Die Landtagswahl in Bayern und die Bundestagswahl eine Woche später haben die Genossen in der Republik geschockt. Depression scheint angesagt und vor allem große Verunsicherung darüber, wie man mit einer vor Selbstvertrauen strotzenden schwarzen Übermacht in der nächsten Wahlperiode umgehen, ob man eine Regierung unter Angela Merkel mittragen will. Die allgemeine politische Großwetterlage strahlt bis in die Kommunalpolitik aus.

Just in dieser Zeit zeigt in Ebern ein wackerer Genosse Flagge. Jürgen Hennemann, SPD-Frontmann aus Ebern will es noch einmal wissen. Er will nach wie vor Bürgermeister von Ebern werden. Jetzt erst recht! Es muss doch möglich sein, sagt er sich, die Bevölkerung mit Sachthemen zu überzeugen und den Bürgermeister-Sessel, den die CSU seit Jahrzehnten fast gepachtet zu haben scheint, endlich zu erobern.

Aller guten Dinge sind ... vier! Im vierten Anlauf will Jürgen Hennemann im März endlich den Einzug ins Rathaus schaffen. Die offizielle Nominierung durch seine Parteigenossen scheint dabei nur Formsache zu sein. Im Ortsverein ist Hennemann eine Bank.

Blick zurück

Drei Mal war der SPD-Politiker dem amtieren Bürgermeister Robert Herrmann unterlegen, zuletzt mit gerade mal 22 Stimmen Unterschied. Ein Wimpernschlag bei damals knapp 6000 Wahlberechtigten - allein die Zahl der ungültigen Stimmen (103) war vier mal so stark gewesen, wie dieses "Zünglein" an der Waage; ganz zu schweigen von der Zahl der Nichtwähler (Wahlbeteiligung 70,57 Prozent). Letztendlich hatten damals 35 Prozent der Wahlberechtigten für Robert Herrmann gestimmt und ihm eine dritte Amtszeit ermöglicht.

Die "schwarze" Mehrheit aus CSU und Junger Liste hatte dem Stimmenkönig (als Stadtratskandidat hängte Hennemann bei der Kommunalwahl 2008 mit 4425 Stimmen den Nächstplatzierten Dieter Gerstenkorn von der CSU mit 3063 Stimmen deutlich ab) damals auch eine Fortführung seiner Funktion als Zweiter Bürgermeister versagt. So musste sich Hennemann in den vergangenen fünf Jahren mit der Aufgabe des Fraktionssprechers im Stadtrat begnügen.

Jürgen Hennemann indessen setzte sich auch in dieser Funktion wirkungsvoll ins Szene. Als Betriebsratsvorsitzender bei der Firma FTE, als Aufsichtsratsmitglied in verschiedenen Gremien, als Unterbezirks-Vorsitzender seiner Partei sowie als Kreisrat und nicht zuletzt als Vereinsbeauftragter des Stadtrats und Aktivist in etlichen Ortsvereinen stellt er sich ohnehin in vielen Bereichen der Verantwortung ; und die Eberner schätzen sein Engagement und Verhandlungsgeschick vor Ort und bei überörtlichen Stellen.

Von Bürgern gedrängt

Die Bestätigung dafür hat ihn nun auch zur neuerlichen Kandidatur animiert, wie der 50-Jährige bekannte, nachdem die Diskussionen und Spekulationen um die Kandidatur bereits seit Monaten andauerten. Hennemann berichtet, dass ihn viele Eberner angesprochen, wenn nicht gar intensiv gebeten hätten, doch wieder anzutreten: "Insbesondere, als die CSU ihre Kandidatin präsentiert hat, kamen viele auf mich zu, die mich bestärkt haben."

Nachdem sein mehrmaliger direkter Widersacher Robert Herrmann nicht mehr antritt, wird es Hennemann im März 2014 mit einer Frau zu tun bekommen. Barbara Baumbach will für die CSU antreten. Und, so viel steht ebenfalls bereits fest: Bei einem Zweikampf wird es im März nicht bleiben, denn zumindest auch die Eberner Alternative Liste wird einen Kandidaten oder eine Kandidatin ins Rennen schicken.

