"Freitags und am Samstagvormittag im Einkaufsverkehr ist es immer besonders schlimm," weiß Werner Grell aus langjähriger Erfahrung, "aber das wird sich jetzt rasch ändern." Seelenruhig weist der Leiter des städtischen Bauhofs mitten im dichtesten Verkehrstrubel Nico Langbein und Uwe Kischel an, wo sie die weißen Markierungsstreifen auf der Fahrbahn exakt anbringen sollen.

Die beiden "Straßenmaler" der Firma Wolfschmidt, seit mehr als einem Jahr regelmäßige "Gäste" in Ebern, sind neuerlich mit Klebestreifen, Sprühfarbe und Kompressor angerückt. Diesmal geht es nicht darum, Stellplätze zu markieren, sondern optische Fahrbahnverengungen. In diese Straßenbereiche wurden vor Wochen bereits Hülsen eingebracht, in denen in wenigen Tagen die sogenannten "Portalschilder" verankert werden sollen. Sie werden den Autofahrern ab dem kommenden Wochenende signalisieren, wo in wenigen Tagen die verkehrsberuhigte Zone in der Innenstadt beginnt.

Im Norden ist dies die Einfahrt vom Kreisel an der Coburger- und Bahnhofstraße, im Süden die Kreuzung am Streitsgarten und im Westen die Einfahrt in die neu gestaltete Neubrückentorstraße. Sie soll am Freitag, 23. August, gemeinsam mit einem Parkplatz für 28 Fahrzeuge im Mühlenviertel freigegeben werden.


Chaos hat ein Ende

Die Enthüllung der Portalschilder wird an diesem Tag gleichsam ein neues Verkehrszeitalter in Ebern einläuten. Dann soll endlich vorbei sein, was Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) etwas verniedlichend als "Überfüllung mit ruhendem Verkehr" umschreibt. Andere im Stadtrat und vor allem auf den Straßen der Stadt sind da deutlicher. Sie reden offen vom "Verkehrschaos", das endlich ein Ende habe.

Mit dem Verkehrskonzept hat der Stadtrat sein vermutlich wichtigstes Projekt der zu Ende gehenden Amtsperiode verwirklicht, auch wenn er vor dem ganz großen Coup, mit stärker reglementierten Parkzeiten und einer Einbahnstraßenregelung zurückschreckte.

Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte hatte die Verkehrsberuhigung in der Altstadt auf der Agenda gestanden. Der Abschluss einer scheinbar unendlichen Geschichte. Da ist schon lange drüber geredet worden, als ich bei der Stadt angefangen habe", sagt Werner Grell, der im kommenden Frühjahr mit 60 in den vorzeitigen Ruhestand gehen will. Dass er die verkehrsberuhigte Zone noch in Diensten der Stadt erlebt, hätte der Bauhofleiter zeitweise nicht mehr zu träumen gewagt.


Straßen umgewidmet

Nun ist mit der "Umleitung" der Staatsstraße auch die letzte Hürde genommen. Gemeint ist die Aufstufung der Verteilerspange zur Staatsstraße und gleichzeitige Abstufung der Neubrückentor-, Ritter-von-Schmitt- und Kapellenstraße zur Ortsstraße. Damit hat die Stadt nun freie Hand für die nötigen verkehrsrechtlichen Anordnungen im Stadtkern.

Ob das Chaos damit behoben ist? Zum Anfang bestimmt nicht, denn der Bevölkerung wird einiges an Umgewöhnung abverlangt. Vor allem wegen der veränderten Vorfahrtsregelungen kann man damit rechnen, dass in der Lernphase einiges an Blech zerdeppert wird. Wie gravierend die Umstellung sein wird, kommentierte auch Bürgermeister Robert Herrmann mit unverhohlener Ironie: "Damit werden wir noch viel Spaß haben."

Jetzt setzen noch die Streifenmaler die Zeichen. Bald jedoch wird ein anderer Streifendienst gefragt sein, mehr jedenfalls als in den letzten Monaten, da es für den ruhenden Verkehr in der Innenstadt so gut wie keine rechtliche Handhabe mehr gab. Wer sich nicht an die neuen Regeln hält, muss - zumindest nach einer Übergangszeit mit Belehrungen - auch wieder häufiger mit Strafzetteln rechnen.


Die wichtigsten Änderungen:

 Im gesamten Altstadtbereich gilt fortan eine Rechts-vor-Links-Regelung. Einzige Ausnahmen werden die Einfahrten von Sutte und Rosengasse sein. Das "Herantasten" an jede Einmündung, wie man es einst in der Fahrschule gelernt hat, soll das Tempo merklich drosseln.
 Ohnehin darf in der Innenstadt allgemein künftig nur noch Tempo 30 gefahren werden.
 Das Parken, das zuletzt einen wahren Wildwuchs erlebte, wird auf die farblich oder mit Bodennägeln markierten Stellflächen beschränkt.Der gesamte Marktplatz, die Sutte, die Kapellenstraße sowie die östlichen Stellplätze in der Rittergasse und in der Neubrückentorstraße werden zur Kurzparkzone erklärt. Werktags zwischen 8 und 18 Uhr und am Samstag bis zwölf Uhr darf man dort nur noch bis zu zwei Stunden stehen bleiben. Die Parkscheibe ist Pflicht.