Nein, Klischees werden hier und jetzt nicht bedient. Aber die Versuchung ist groß. Also gut. Dann doch. "Da, halt mal", bittet eine entschlossene 51-Jährige am Sonntagnachmittag ihren Mann, und schon hat der einige Kleidungsstücke über dem Arm hängen. Der Mann als Kleiderständer, während die Frau auf dem nächsten Tisch nach etwas Passendem zum Anziehen sucht.

Noch ein Beispiel: Wenn man am Sonntag im großen Saal des Rudolf-Winkler-Hauses nach den Männern sucht, dann findet man sie am ehesten verstohlen an der Wand stehen, unweit des Ein- und Ausgangs; der Fluchtweg ist mit wenigen Schritten zu schaffen.

Okay, jetzt keine Klischees mehr. Vor allem keine, die auch noch zutreffen. Fakten sollen sprechen. Wer die Männer am Sonntag im Saal des Rudolf-Winkler-Hauses zählt, kommt auf zehn bis 15. Gleichzeitig bevölkern gut 100 Frauen den Raum, vielleicht noch mehr. Ein Mann würde sagen: gefühlt 250 bis 500.

Interesse war riesig

In der Tat: Das Rudolf-Winkler-Haus gehörte am Sonntag den Frauen. Sie waren entweder Verkäuferinnen oder potenzielle Käuferinnen beim zweiten Frauenflohmarkt, den die Zeiler Jugendzünder ausrichteten. Angeboten wurden vor allem Mode, dazu Schmuck und Schuhe. Das Interesse war riesig, der Ansturm groß, innerhalb von 24 Stunden waren im Vorfeld alle Tische an Verkäuferinnen vergeben, nachdem der Markt ausgeschrieben worden war.

Es könnten sogar mehr Besucher gewesen sein als vor einem halben Jahr, als der Frauenflohmarkt zum ersten Mal stattfand und den Verkäuferinnen mehr Tische zur Verfügung standen als heuer. Die Organisatoren hatten aus der ersten Veranstaltung gelernt und die Zahl der Tische reduziert, um den Verkäuferinnen und den Käuferinnen mehr Platz einzuräumen. Selbst vor dem Rudolf-Winkler-Haus waren Stände aufgebaut; das schöne Wetter machte es möglich.

"Wesentlich besser organisiert" sei der Frauenflohmarkt heuer im Vergleich zum Vorjahr, zollt Rebecca Pfaff den Organisatoren ein Lob, dass sie aus den Erfahrungen des ersten Jahres die richtigen Folgerungen gezogen haben. Sie ist heuer erstmals als Verkäuferin dabei, im vergangenen Jahr hatte sie auf der anderen Seite des Warentisches gestanden. Die Resonanz sei gut, freut sie sich. Ihr Geschäft läuft. Ihre Kleidung, die sie anbietet, findet Interesse. Und eine Erfahrung macht Rebecca Pfaff auch. Wenn man mit den Kundinnen über Größen spricht, muss man Fingerspitzengefühl haben. Man dürfe, weiß sie, den Leuten nicht zu nahe treten.

"Nichts Negatives erlebt"

Die Stimmung ist klasse, überall freundliche Menschen. "Ich habe noch nichts Negatives erlebt", erzählt Anna Stadelmann, die ebenfalls einen Stand mit Kleidung betreibt. Die 23-Jährige muss zwar des Öfteren mit den Kundinnen feilschen. Aber das ist für sie kein Problem. Gerne gibt sie nach, schließlich will sie ihre Waren verkaufen.

Anna Stadelmann ist eine der fünf Jugendzünder. Zusammen mit ihrer Schwester Tina Hömer sowie Verena Übel, Julia Melchior und Bastian Rößner, dem einzigen Mann, hat sie den Frauenflohmarkt mit vorbereitet und durchgezogen.

Für den guten Zweck

Neben den fünf Organisatoren waren etwa 20 weitere Helfer im Einsatz. Sie kamen aus der Zeiler Ministrantengruppe, die sich um den Imbiss für die Gäste kümmerte. "Es macht sehr viel Spaß", diesen Frauenflohmarkt zu veranstalten, schildert Bastian Rößner. Der 22-jährige Student kann sich auf seine Mitstreiter verlassen. "Die richtigen Leute sind dabei."

Einen guten Zweck erfüllt der Frauenflohmarkt auch. Der Erlös, den die Jugendzünder aus den Einnahmen erwirtschaften, wird für eine Ostereiersuche für kleinere Kinder verwendet. Und mit ihrem Erlös wollen die Ministranten ein Küchenzelt anschaffen, das sie für ihre jährlichen Zeltlager gut gebrauchen können.

Die Ministranten kümmerten sich im Übrigen nicht nur um den Imbiss, sondern betreuten auch die Männerecke im Vorraum des Rudolf-Winkler-Hauses. Dort standen zwei Kicker, und wer wollte, konnte an der X-Box spielen. Oder Kaffee trinken und dem bunten Treiben zuschauen.

Etwas Ähnliches für Männer?

Der Eltmanner Wolfgang Tully tut das. Und das nicht zu knapp. "Zwei Stunden habe ich auf meine Frau gewartet", stöhnt er. Wäre er doch mit hinein zum Frauenflohmarkt. Der Eltmanner schüttelt den Kopf und strahlt trotzdem, als er mit seiner Frau das Rudolf-Winkler-Haus verlässt.

Mehrere Stunden drin mitten im Rummel ist der Zeiler Alexander Faßlrinner. Er hilft seiner Tochter Laura an deren Stand. Für ihn sei das unter den vielen Frauen "kein Problem", erklärt er. Faßlrinner könnte sich vorstellen, dass ein solcher Markt auch für Männer veranstaltet werden könnte. Und wer kauft dort ein? Natürlich, sagt er lachend, die Frauen.