Der Termin zur nächsten Verabredung steht schon fest. "In einem Jahr treffen wir uns wieder." Wenn alles gut läuft und der Winter nicht all zu hart wird, schob Sebastian Pollach nach. Die Runde, für die der Architekt diese Einladung aussprach, dürfte identisch sein mit den Teilnehmern, die am Donnerstagabend den ersten Spatenstich zum Bau des neuen Betreuungs-Zentrums der Grundschule anstelle der abgerissenen Kujathvilla vornahm.

Zwei Männer und acht Frauen schnappten sich die Schaufeln und zogen die Helme über hinter einem Sandhaufen und vor einem Erdhaufen der bereits ausgehobenen Baugrube, die die Dimensionen des Neubaues erahnen lässt.

"Das neue Haus wird größer als die Kujathvilla", zeigte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) auf.
"Das ist den Anforderungen einer modernen Betreuung geschuldet, die frühzeitig mit der Leitung der Grundschule und der Arbeiterwohlfahrt für eine zeitgemäße Pädagogik abgestimmt wurde."


Wandel deutlich spürbar

Über deren Notwendigkeit hegt Hennemann keine Zweifel. "Der Wandel ist eindeutig. Die Nachfrage nach Ganztagesplätzen nimmt stetig zu. Auch im Grundschulalter schon." Und auch in Politik und Ministerien habe man erkannt, dass die Ganztagesschule nicht mehr zu verhindern ist. "Auch in Bayern nicht."

In seinem Rückblick erinnerte Hennemann daran, dass ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt für Grund- und Realschule in einer Kooperation von Stadt und Landkreis am Standort der einstigen Schwimmhalle angedacht gewesen sei. "Das ist leider nicht zu Stande gekommen, weil der Landkreis theoretisch für seine Realschüler über genug Betreuungsplätze in der Mensa am Gymnasium verfügt und dafür kein Zuschüsse bekommen hätte", weswegen das Landratsamt aus diesen Pläne ausstieg.

"Jetzt baut die Stadt für den Schulverband eben im Alleingang, funktionell und modern", so der Bürgermeister, wobei kein Prachtbau gewählt worden sei, auch wenn das neue Betreuungsgebäude fast drei Mal so groß wird wie sein Vorgänger. "Die Kujathvilla platzte ja auch aus allen Nähten und die Kinder mussten in Schichten mit Essen versorgt werden."

Wegen des baulichen Zustandes sei die Kujathvilla leider nicht mehr zu retten gewesen, so dass sich der Stadtrat zum Neubau entschloss und die Planung am 25. Februar billigte, die im Erdgeschoss die Mensa vorsieht und im Obergeschoss die Ganztagesbetreuung mit Lernlandschaften.

Die Vorarbeiten begannen im August, als der Bauhof die Kujathvilla ausräumte und den Umzug ins Übergangsquartier in der einstigen Akademie durchführte.

Dann begannen die Abbrucharbeiten durch ein Baunacher Unternehmen.


Das Ende der Warteschlangen

Danach musste für den Neubau die Freigabe durch die Regierung von Unterfranken abgewartet werden, die am 15. September einging, woraufhin schon einen Tag später die Rohbau-Arbeiten an eine Lisberger Baufirma vergeben wurden, die in dieser Woche loslegte.

Architekt Sebastian Pollach aus Haßfurt war nach eigenem Bekunden froh, dass nach den Vorplanungen seit 2013 nun endlich der Spatenstich erfolge. "Stadt, Grundschule und Arbeiterwohlfahrt starten zeitgemäß ins 21. Jahrhundert mit einer farbenfrohen und flexiblen Möblierung und ohne Warteschlange bis vor die Tür bei der Essensausgabe", wagte Pollach schon den Blick voraus, der in die Einladung zur Einweihung in einem Jahr mündete.