Justizvollzugsbeamte nehmen in einer Justizvollzugsanstalt (JVA) wichtige Funktionen wahr: Sie sind mit der Beaufsichtigung und Betreuung der Gefangenen beschäftigt und tragen die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Dienstbetrieb einer Anstalt mit. Sie gewährleisten die Sicherheit einer Anstalt nach innen und außen. Ein solcher Beamter ist Andreas Mölter aus Ebern, der als Inspektor im Justizvollzugsdienst in der JVA Bamberg arbeitet.
Im Volksmund spricht man von der dortigen JVA häufiger vom "Cafe Sandbad", da die JVA an der Südostseite von der Straße "Sandbad" begrenzt wird und direkt am linken Arm der Regnitz liegt. Allerdings haben die Gefangenen nur selten einen Ausblick auf das Ufer der Regnitz und "Klein-Venedig", das an der nordöstlichen Seite der JVA liegt und auf das man vom oberen Stockwerk aus einen tollen Blick genießen kann.
Für Andreas Beamter war dies freilich nicht ausschlaggebend für seine Berufswahl. Der heute 50-Jährige besuchte in Ebern die Realschule und erlernte den Beruf eines Elektrikers, um sich danach für zwölf Jahre bei der Bundeswehr zu verpflichten. Fünf Jahre war er in Amerika auf einer Luftwaffenbasis der Bundeswehr und wurde nach zwölf Jahren als Oberfeldwebel entlassen.
Am 4. Januar 2000 ist er in den Justizdienst eingetreten und hat die Justizvollzugsschule in Straubing besucht. Im Juni 2015 wurde diese Ausbildungsstätte offiziell zur Akademie erhoben. Dort fand die fachtheoretische Ausbildung statt, in der JVA Ebrach und Nürnberg machte er seine praktische Ausbildung. Beides zusammen dauerte 18 Monate. Danach war Mölter Justizvollzugsbeamter z.A..
Der gelernte Elektriker fand in der JVA Nürnberg in der Elektrowerkstatt sein erstes Arbeitsfeld nach seiner Ausbildung vor. "Als Elektriker konnte ich den Strafgefangenen, die diesen Beruf während ihrer Haftzeit ergreifen wollten, gut zur Seite stehen", sagt Mölter.
Im Jahr 2004 kam er "heimatnah" zur JVA Bamberg, wo er zunächst im Stations- oder Abteilungsdienst arbeitete. Hier gehörte es zu seinen Aufgaben, als Leiter der Bekleidungskammer die Gefangen aufzunehmen und zu entlassen sowie deren Habe zu verwalten. "Gegenwärtig bin ich beim ärztlichen Dienst und bei der Anstaltsärztin als Assistenz in der Sprechstunde tätig", sagt Mölter. Gerufen wird er stets, wenn es gilt, bei Gefangenen nach Verletzungen die Erst- oder Wundversorgung vorzunehmen. Er muss Medikamente bestellen und verwalten, Drogentests oder auch Blutentnahmen bei Zugängen vornehmen. Auch das Führen der Gesundheitskarten der Gefangenen gehört zu seinem Aufgaben.


Sprachliche Barrieren

Andreas Mölters direkter Vorgesetzter, Bernhard Dremel, Oberinspektor im Justizvollzugsdienst, ist als Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes zuständig für 57 uniformierte Kollegen; 15 davon sind weiblich. Dremel erzählt, dass die Ausländerquote bei den Strafgefangenen in den letzten 30 Jahren bei etwa 30 Prozent lag. "Heute haben wir ständig über 40 Prozent, was mitunter zu Problemen führt. Auch sprachliche Barrieren sind vorhanden, die den allgemeinen Betrieb erschweren. "Um das zu verbessern, bieten wir Deutschkurse in unserer JVA an", sagt Bernhard Dremel.
Auch für Andreas Mölter ist die Sprache ein Problem, das schon bei der Zugangsuntersuchung der Gefangenen zum Tragen komme. "Es ist mitunter schwierig, herauszubekommen, ob oder welche Krankheiten sie haben", sagt der erfahrene Justizbeamte. Die psychischen Auffälligkeiten steigen, und dadurch auch die Gewaltbereitschaft. Darin sind sich Dremel und Mölter einig. Hinzu komme die permanente Überbelegung der Anstalt, die Plätze für regulär 207 Gefangene vorhält. 158 für Männer und 49 für Frauen im geschlossenen Vollzug.


Todesfälle sind eine Belastung

"Ich selbst war noch keinem persönlichen Angriff eines Gefangenen ausgesetzt", sagt Andreas Mölter. Er hofft, dass das auch so bleibt. "Sicher, verbale Auseinandersetzung zwischen Gefangenen gibt es schon mal", sagt er, und sein Dienstleiter Bernhard Dremel ergänzt: "Die sind eigentlich an der Tagesordnung."
Als belastend empfindet es Andreas Mölter, wenn es zu Todesfällen, egal ob Suizid oder natürlicher Tod, kommt. "Meist bin ich da immer als einer der Ersten mit vor Ort", sagt er nachdenklich. Aber er berichtet auch, dass er zufrieden ist, wenn mitunter jemand aus der JVA entlassen wird und während seiner Strafhaft sein Drogenproblem in den Griff bekommen hat. "Da sagt schon mancher mal, ,danke, ohne euch, hätte ich das wohl nicht geschafft'."
Andreas Mölter macht seinen Job gerne. Das glaubt man ihm auch, wenn man mit ihm in der JVA unterwegs ist und er begeistert von seiner Arbeit erzählt, alles vorstellt und eifrig erklärt, was man sonst nicht erfährt.
Angekommen an einer Zelle, in der ein Mann sitzt, der durch mehrere Verurteilungen als heute 50-Jähriger schon 17 Jahre hinter Gittern verbracht hat, gestatten Mölter und der Insasse einen Blick in die Einzelzelle. Der Gefangene scheint zufrieden zu sein, er unterhält sich nett mit Andreas Mölter, und man merkt, dass die Chemie zwischen beiden stimmt. "Sie können mich gerne auch in meiner Zelle fotografieren - hier kennt mich sowieso keiner", sagt der ergraute Gefangene. Er erzählt wo er herkommt, nicht jedoch, was er schon alles angestellt hat.
Ein Blick in den Hof, wo Gefangene täglich eine Stunde ihre Runden drehen können, macht jemanden, der einmal freiwillig hinter die Mauern schaut, schon nachdenklich. Der Blick in die enge Zelle und die Vorstellung, dort länger eingesperrt zu sein, kann einen erschaudern lassen.
Andreas Mölter verrichtet in der JVA gerne seinen Dienst. Er kann ja auch nach Feierabend immer wieder nach Hause.