Seit über zwei Jahren schwelt der Streit um die Recyclingfirma Loacker in Wonfurt. Auch wenn es in den vergangenen Monaten ruhig um das Thema geworden ist, aus der Welt ist das Problem bislang nicht. Das könnte sich aber bald ändern, denn eine Gütevereinbarung zwischen den Konfliktparteien ist erarbeitet worden und soll verabschiedet werden.

Vor zwei Jahren war der Konflikt öffentlich geworden. Bürger in Wonfurt beschwerten sich massiv, dass Staub, der offenbar mit Schadstoffen belastet ist, aus der Produktion der Recyclingfirma in die Umgebung gelangt ist. Die Wonfurter befürchteten gesundheitliche Auswirkungen.

Der Betrieb Loacker liegt am Ortsrand von Wonfurt (genau am Ortseingang aus Richtung Haßfurt). Er recycelt Elektro- und Kabelschrott.
Mehrmals ist es im Betrieb zu kleineren Bränden gekommen, die das Problem verschärft haben.

Nach Bürgerprotesten gab es Messungen, die den Verdacht der schädlichen Emissionen zumindest teilweise bestätigt haben. Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde legte die Produktion still, kurz danach hob das Verwaltungsgericht in Würzburg die Anordnung aus Haßfurt auf. Die Produktion ging weiter, allerdings eingeschränkt. Elektroschrott durfte nicht mehr aufgearbeitet werden, Kabelschrott jedoch weiterhin. Die Firma selbst bemühte sich um Verbesserungen im technischen Ablauf, die die Kritiker als unzureichend bezeichneten.

Es gab weitere Messungen, die teils unterschiedlich interpretiert wurden. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", die sich zwischenzeitlich gebildet hatte, organisierte Protestkundgebungen. Politiker aller Parteien schauten sich vor Ort um, darunter der Vorsitzende des Umweltausschusses im bayerischen Landtag, Christian Magerl (Grüne). Sie alle versprachen ihre Unterstützung.

Lösungsvorschläge wurden diskutiert. Wichtigster Ansatz: Der Betrieb, der zu einem großen Teil in der oberen Hälfte der Gebäude offen ist, muss eingehaust werden.

Um die Auseinandersetzung endgültig aus der Welt zu schaffen, entschieden sich die Konfliktparteien zu einem Mediationsverfahren. Daran beteiligt sind das Landratsamt Haßberge, die Firma Loacker, die Gemeinde Wonfurt, die Bürgerinitiative und natürlich der Mediator. Der kommt vom Verwaltungsgericht in Ansbach. Eigentlich ist das Verwaltungsgericht Würzburg für Wonfurt zuständig. Weil aber die Justiz in Würzburg keinen Mediator für solche Fälle hat, wurde Unterstützung aus Ansbach angefordert.

Das Mediationsverfahren lief seit Herbst 2013 hinter verschlossen Türen. Nichts drang nach außen - bestenfalls war der Kommentar zu hören, dass man bemüht sei um eine Lösung. Details wurden nicht veröffentlicht, und das ist auch der Sinn der Mediation: Die Beteiligten sollen sich einigen und nicht ihre Argumente über die Medien austauschen. Das ist vorher ausgiebig genug geschehen.

Die Mediation scheint nun zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Der Vorstand der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" lädt für Mittwoch, 19. Februar, um 19 Uhr im Pfarrzentrum Wonfurt zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein. Grund sind, wie die Bürgerinitiative gestern mitteilte, die Entwicklung und der Stand der Gütevereinbarung im Mediationsverfahren mit dem Kernpunkt "Änderungsanträge der Firma Loacker Recycling Wonfurt".

Die beteiligten Parteien - Gemeinde Wonfurt, Landratsamt Haßberge, Firma Loacker und die Bürgerinitiative - treffen sich zu einem Abschlusstermin am Dienstag, 18. Februar, im Amtsgericht Ansbach. Dabei stehen laut Bürgerinitiative die Ausarbeitung und die schriftliche Fixierung einer unterschriftsreifen Gütevereinbarung im Mittelpunkt. Das Landratsamt Haßberge in Haßfurt hat diesen Termin in Ansbach am Donnerstag bestätigt und weist darauf hin, dass zusätzlich das Landesamt für Umwelt vertreten ist. In Ansbach sollen laut Haßfurter Behörde "noch offene Fragen und Punkte geklärt werden." Das Landratsamt ist jedoch "zuversichtlich, dass man auf einem guten Weg ist, eine einvernehmliche Lösung zu finden."

Die Bürgerinitiative will am darauf folgenden Tag ihren Mitgliedern die Gütevereinbarung zur Abstimmung vorlegen. Der Vorstand betont, "dass jedes Mitglied die Möglichkeit hat, sich selbst ein Bild über die erarbeitete Gütevereinbarung zu machen und über die Zukunft seines Lebensraumes und seiner Lebensqualität entscheiden" könne.

Die Tagesordnung bei der Versammlung sieht wie folgt aus: Bericht des Vorstands über den Verlauf des Mediationsverfahrens im Fall Loacker; Vorstellung dieser Gütevereinbarung durch den Rechtsanwalt Philipp Heinz; Antrag und Abstimmung über die Gütevereinbarung.