Beinahe wäre aus dem Whisky nichts geworden. Denn Hilmar Schmitts Ehefrau war von den Plänen ihres Gatten, Whisky zu brennen, nicht begeistert. "Sie hat gesagt: Wer kauft bei uns schon Whisky?", erzählt Hilmar Schmitt mit einem breiten Lächeln.

Doch es sind erstaunlich viele Menschen, die Schmitts Single Grain Whisky, den Rye Malt und den Single Malt schätzen. Diese drei Brände und ein weiterer Roggenbrand bescherten Schmitt bei seiner ersten Teilnahme an der Bayerischen Obstbrandprämierung drei Mal Gold und ein Mal Silber. Für diese Leistung wurde Hilmar Schmitt unlängst in München mit dem Bayerischen Staatsehrenpreis ausgezeichnet. Damit gehört er zu den zehn besten Brennern Bayerns.

Ein Versuch, vier Treffer

"Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, dass ich für meine Brände nach München eingeladen werde - ich hätte es nicht geglaubt", sagt Schmitt. Schon die Jahre zuvor hätte es ihn "ein paar Mal gejuckt" mitzumachen, aber letztlich hätte er es sich nicht zugetraut.

Dabei ist der 67-Jährige schon mehrfach für seine Edelbrände auf fränkischer Ebene ausgezeichnet worden. Erst sein vor wenigen Wochen verstorbener Brenner-Kollege Alfred Kerber aus Wasserlos überredete ihn zu der Teilnahme. "Dafür bin ich ihm dankbar", so Schmitt. Er ist Quereinsteiger und hat sich seine erste Brennerei Ende der achtziger Jahre gekauft.

Wie kam er überhaupt auf die Idee, einen fränkischen Whisky zu kreieren? "Ich habe mal einen Whiskey-Lehrgang besucht und das hat mich sehr gereizt", erzählt er. Den ehemaliger Springreiter treiben Ehrgeiz und Leidenschaft an, immer neue und bessere Brände zu erschaffen. Die große Nachfrage und nicht zuletzt die Auszeichnung bei der Bayerischen Obstbrandprämierung bestärken den Krumer in seinem Tun.

Zu kaufen gibt es seine Brände in der Bäckerei Kolb in Zeil, im Rewe-Markt Breitengüßbach sowie direkt bei Hilmar Schmitt in Krum. Ab und an ist er auch auf Märkten unterwegs.

Whisky mit guter Qualität: Worauf kommt es an?

Schmitt wählt seine Verkaufsstellen genau aus und macht lieber nicht zu viel. "Sonst müsste ich mehr produzieren und dann leidet die Qualität", sagt er. Und die Qualität, das ist schnell klar, ist Hilmar Schmitt am Wichtigsten. "Dreck gibt wieder Dreck", meint er trocken. Also verwendet er nur heimisches, sonnengereiftes Obst.

Die meisten Bäume, an denen die Früchte reifen, hat er sogar selbst gepflanzt. Schmitt ist ausgebildeter Baumwart. Als Mitglied des Baumwartvereins kommt er außerdem an regionale Produkte von Kollegen - darunter die Nüsse für seine Nussbrände. Das Malz für die Herstellung seines prämierten Rye Malt Whiskeys vom Fass liefert die Bamberger Mälzerei Weyermann.

"Bei der Herstellung macht das Brennen den geringsten Aufwand", führt er weiter aus und schafft es mit diesem einen Satz, den Auftritt vieler Schaubrennereien zu entzaubern. Denn ob das Kupfer der Destillieranlage im Kerzenschein funkelt oder der Schnaps gleichmäßig durch Glasphiolen tropft, ist laut Schmitt zweitrangig. "Die Qualität muss stimmen", bekräftigt er. Der opfert er seine Zeit und auch so manchen Tropfen.

Doppelt schmeckt besser

Denn in Schmitts betagter Brennerei wird jeder Brand doppelt gebrannt. Das dauert zwar länger, dafür bleiben mehr Aromen erhalten. Außerdem verwendet der Rentner nur einen kleinen Teil des Destillats. Denn von der Flüssigkeit, die bei der Destillation erzeugt wird, kann nur ein Teil verwendet werden: das Herzstück, das in der Mitte des Brennvorgangs entsteht. Jeder Brenner muss den Vor- und Nachlauf aussortieren (die Stoffe schmecken bitter und sind giftig). Aber Schmitt geht noch einen Schritt weiter und verwendet auch nur einen kleinen Teil des Herzstücks. "So bleibt weniger übrig, aber das schmeckt noch besser", so Schmitt.

Werbung braucht er für seine Produkte übrigens nicht zu machen. "Das geht über Mund zu Mund-Propaganda", sagt Schmitt und lacht. Seine Spirituosen werben für sich. Meistens rufen ihn Leute an, die einen edlen Tropfen aus dem Hause Schmitt geschenkt bekommen haben und Nachschub wollen.