Johanna Krause traute ihren Augen nicht - und das gleich zwei Mal. Erst war da diese seltsame Wolkenerscheinung am Himmel, die sie sich nicht erklären konnte. Und dann wurde sie auch noch im Fernsehen erwähnt - zur besten Fernsehzeit vom ARD-Wetterfrosch in den Tagesthemen. Diesen Freitagabend wird die junge Frau aus dem Eberner Stadtteil Fischbach so schnell nicht vergessen.

An dem Abend war sowieso alles ein bisschen anders als in all den Wochen davor für die Studentin. Nach wochenlangem Pauken für die Prüfungen und einem Schreibmarathon, damit auch noch die beiden Hausarbeiten rechtzeitig vor dem Urlaub fertig werden, hatte sie alles geschafft. Das fertige Werk vor sich saß die 21-Jährige auf dem Bett in ihrem Zimmer, atmete tief durch und schaute versonnen aus dem Fenster. "Dort hab ich schon oft den Abendhimmel beobachtet und schon viele Sonnenuntergänge fotografiert," erzählt Johanna Krause.


Fast wie eine Qualle

Doch eine Himmelserscheinung wie an diesem Abend hatte sie noch nie gesehen. Seltsame Wolken, standen dort am Himmel, den die untergehende Sonne rötete. "Irgendwie wie eine normale Wolke oben und daraus nach unten verlaufend lauter senkrechte Wellen. Fast wie bei einer Qualle".

Sofort klickte die Kamera mehrmals, und Johanna Krause lief nach unten, um Mutter Anita die seltsamen Erscheinungen zu zeigen, die bald wieder verschwunden waren. "Sieht aus wie ein Atompilz", kombinierte die Mama spontan, aber so recht wusste auch sie keine Erklärung für das Phänomen: "Na dann find' mal heraus, was das ist!" Das musste sie ihrer Tochter, die gerade Kommunikationswissenschaft und europäische Ethnologie studiert, nicht zwei Mal sagen. Als angehende Journalistin gehört die Neugierde zu ihrer Grundausrüstung.


Mail an die ARD

Sofort saß Johanna Krause wieder am Laptop. Die Hausarbeit war weggeklickt. Dafür begann sie zu googeln und Wolkenformationen zu studieren. Zu einer richtig plausiblen Lösung aber fand die freie Mitarbeiterin unserer Zeitung bei ihrer Internet-Recherche nicht.

Doch irgendwie stieß sie auf die Internet-Seite der ARD , auf der es hieß: "Wenn Sie Fragen zum Wetter haben, schreiben Sie uns." Gesagt getan. "Liebes ARD-Wetter-Team, vor ein paar Minuten habe ich folgendes Spektakel am Abendhimmel beobachtet und es mit meiner Kamera festgehalten," formulierte sie kurz. "Ich frage mich wirklich: Was treiben die Wolken da?

Liebe Grüße aus Ebern in Unterfranken, Johanna Krause." Ein Bild der Wolke hängte sie an, und mit einem Klick war die Mail verschickt.


Zum Schluss das Wetter

Als Johanna Krause mehr als eine Stunde später auf dem Sofa im Wohnzimmer lümmelte, hatte Mutter Anita wie immer die "Tagesthemen" eingeschaltet. Viele Krisen in der Welt, Wahlkampf und und. Und dann kam plötzlich Sven Plöger. "Er habe an diesem Tag etliche E-Mails aus dem Süden Deutschlands erhalten, berichtete der Wetter-mann, aus Bayern und vor allem aus Unterfranken."

Plötzlich stand Johanna Krause senkrecht im Zimmer. Plöger zeigte das Foto einer weiß-blauen Wolke. Dann eine anderes Bild, das dem ihren glich, und plötzlich rief Mutter Anita. "Da steht ja Foto: Johanna Krause!"


Nur noch gelacht

Sofort und eher intuitiv hat die Tochter das Handy gezückt und das Bild auf der Mattscheibe abfotografiert. "Ich konnte es einfach nicht fassen. Dann hab ich mich aufs Sofa fallen lassen und einfach nur noch gelacht." So viel und so laut, dass sie Sven Plögers Erklärung gar nicht mehr mitbekommen hat. Nur so viel: Er hat etwas von einer "Quallenwolke" gesagt.

Die Erklärung liefern wir unserer Mitarbeiterin und unseren Lesern hier gerne nach. Die seltsame Wolkenerscheinung trägt den lateinischen Namen "Altocumulus floccus virga". Kennzeichen sind einzelne, kleine Wolkenbüschel mit zerfransten Unterteilen, häufig mit Schleppen, die laut Auskunft des Diplom-Meteorologen am Abendhimmel auf eine hohe Wahrscheinlichkeit von Gewittern oder Schauern hindeuten. Im Volksmund heißen sie Quallenwolken.

Johanna Krause hatte eine besonders eindrucksvolle Aufnahme dieser seltenen Wolkenformation geliefert. Und ganz Deutschland hat's gesehen.

Mehr tolle Wolkenbilder aus der Region finden Sie übrigens regelmäßig auf der Facebook-Seite "Cloud Watching / Wolken über Franken und Welt".