Der 30. Mai 2020 sollte ihr großer Tag werden: Katharina Ullrich und Mathias Lämmlein aus Ebelsbach hatten bereits alles geplant. "Vormittags Standesamt, danach die kirchliche Trauung und abends wird gefeiert, also das volle Programm", schildert Lämmlein die Hochzeitspläne. Doch Corona macht ihnen - wie so vielen anderen Brautpaaren in spe - einen Strich durch die Rechnung. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder kürzlich mitteilten, wurden die Ausgangsbeschränkungen und das Abstandsgebot von 1,5 Metern vorerst bis zum 3. Mai verlängert. Zwar wurde das Kontaktverbot gelockert, dennoch bleiben Feiern strikt untersagt.

"Wir wollen mit 130 Leuten feiern. Auch unsere drei Omas sind anwesend. Da war es absehbar, dass wir die Hochzeit verschieben müssen", so Ullrich. Bereits im März haben sie sich entschieden, die Trauung auf den 30. Mai 2021 neu zu legen. "Am Anfang haben wir gesagt, dass wir bis zur Ansprache am 19. April mit einer Entscheidung warten. Aber das wurde mir zu heikel", sagt sie. Der Wunschtermin im nächsten Jahr hätte bis dahin an ein anderes Paar vergeben werden können.

Die Lage in den Standesämtern

Denn die Ebelsbacher sind nicht die einzigen im Landkreis, die ihre Hochzeit sicherheitshalber verschieben. So berichtet Bernd Kaiser, Standesbeamter der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach: "Im Standesamt finden derzeit Eheschließungen statt, aber es werden auch Eheschließungen wegen Corona verschoben. Es wurden bereits wegen der Krise Standesamtstermine verschoben, die in ein paar Monaten stattgefunden hätten." In Ebern "finden Eheschließungen statt, vereinzelt werden auch Termine verschoben", wie Petra Mytzka vom Standesamt angibt.

In anderen Standesämtern finden aktuell keine Trauungen statt. So berichtet Yvonne Beck vom Standesamt Maroldsweisach, dass der nächste Termin erst Mitte Mai anstehe. Susanne Lavadinho Bravo von der Stadt Haßfurt gibt an, dass sich das Standesamt auf die Ausgangsbeschränkungen beruft und aktuell keine Eheschließungen vornimmt. Zudem seien einige Trauungen seitens der Paare bereits verschoben worden.

"Glücklicherweise hatten wir von Mitte März bis Ende April nur einen einzigen Wunsch zur Trauung. Diese wurde nach Absprache mit den Eheschließenden auf einen unbekannten Tag verschoben", sagt Andreas Dellert, Geschäftsleitender Beamter der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim. Für die Standesämter Hofheim und Königsberg gilt: "Derzeit wird abgewartet, wie sich die Pandemie und die festgesetzten Beschränkungen weiter entwickeln."

Für diejenigen, die sich doch trauen, herrschen strikte Regeln. "Bei den Trauungen wird der Sicherheitsabstand eingehalten. Das Brautpaar sitzt dementsprechend weiter weg vom Standesbeamten als sonst. Auf Händeschütteln wird verzichtet. Zu den Trauungen dürfen keine Angehörigen kommen. Es sind nur das Brautpaar und eventuell die Trauzeugen anwesend", umreißt Petra Felser vom Standesamt in Eltmann die Vorgaben. Dort wurden bisher Trauungen verschoben, die im April und Mai stattfinden sollten. Mytzka erklärt, dass Angehörige und Gäste nicht teilnehmen dürfen, "da die Teilnahme von Gästen nicht Teil der Amtshandlung im staatlichen Aufgabenbereich ist und somit einer Veranstaltung gleichgestellt wäre".

Keine Gäste, kein Händeschütteln und auf Abstand bleiben: Diesen Kompromiss wollten Mathias Lämmlein und Katharina Ullrich nicht eingehen. "Wir wollen so feiern, wie wir es geplant hatten und nicht so wie es Corona uns vorschreibt", sagt die Ebelsbacherin. Ihr Verlobter stimmt zu: "Wir verschieben den Termin lieber, bevor die komplette Mannschaft nicht dabei sein kann." Dennoch ist ihnen die Entscheidung schwer gefallen, so Ullrich. "Wir haben uns darauf gefreut und wir wollten unvergesslich feiern. Zwar wäre es mit Corona auch unvergesslich, aber nicht im guten Sinn", sagt sie und lacht.

Dienstleister werden abgesagt

Fällt eine Hochzeit aus, macht sich das häufig im Geldbeutel bemerkbar. Fotograf, Catering, Location - für viele Paare ist es nicht nur aus finanzieller Sicht eine echte Herausforderung, sämtlichen Dienstleistern eine Absage zu erteilen. "Letztendlich bin ich dankbar, dass meine Trauzeugin die Absagen und Terminverschiebungen übernommen hatte, weil das wäre für mich emotional schon schwierig gewesen", sagt Ullrich.

Aber das Paar konnte aufatmen: "Wir hatten das Glück, dass wir einiges angezahlt haben und wir haben es geschafft, dass wir alle Dienstleistungen auf den Termin im nächsten Jahr verschieben konnten", erklärt Lämmlein. Nur in einem Fall mussten sie Gebühren zahlen, wobei ihnen der Dienstleister in Anbetracht der aktuellen Lage finanziell entgegengekommen sei.

"Die Hochzeit steht, es gibt nichts mehr zu machen", so Katharina Ullrich. Wenn überhaupt, dann werden sie zu Weihnachten noch einmal Einladungskarten mit dem neuen Termin verschicken. Zwar verlief die Verschiebung ihrer Trauung unproblematisch, doch "es macht schon etwas an der Vorfreude aus. Man freut sich nicht noch einmal ein ganzes Jahr lang auf die Hochzeit", sagt die angehende Braut. Zudem sei die Vorstellung, dass in einem Jahr alles wieder normal ist und ohne Einschränkungen gefeiert werden kann, noch surreal: "Man kann sich ja im Moment nicht einmal vorstellen, dass man einfach so seine Familie und Freunde besuchen kann."

Auswertung unserer Facebook-Umfrage

Über die Facebook-Seite "Fränkischer Tag Haßberge" hat der FT eine Umfrage zum Thema "Heiraten in der Corona-Krise" durchgeführt. 158 Facebook-Nutzer nahmen an der Umfrage teil. 32 Prozent (51 Stimmen) würden trotz der Corona-Krise heiraten. 107 Nutzer und damit 68 Prozent würden den Hochzeitstermin verschieben.

.