister werden nach der Vollendung des 24. Lebensjahres wieder gelöscht.