"Ich bin beeindruckt von der Vortragsweise, von der Art, wie sie liest, und von den Hintergrundinformationen darüber, wie man einen Roman schreibt", sagte Manfred Finster aus Uchenhofen. Er hatte als einer der wenigen Männer die Lesung von Amelie Fried beim ersten Haßfurter Literaturfestival in der Stadthalle in Haßfurt besucht, die dem Publikum insgesamt sehr gut gefallen hat.

"Ich bin freiwillig gekommen, denn ich denke, man sollte alles einmal mitmachen, um zu sehen, ob es einem gefällt", betonte Manfred Finster. "Ich bin echt froh, dass ich hier war."

Auch seine Frau Gabi war zufrieden. "Die Lesung entsprach meinen Vorstellungen", erklärte sie am Ende. "Jetzt bin ich positiv gestimmt und fühle mich total locker und lustig. Ich habe noch nie ein Buch von Amelie Fried gelesen, kannte sie aber aus dem Fernsehen und fand sie schon immer liebenswert und sehr interessant. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und kann sich intelligent ausdrücken. Sie ist einfach eine tolle Frau!"

Amelie Fried nahm die Zuhörer gleich für sich ein, als sie Haßfurt als "hübsches Städtchen" und die Atmosphäre der Stadthalle als angenehm bezeichnete. "Gute Unterhaltung ist etwas Wichtiges und kann sehr qualitätsvoll sein und ich bemühe mich darum", sagte sie. Ihre Romane würden manchmal als "Unterhaltung eben, noch dazu für Frauen" bezeichnet. Sie habe einmal Marcel Reich-Ranicki in einer Talkshow gefragt, was er von Frauenliteratur halte. "Frauenliteratur, was soll das sein? Es gibt nur gute und schlechte Literatur. Es gibt ja auch keine Männerliteratur", habe der Gefragte geantwortet.

Fried trug Passagen aus ihrem Buch "Ich fühle was, was du nicht fühlst" vor und beeindruckte das Publikum mit ihrer deutlichen Aussprache und mit ihrer schönen, klaren Stimme. Sie erklärte, dass das Buch eine Familiengeschichte sei, die aus der Sicht des 13-jährigen Mädchens India erzählt werde und im Jahr 1975 spiele. "Es geht um Wahrheit, Wirklichkeit, Lebenslügen und Familiengeheimnisse", verriet sie.

Sie schilderte, dass jeder ihrer Romane autobiographische Züge aufweise und auch India ein paar ihrer eigenen Züge erhalten habe. "Aber während sie eine mathematische und musikalische Hochbegabung ist, bin ich darin eine Null!" Wenn sie nicht an einer hessischen Gesamtschule gewesen wäre, wo sie Mathematik habe abwählen können, hätte sie wohl das Abitur nicht geschafft, gestand sie.

Gerne gab sie den Zuschauern die Möglichkeit zu persönlichen Fragen. "Wie kommen Sie auf Ihre Ideen? Was geht in Ihnen vor? Wie beginnen Sie ein Buch?", wollte Gabi Finster wissen. Darauf antwortete Amelie Fried: "Die Ideen kommen zu mir. Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und es finden sich Themen und Geschichten, die mich zwei Jahre interessieren könnten. Denn so lange dauert der Prozess, der eher unbewusst abläuft. Es muss einfach kribbeln. Natürlich muss man gute Ideen und Talent zum Schreiben haben, aber viel ist auch Handwerk und Sitzfleisch. Man sitzt nicht unter einem romantischen Olivenbaum in der Toskana, sondern auf einem harten Stuhl am Schreibtisch", beschrieb die Autorin. Das Publikum erfuhr, dass sie, als ihre Kinder klein waren, mit ihrem Mann um die Arbeitszeit "gestritten" hatte. Jetzt aber sind die Kinder aus dem Haus und sie hat Zeit, sich zu Beginn eines Romans an einen Ort zurückzuziehen, wo sie allein ist.

Sie hat immer ein Konzept und weiß, was sie will, aber sie nimmt auch spontan Ideen auf. Als sie elf Jahre alt war, war sie von einem Kinderbuch begeistert und wollte seitdem Schriftstellerin werden.


Mit einem "Tatort"-Kommissar

Doch zunächst war sie ins Fernsehen eingestiegen. Dies schilderte Amelie Fried so: "Udo Wachtveitl, der spätere ,Tatort'-Kommissar, lud mich bei einer Party zu einem Casting des Bayerischen Rundfunks für ,Live aus dem Alabama' ein. Ich dachte, ich sollte Udo nur die Hand halten, aber plötzlich war ich selbst Teil des Castings. Letztendlich bekam ich den Job und Udo nicht, was er mir eine Zeitlang nachtrug. Erst als ich ihn zu einem teuren Essen einlud, hat er mir vergeben und wir haben heute einen guten Kontakt. Denn er wohnt ganz in meiner Nähe."

Erst mit Mitte 30 hat sie ihre erfolgreiche Karriere als Schriftstellerin von Kinder- und Jugendbüchern sowie Romanen für Erwachsene begonnen. Auf Nachfrage sagte sie, dass sie sich sehr gut in die 13-jährige India habe versetzen können, da sie ja auch einmal so alt gewesen sei. Je älter sie werde, desto besser könne sie sich auch in die Rolle von älteren Helden versetzen. "Vielleicht kommt ja mal ein Roman mit dem Titel Traumfrau mit Ersatzteilen oder Traumfrau mit Rollator", scherzte sie. Da sie im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, sagte sie unter dem Applaus der Zuhörer: "60, das klingt bedrohlich. Doch lieber 60 werden als nicht 60 werden!"