Die wertvollsten Fundsachen der Stadt Haßfurt befinden sich in einer unscheinbaren Garage auf dem Bauhof. Dort stehen aufgereiht 24 Fahrräder, vom schrottreifen Damenrad bis zum wertvollen Mountainbike. "Pro Jahr werden bei uns um die 40 Fahrräder gefunden. Am häufigsten von Mitte Mai bis Mitte September. Dann werden täglich Fahrräder abgegeben", sagt Michael Schnitzer vom Bürgerbüro Haßfurt, zuständig für das Fundamt.

Der 40-Jährige hat heute die Aufgabe, drei der Räder an den Mann, beziehungsweise an die Frau, zu bringen. Er inspiziert die Zettel, die an den Rädern angebracht sind. Zu jedem Rad wurden Finder, Fundort und Datum dokumentiert. Er wird fündig: Die drei Zweiräder, die er sucht, sind bereits seit sechs Monaten beim Fundamt registriert. Weil sich die Besitzer nicht meldeten, gehen sie jetzt an die Finder, falls die sie wollen.


Erst zur Polizei, dann ins Fundbüro

Fahrräder landen auf ganz unterschiedlichen Wegen beim Fundamt, sagt Michael Schnitzer. In der Regel melden sich die Finder bei der Polizei. Entweder werden die Fundsachen direkt bei der Dienststelle abgegeben, oder die Polizisten fahren selbst zum Fundort. Hauptkommissar Dieter Jäger von der Polizeiinspektion Haßfurt erklärt den Vorgang: "Wir klären ab, um welche Gegenstände es geht, und schauen, ob es sich womöglich um Diebesgut oder Dinge im Zusammenhang mit einer Straftat handelt." Bei einem herrenlosen Fahrrad zum Beispiel schaut die Polizei, ob es als gestohlen gemeldet wurde. Ist dies nicht der Fall, schreiben die Polizeibeamten eine sogenannte Fundanzeige. Danach kontaktieren sie die zuständige Gemeinde. In Haßfurt landet die Anzeige dann bei Michael Schnitzer, der die Fahrräder registriert und die Abholung zum Bauhof organisiert.

"Ich mache das alles über Mail, per Fax oder Telefon. Zwischendurch mache ich mal eine Stippvisite im Bauhof und schaue, ob alles noch passt", erläutert der Beamte. Im Internet gibt es eine Seite des Bürgerbüros, in der alle registrierten Fundsachen aus Haßfurt aufgelistet sind. Es sind hauptsächlich Fahrräder, Uhren, Schlüssel, Brillen und Geld. Aber auch Katzen und Tiere sind dabei, die dann an Tierschutzinitiativen abgegeben werden.


Viele Fundsachen bleiben liegen

Trotz der Internetseite, gehen die Fundsachen in Haßfurt selten an ihre tatsächlichen Besitzer zurück. "Das kann man an einer Hand abzählen. Oft bleiben die Sachen liegen", weiß Michael Schnitzer. Er schätzt, dass oft gar nicht recherchiert oder nachgeforscht werde. Wenn sich ein Besitzer beim Fundamt meldet, muss er beweisen, dass die Gegenstände wirklich ihm gehören. Michael Schnitzer rät Fahrradbesitzern, sich die eigene Rahmennummer zu merken. "Ich habe das früher auch nicht gemacht. Aber wenn ich mir jetzt ein neues Mountainbike hole, würde ich sofort die Gestellnummer aufschreiben", sagt er.


"Finder ist erster Ansprechpartner"

Vorsichtig schiebt Michael Schnitzer das grüne Damenrad, bei dem sich in den letzten sechs Monaten kein Besitzer ausfindig machen ließ, ins Freie. "Wenn niemand Anspruch auf eine Fundsache erhebt, ist der Finder der erste Ansprechpartner", erklärt er: "Das läuft bei allen Fundsachen so. Auch bei Geld. Wenn niemand das Geld vermisst, kriegt es der Finder zurück. Da spielt auch die Summe keine Rolle. Aber auch sonst hat er natürlich Anspruch auf Finderlohn", sagt Michael Schnitzer. Der übliche Finderlohn liege bei fünf Prozent. Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, dürften keinen Finderlohn annehmen.

Die Gegenstände, die nicht von den Findern abgenommen werden, versteigert das Fundbüro oder spendet es für caritative Zwecke. Einmal im Jahr veranstaltet das Fundbüro Haßfurt eine Versteigerung. Michael Schnitzer erinnert sich, dass dabei einmal ein hochwertiges Mountainbike für 95 Euro versteigert wurde. Ende letzten Jahres hat die Stadt Haßfurt 35 Fahrräder an Flüchtlinge aus der Umgebung gespendet. "Wir haben die Caritas und das Landratsamt angesprochen. Mit viel Eigeninitiative haben wir sie wieder fahrtüchtig gemacht", sagt der Beamte. Beide Seiten hätten davon profitiert. Das Fundbüro habe wieder Platz im Lager und die Flüchtlinge könnten sich fortbewegen.

Nachdem Michael Schnitzer die Fahrräder gefunden und abfotografiert hat, ist seine Arbeit in der Garage des Fundamts für heute erledigt. Als nächstes wird er die Finder anschreiben und sie auffordern, die Fahrräder innerhalb von zehn Tagen abzuholen. "In der Regel melden sie sich auch. Dann machen sie einen Termin mit dem Bauhof aus und holen die Räder ab."