Eine kaputte Kirchenheizung, weniger Kirchgänger, ein defizitärer Pfarrsaal und ein kaum noch eigengenutztes Pfarrhaus - das sind die Probleme, die Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat der Kuratie Trossenfurt seit zwei Jahren bewegen. Eine Lösung könnte ein Umbau der Kirche bringen, dessen Entwurf am Sonntag in der Pfarrversammlung zur Diskussion gestellt wurde.

Am Ende einer dreistündigen, teilweise kontroversen Diskussion stand eine Erkenntnis: Die Richtung ist erkannt, Details müssen berechnet, diskutiert und geplant werden.

Voll besetzt war der Konferenzraum des Oberaurach-Zentrums. Schließlich waren den Katholiken in Trossenfurt, Tretzendorf und Hummelmarter mit der Einladung umfangreiche Informationen zu den bisherigen Überlegungen der Gremien zugegangen - und viele lehnten vor Beginn der Sitzung das Vorhaben strikt ab.

Die aktuelle Situation

Von
Seiten der Kirchenverwaltung erläuterten der Pfarrvikar Thomas Drexler und Kassier Klaus Nußbaum die Situation. Insgesamt hat die Kirchengemeinde das Problem, drei Immobilien unterhalten zu müssen. Da ist der Pfarrsaal, der eigentlich energetisch saniert werden müsste, eine Investition könnte aber über Vermietungen niemals refinanziert werden.

Ähnlich sieht es mit dem Pfarrhaus aus. Dort betreibt die Kirchengemeinde noch das Pfarrbüro und die Bücherei, die allerdings kaum noch Zulauf hat. Die Wohnräume sind vermietet. "Die Miete trägt den laufenden Unterhalt, aber sobald wir eine größere Reparatur haben, wird es problematisch", erklärte Klaus Nußbaum.

Die größte "Baustelle" jedoch ist die Kirche St. Jakobus. Sie wurde in den 70er Jahren massiv vergrößert. An die historische Kirche, die heute quasi als Altarraum dient, wurde eine große, zeltartige Halle angebaut, die heute 240 Sitzplätze bietet. Dieser Platz wird mittlerweile nicht einmal mehr an hohen Feiertagen benötigt, wie Pfarrer Thomas Klemm erläuterte. Platzten früher beispielsweise zur Erstkommunion alle Gotteshäuser aus den Nähten, gibt es heute durchaus freie Plätze.

Die Kommunionkinder werden weniger, und deren Familien sind ebenfalls kleiner geworden. Diese sehr große Kirche wurde damals mit einer Heißluftheizung versehen, die eigentlich völlig ungeeignet ist für so hohe Räume. Außerdem läuft sie ohnehin nur mit einer Ausnahmegenehmigung. Der Bezirkskaminkehrermeister habe sie verschlagen, erläuterte Thomas Drexler.

Änderungen sind nötig

Seitdem tüfteln die Kuratie-Gremien an Lösungen. Einige Änderungen sind unumstritten: Das bestehende Treppenhaus muss zum Kirchenraum hin abgetrennt werden und auch die neue Heizung muss vollkommen anders sein als die bisherige. In der letztjährigen Pfarrversammlung wurde diskutiert, ob die "alte" Kirche abgetrennt werden sollte - ein Vorschlag, der keine Akzeptanz fand.

Also gingen die Beratungen weiter bis zu dem Entwurf, der am Sonntag zur Diskussion stand. Architekt Herbert Hein erläuterte die Überlegungen, die darauf abzielen, die Räume der Kirchengemeinde unter einem Dach zusammenzuführen. So hat die Kirche ein zweites Treppenhaus, das stillgelegt werden könnte. Im Untergeschoss könnte das Pfarrbüro untergebracht werden mit einem separaten Eingang direkt von der Straße her, durch das Einziehen einer Decke entstünde darüber ein Lagerraum für Fahnen, Kerzen und Dekorationen, die im Laufe eines Kirchenjahres so benötigt werden. Die Idee fand guten Anklang.

Kirchenraum umbauen?!

Sehr umstritten war jedoch der Vorschlag, im Kirchenraum umzubauen. Der Entwurf sieht vor, das eigentliche Kirchenschiff zu verschmälern und seitlich verschiedene Räume einzubauen. Dort wäre Platz für ein Beichtzimmer, einen Sitzungsraum für die Gremien, aber auch für die Ministrantenarbeit oder Kommunionkatechese. Auch ein kleinerer Andachtsraum wäre denkbar, etwa für die Gebetskreise, die in Trossenfurt sehr aktiv sind.

Durch das Konzept würden etwa 60 Sitzplätze entfallen, erklärte Hein. Geheizt - besser gesagt temperiert - werden könnte die gesamte Kirche künftig mit Pellets über eine Flächenheizung, oder vielleicht auch über Sonnenenergie, wenn beim Bischöflichen Bauamt noch ein Umdenken erreicht werden kann. Im Idealfall möchte Pfarrvikar Drexler erreichen, dass die Diözese auch gleich die Sanierung des Eternit-Daches mit genehmigt. Das hat zwar geschätzt noch eine Lebensdauer von zehn Jahren, müsste aber gedämmt werden.

Eine andere Heizung muss her

Unstrittig war, dass die Kirche eine völlig andere Heizung braucht, allerdings meinten einige Versammlungsteilnehmer auch, man müsse sich eben wärmer anziehen, wenn man in die Kirche geht. Die meisten jedoch stimmten zu, dass in der Kirche, vor allem der Boden zu kalt ist. Bei einer Messung im April diesen Jahres war der Kirchenboden Minus zwei Grad kalt.

Viele, vor allem Gemeindemitglieder, die in den 70er Jahren an der Erweiterung mitarbeiteten, standen dem Vorhaben anfangs sehr skeptisch gegenüber und meldeten sich auch nachdrücklich zu Wort, doch am späten Nachmittag war eines deutlich: Es geht darum, sich den Realitäten zu stellen "und die Kuratie für die nächsten zehn bis 20 Jahre lebensfähig zu machen", so Vikar Drexler.

Er lud alle ein, sich an den weiteren Planungen zu beteiligen. Als Ergebnis der Versammlung werden diese jetzt vertieft und Kosten ermittelt. Dazu gehört auch eine Gegenüberstellung, welche laufenden Kosten bei welcher Lösung eingespart werden können.

Eines sei klar, sagte Thomas Drexler: Ein schlüssiges Konzept würde von der Diözese sicherlich großzügig unterstützt.