Das modernste Schwimmbad Frankens war es bei der Einweihung 1938. Am kommenden Samstag feiert das Freibad Eltmann sein 75-jähriges Bestehen. Bei freiem Eintritt können sich die Besucher den ganzen Tag im Wasser tummeln, sich von 9 bis 12 Uhr am Weißwurstfrühstück laben, um 15 Uhr Tauchvorführungen der Wasserwacht verfolgen und ab 19 Uhr ein Sommernachtsfest mit dem "Melodas-Duo" genießen. Um 17.30 Uhr wird der Badebetrieb unterbrochen für einen ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Jubiläums.

Wie andere Städte am Main hatte Eltmann bis in die 1930er Jahre eine Flussbadeanstalt. Dann ergriff Bürgermeister Leo Gerstlauer die Initiative, und der Stadtrat beauftragte die Bamberger Firma Nikol mit dem Bau eines Schwimmbades auf einem Grundstück der Schleifsteinwerke Ankenbrand. "Unser Bad ist nicht vom Reichsarbeitsdienst errichtet worden, wie oftmals behauptet wird", betont Wolfgang Tully, der in der Stadtverwaltung für das Schwimmbad verantwortlich ist.

Freizeit damals und heute

Er hütet auch die historischen Fakten zum Bad - und manche Anekdote. Er selbst verbrachte in Kindheit und Jugend viel Freizeit im Bad. Die Mutter habe die Kinder aber nur einmal begleitet. "Es hätte ja so aussehen können, als hätte sie daheim nicht genug Arbeit" - die Einstellung zum Freizeitverhalten war noch vor 30 Jahren ganz anders als heute.
120 000 Reichsmark kostete das Bad, dessen Eröffnung am Sonntag, 26. Juni 1938, vor allem ein sportliches Ereignis war. Der Schwimmverein "Vogtland" aus Plauen, die Schwimmabteilung des FC Schweinfurt und die Schwimmer vom Reichsbahn-Turn- und Sportverein Nürnberg nahmen an den Schwimmwettkämpfen teil. Neben klassischen Schwimm-Disziplinen stand ein Schauspringen auf dem Programm.

Beschlagnahmt

In den Jahren 1945 bis 1947 war das Bad von der Besatzungsmacht beschlagnahmt, dann stand es der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. In den 50er Jahren wurde das Wirtschaftsgebäude erweitert, was 60 000 Mark kostete.
Durch die Gaststätte Stenglein war das Schwimmbad nicht nur zu den Öffnungszeiten ein Anziehungspunkt. Viele heute 50- bis 60-Jährige aus Eltmann und Umgebung haben dort ihre ersten Pommes gegessen oder schwärmen bis heute vom Waldmeister-Softeis.

Die Becken des Freibades werden bis heute aus Quellwasser gespeist. Wegen dieser ausgezeichneten Wasserqualität habe es trotz der betagten Becken bis heute nie eine Beanstandung des Wassers gegeben, schildert Wolfgang Tully stolz. Täglich werden Proben gezogen. Bis 1960 musste das Wasser noch alle drei bis vier Wochen komplett erneuert werden, dann wurde eine Umwälzanlage installiert. Im gleichen Jahr wurde auch die erste Rutsche eingebaut und ein Steg zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken errichtet. Von Beginn an gab es einen Drei-Meter-Sprungturm, der 1965 durch einen Betonturm mit einer Absprungmöglichkeit aus fünf Metern ersetzt wurde.

Das Gesicht des Freibades veränderte sich, als 1980/81 das alte Schwimmbadgebäude abgebrochen und durch moderne Umkleidekabinen, Duschen sowie Sanitäranlagen ersetzt wurde. Seitdem erfolgt die Bewirtung über einen Kiosk. Vor allem für die Kinder wurde investiert: 1987 bekam das Nichtschwimmerbecken eine neue Rutsche, 2003 wurde ein komplett neues, modernes Planschbecken mit eigener Wasseraufbereitung errichtet.
War das Eltmanner Freibad früher dafür bekannt (bei manchen auch berüchtigt), dass man sich warm schwimmen musste, weil die Umluft-Wärmeheizung manchmal nicht die gewünschte Leistung brachte, ist das Bad seit 1998 an das Hackschnitzelheizwerk angeschlossen.

Stammgäste im Bad

Viele besonders treue Nutzer hat das Eltmanner Freibad. Mancher Passant staunt, denn der harte Kern der rund 40 "Morgenschwimmer" zieht seine Bahnen auch bei Regen und eher kühlen Temperaturen. Fast 400 Saisonkarten verkauft die Stadt jährlich. Zwischen 30 000 und 40 000 Besucher werden pro Jahr in dem Freibad gezählt. Heuer allerdings wird sicherlich kein neuer Besucherrekord mehr aufgestellt.

Viele Anekdoten ranken sich um die Bademeister. Die längste Dienstzeit absolvierte Heinz Loof, der zwischen 1953 und 1974 unzähligen Kindern das Schwimmen beibrachte. Die Kasse wurde bis 2008 an den Wochenenden von städtischen Bediensteten besetzt. Seitdem bewirtschaftet die Firma "AquaFun Bäderbetriebe" das Bad.
In den Aufzeichnungen der Stadt wird relativ schnell nach der Schwimmbaderöffnung vermerkt, dass sich die Zahl der Ertrunkenen massiv reduzierte. Die Sicherheit war natürlich im Freibad höher als im früheren Flussbad.

Ein kritisches Auge richtete noch in den 1950er Jahren die Geistlichkeit auf das Freibad. So schrieb Pfarrer Schilling 1953 an die Stadt, man wolle nicht rückständig wirken, doch bitte man den Stadtrat, über getrennte Badezeiten für Jugendliche nachzudenken. Denn: "Nach unseren Beobachtungen führen die Wege für sittliche Entgleisungen fast durchwegs ins Bad". Dem konnte der Stadtrat natürlich nicht nachkommen; im Beschluss wird darauf hingewiesen, dass Familien dann ja getrennt das Bad besuchen müssten, das "wirklich nur Platz der sportlichen Betätigung" sei.

Erschwingliche Preise

Bis heute erfreut sich das Freibad Eltmann großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen seiner familienfreundlichen Eintrittspreise. Trotz des Defizits, das die Stadtkasse alljährlich tragen muss, kostet eine Einzelkarte für Jugendliche 1,50 Euro, für Erwachsene 2,50 Euro, und eine Familie kann für 70 Euro die gesamte Saison über ins Bad gehen