Ursprünglich war der gelernte Kfz-Mechaniker angeklagt worden, in der Zeit vom 14. August 2011 bis zum 2. März 2012 einen anderen Mann in neun Fällen zur Einfuhr von Drogen aus der Tschechischen Republik angestiftet zu haben. Nun wurde er "nur" wegen Beihilfe zur vorsätzlichen Einfuhr in Tateinheit mit dem unerlaubten Erwerb und der unerlaubten Abgabe von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt - ein großer Unterschied. Denn als Anstifter wäre er strafrechtlich genauso hart bestraft worden wie der Täter selbst.

Verteidiger Hubertus Joachim Krause aus Schweinfurt konnte Richter Manfred Schmidt und die Schöffen aber in einem 20 Minuten langen Plädoyer davon überzeugen, dass sein Mandant den Drogenschmuggel nicht in Auftrag gab. Er plädierte für eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Staatsanwalt Christopher Rosenbusch dagegen forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten.

Der Angeklagte hatte gleich zu Verhandlungsbeginn zugeben, neun Mal Crystal Meth für einen Gesamtpreis von etwa 6500 Euro gekauft zu haben. Die Drogen bekam er von einem Bekannten aus dem Landkreis Bamberg. Der, ein dreifacher Familienvater, kaufte das Methamphetamin zwei Mal im Monat in der tschechischen Stadt Cheb ein. Dafür kassierte er von dem Angeklagten und weiteren Kunden im Voraus Geld und fuhr dann mit dem Pkw auf einen tschechischen Markt. Auf dem Beifahrersitz saß meistens eine Frau, die das "Material" anschließend vaginal über die Grenze schmuggelte. Größter Auftraggeber des Drogenlieferanten war nach dessen Aussage der Angeklagte aus Haßfurt. Wie viel Gramm der 27-Jährige aber tatsächlich kaufte, konnte nicht geklärt werden.
Fest steht, dass der Angeklagte sein gesamtes Monatsgehalt in Höhe von 1100 Euro für die Drogen ausgab. Durch seine Sucht verlor er elf Zähne.

Der Drogen-Lieferant dagegen verdiente gut: Er stellte für ein Gramm 65 Euro in Rechnung, bezahlte selbst aber nur zwischen 35 und 40 Euro. Das ging so lange gut, bis er am 2. März 2012 bei einer Routinekontrolle am Grenzübergang in Schirnding vom Zoll erwischt wurde. An diesem Tag hatte er 25 Gramm Crystal bei sich. Mit ihm im Auto saßen seine 31-jährige Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder im Alter von zwei, drei und zehn Jahren.

In der anschließenden Untersuchungshaft packte der Drogendealer aus und lieferte auch seine Kunden ans Messer. Mittlerweile wurde der 30-Jährige vor dem Amtsgericht Hof zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Gegen das Urteil hat er Revision eingelegt.

Wird das Urteil gegen den Angeklagten rechtskräftig, wird er in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Er hatte mehrfach beteuert, eine - freiwillig begonnene - Psychotherapie weiterführen zu wollen, um seinen Arbeitsplatz zu behalten. Der 27-Jährige ist seit einem Jahr clean, was regelmäßige Tests beweisen.