Am letzten Juni- Sonntag eröffneten die Sachsen mit einem Programm voller barocker Harmonien die Saison des Schlösser-Konzert-Sommers und ernteten schon beim Einmarsch begeisterten Applaus. Mit ihrem Kollegen in der Sächsischen Staatskapelle, dem Solotrompeter Mathias Schmutzler, hatten die fünf Musiker Susanne Branny, Jörg Kettmann (Violinen), Michael Schöne (Viola), Andreas Priebst (Violoncello) und Jobst Schneiderat (Cembalo) unter der Leitung von Helmut Branny (Kontrabass) einen hochkarätigen Gast mitgebracht, der so recht zum Glanz des Jubiläums passte.

Barockmusik der Sachsen im fränkischen Barockschloss der Familie von Beust, das war ein würdiger Jubiläumsauftakt. Es erklangen barocke Meister, die zu ihren Lebzeiten von 1653 bis 1787 Musikgeschichte geschrieben hatten. Johann Georg Baptist Neruda, dessen Sinfonia A-Dur am Anfang des Programms stand, starb 1787 in Dresden.
Johann Prinz Ernst von Sachsen-Weimar war mit seiner Sonata D-Dur für Trompete, Streicher und Basso Continuo vertreten.

Der Cousin des großen Bach

Johann Ludwig Bach, der eine Suite in G-Dur beisteuerte, wirkte in Thüringen, aber durch die Verwandtschaft mit seinem acht Jahre älteren Vetter Johann Sebastian ergibt sich eine Verbindung nach Leipzig, wo der Berühmtere der beiden Bachs im Jahr 1726 mehrere Kantaten des Johann Ludwig aufführte.
Nach der Konzertpause spielten die Musiker von Gottfried Finger, einem mährisch-deutschen Kapellmeister und Komponisten des Barock, eine sechssätzige Sonata, die mit einem Duett von Violine und Trompete begann. Voller Hingabe und in exzellenter Spielweise interpretierten Susanne Branny und Mathias Schmutzler die höfische Musik.

Weiter ging es mit blumigen Italienern. Arcangelo Corellis Komponistenruhm strahlte weit über Italiens Grenzen hinaus, und besonders seine zwölf Concerti grossi begeistern bis heute. Fugenartig beginnt der dritte Satz von Nummer Sechs, das Vivace. Susanne Branny und ihre Streicherkollegen Kettmann und Schöne leiteten es lebendig und auf den Punkt führend ein, um im Zusammenspiel mit Cello, Kontrabass und Cembalo klassische Klarheit und großartige Festlichkeit zu zelebrieren. Den Programmhöhepunkt lieferte der italienische Komponist Guiseppe Torelli mit seiner Sinfonia D-Dur, einer Komposition, bei der Trompeter Schmutzler wie schon zuvor bei der Sonata in gleicher Tonart des sächsisch-weimarischen Prinzen mit meisterhafter Musizierfreude aufwartete und sein ganzes virtuoses Können demonstrierte.

Jugend im Publikum

Unter der Leitung des Kontrabassisten Helmut Branny führten die sächsischen Musiker ihr anspruchsvolles fränkisches Publikum einmal mehr mit Professionalität, Perfektion und musischer Poesie in die sagenhaften Sphären der Kammermusik. Nicht enden wollender und mit Bravorufen unterlegter Applaus drückte den Wunsch nach Wiederholung aus und forderte Schmutzler und die Capella zum da Capo.

Der Altersdurchschnitt des Publikums wurde diesmal von den vier jüngsten Schlossbewohnern der Familie von Beust gesenkt. Nach ihrem Getränkedienst in der Konzertpause nahmen sie hinter den Eltern in Reihe Zwei des mit einem prächtigen Deckengemälde gezierten Rittersaales platz. Das Gemälde zeigt die Erhebung des Georg von Ditfurth, einem früheren Schlossherren, in den erblichen Freiherrenstand durch König Ludwig I. im Jahre 1837.

Leben im Kloster

Die jungen Bewohner kennen die Vergangenheit des Schlosses von Obertheres, das einst Benediktinermönchen und ihrem Abt diente und nun von der Familie des Schlossherren Achim-Friedrich Graf von Beust bewohnt und bewirtschaftet wird.

Auf die Frage, ob das Leben im Schloss so romantisch sei, wie die Klassenkameraden vielleicht denken, meinte die 15-jährige Francisca lachend: "Es ist zumindest witzig, sagen zu können, dass man in einem Kloster lebt". Bis heute sind Teile der mittelalterlichen Klosteranlage erhalten. Das Konzert im fränkischen Schloss erlaubte den Besuchern, so wie seit 15 Jahren durch die Konzertreihe in verschiedenen Haßberg-Schlössern möglich, einen Blick hinter die Tore und in einen Teil der Privaträume.

Vorschau

Samstag, 26. Juli, 17 Uhr, Schloss Rentweinsdorf: "Trio Franconia"
Klaviertrio mit Bart Vandenbogaerde, Violine, und dem Konzertmeister und Solocellisten der Bamberger Symphoniker Matthias Ranft, Violoncello, sowie Tomoko Ogasawara, Klavier, mit Werken von Haydn, Schumann und Dvorák
Tickets telefonisch: 09534 - 17280 oder 015110084681
Tickets per E-Mail: karten@schloesser-und-musik.de
www.schloesser-und-musik.de