Dass er per SMS seine Ex-Freundin im Mai und Juni 2016 fünf Mal unter anderem als "Schlampe" und anderen Ausdrücken beschimpft hatte, stellte der 53-jährige Angeklagte nicht in Abrede. Zu seiner Verteidigung sagte er: "Wer Pfeile abschießt, kriegt Pfeile zurück!" und verlas eine an ihn gerichtete SMS der Frau, in der sie ihn als "Penner" und weiteren üblen Worten tituliert hatte.

Trotzdem kommen ihn die Kraftausdrücke teuer zu stehen: Der mehrfach Vorbestrafte aus Oberfranken erhielt bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen á 28 Euro; er muss also insgesamt 980 Euro blechen. Für die Zuhörer im Amtsgericht war unschwer zu erkennen, dass der Beleidigungsprozess die unrühmliche Folge eines Beziehungskrieges war. Als die arbeitslose Frau (44 Jahre) im Zeugenstand die Umstände und Motive der Beschimpfungen schilderte, gifteten sich die beiden immer wieder gegenseitig an. "Ich will einfach nur meine Ruhe vor diesem Menschen", beteuerte die Zeugin. Aus diesem Grund habe sie sich ein neues Handy mit einer neuen Telefonnummer zugelegt. Seitdem gebe es - gottlob - keinen Kontakt mehr.


Erheblich vorbelastet

Tatsächlich hatte es vor dem Haßfurter Gericht im Oktober 2013 schon einmal eine Verhandlung gegeben, in der es um eine Körperverletzung ging. Weil der 53-Jährige damals seiner Freundin ins Gesicht geschlagen hatte, war er zu einer 2400-Euro-Geldstrafe verdonnert worden.

Als Amtsrichterin Ilona Conver den Auszug aus dem Bundeszentralregister verlas, traten sechs weitere Vorstrafen ans Tageslicht. In den letzten zehn Jahren wurde der Mann unter anderem wegen Betrugs, Trunkenheit im Verkehr und wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte jeweils zu Geldstrafen verurteilt.


Hin und Her

In seinem Plädoyer sprach Staatsanwalt Thomas Heer davon, dass es zu wechselseitigen Beleidigungen gekommen sei und dass sich "beide nichts geschenkt" hätten. Das, was aktenkundig sei, sei nur die Spitze des Eisbergs. Weil die Frau eine Strafanzeige gestellt habe, habe die Staatsanwaltschaft bei einem derart Vorbestraften entsprechende Ermittlungen aufgenommen. Natürlich habe auch der Angeklagte das Recht, die Frau anzuzeigen - was dann vielleicht zu einem Prozess gegen die Frau führen könne.

Da der Beschuldigte schon oft eine Geldstrafe kassiert habe und sich davon nicht habe abhalten lassen, wieder straffällig zu werden, forderte der Vertreter der Anklage eine kurze Bewährungsstrafe von fünf Monaten. In Erwägung der "besonderen Umstände", wie die Vorsitzende es nannte, verhängte Conver eine Geldstrafe. In der Begründung zu dem noch nicht rechtskräftigen Urteil verwies sie besonders auf einen Rechtsgedanken, der seit 1873 im deutschen Strafgesetzbuch steht. Im entsprechenden Paragraphen heißt es: "Wenn eine Beleidigung auf der Stelle erwidert wird, so kann der Richter beide Beleidiger oder einen derselben für straffrei erklären." Auf gut Deutsch: Wenn zwei Streithähne die gute Kinderstube vermissen lassen, ist beiden nicht zu helfen. Möglicherweise, mutmaßte die Richterin, wäre das Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft aufgrund dieser Vorschrift bereits eingestellt worden, wenn der Verurteilte die Frau angezeigt hätte.