Ein Kandidat müsse aus Ebern kommen, denn nur dann kenne er die Belange der Menschen hier, sei ein oft vorgebrachtes Argument, berichtet Jürgen Hennemann, der sich beispielsweise als Mitglied der Kulturringspitze oder als Feuerwehrmann mit dem öffentlichen Wohl in seiner Stadt verbunden fühlt.

Ein Wahlprogramm mit Inhalten sei in Vorbereitung, das grundsätzliche Thema sei über die Jahre das gleiche geblieben: "Wir müssen die Menschen zusammenbringen und mitnehmen, wenn es um Veränderungen geht", erklärt Hennemann.Zudem stelle der tief greifende demografische Wandel eine Herausforderung dar. "Unsere Stadt altert", sagt der SPD-Politiker. Wenn auch die Kommunalpolitik nur eingeschränkt gegensteuern könne, müsse sie alles tun, um die Bürger einzubeziehen.

Hennemann wörtlich: "Ich habe mich immer stark gemacht für den Agenda-Prozess. Ende der 90er-Jahre gab es Arbeitsgruppen der Agenda 21. Da haben wir gemeinsam mit den Bürgern Ideen entwickelt."

Nur wenn's ans Umsetzen ging, seien die Vorschläge bisher meist in der Schublade verschwunden. Verschiedene Interessen an einen Tisch zu bringen, sei das Entscheidende, meint Hennemann, denn "in Ebern gäbe es so viel Engagement". Dieses zusammenzubringen, werde die Aufgabe eines zukünftigen Bürgermeisters sein. "Ebern ist, was wir alle daraus machen", sagt er, ein Satz, der zu einem möglichen Motto für die Zukunft werden könne.

Wie man Menschen motiviert und einbezieht, weiß Hennemann aus langjähriger Praxis, was ihm auch die SPD-Vorsitzende Brunhilde Giegold unbedingt attestiert: Als Betriebsratsvorsitzender müsse man einen breit gefächerten Einblick und umfassende Kenntnisse haben, über Bilanzen, Finanzierungen, und man müsse Menschen zuhören können.

Als Stadt- und Kreisrat habe Hennemann sich auch in Haushalte der Kommunen eingearbeitet und sei zum Experten geworden. Er verfüge über ein großes Netzwerk an Kontakten in der Stadt und im Landkreis, im Bund und habe gar, wie auf der UN-Konferenz "Rio +20" im letzten Jahr zum nachhaltigen Wirtschaften, internationale Erfahrungen sammeln können.

Voller neuer Ideen

Hennemann betont, an Ideen für die Gestaltung der Zukunft der Stadt und ihrer Bürger fehle es ihm nicht. "Ich habe immer viele neue Ideen, mit denen ich manchmal mein Umfeld nerve", erklärt Hennemann.

Der Schwerpunkt der Stadtpolitik, so seine Überzeugung, müsse zukünftig im Sozialen und im Miteinander liegen. "Für eine soziale Stadt wünsche ich mir eine stärkere Koordinierung der Vereine und Einrichtungen. Das gelte für die Betreuung der Schulkinder ebenso wie für die Senioren." Wichtig sei es,deren eigenständiges Leben sicherzustellen und Hilfeleistungen zu geben, insbesondere auf den Dörfern. Hennemann: "Dafür müssen wir Kompetenzen bündeln und eine Zusammenarbeit erreichen."

Die SPD Ebern hält am Dienstag, 1. Oktober, um 20 Uhr im Gasthof "Post" eine Vorstandssitzung ab. Themen sind die Vorbereitungen für die Kommunalwahlen 2014 und die Bürgermeisterkandidatur Jürgen Hennemanns. Weiter geht es um Vorschläge von Kandidaten der SPD Ebern zur Kreistagsliste der SPD. Daneben geht es um eine Analyse der Wahlergebnisse bei den Landtags-, Bezirkstags- und Bundestagswahlen. Besonders das Ergebnis der SPD Kandidaten bei den Wählern in Ebern wird dabei unter die Lupe genommen.