Die Diagnose war eindeutig: Über der Haßbergklinik Ebern schwebt schon wieder (oder immer noch?) das Damoklesschwert einer Schließung. "Die Haßbergkliniken laufen trotz aller Gegenmaßnahmen aus dem Ruder. Die Häuser wie auch die medizinischen Versorgungszentren schreiben rote Zahlen. Für Ebern brauchen wir ein komplett neues Konzept." Dies stellte Birgit Bayer, die Kreisvorsitzende der Wählergemeinschaft und Mitglied im Krankenhausverwaltungsrat, bei der Jahresversammlung der Freien Wähler (FWE) am Montagabend im Café Wagner fest.

"Wir müssen dazu ein ganz neues Denken anfangen", kündigte die einstige Bürgermeisterin von Riedbach an. In welche Richtung diese Überlegungen gehen, klang auch an: "Wir müssen schauen, ob die Kliniken noch in kommunaler Hand gehalten werden können. Wir haben die Probleme nicht im Griff und der Landkreis kann die Defizite auf Dauer nicht schultern." Daneben stelle es ein Problem dar, Ärzte zu gewinnen. "Das Personal zu generieren, ist nicht einfach."

Die Lage der Haßbergkliniken "macht uns extreme Sorgen, Bauchschmerzen und sorgt für schlaflose Nächte", bekannte die Verwaltungsrätin, die sich auch darüber ärgerte, dass vom Eberner Bürgermeister eine Veranstaltung wegen eines Förderkreises einberufen, aber kein Verwaltungsrat eingeladen worden war.

Weitere Themen Bayers war eine bessere Vernetzung der Freien Wähler auf Kreisebene. So habe sie den Besuch in der Landesbaudirektion, zu dem die Eberner eingeladen hatten, als sehr informativ empfunden. "Ich denke, wir waren die einzige Fraktion, die sich bisher dort umgeschaut hat", postulierte Organisator Thomas Limpert nicht ohne Stolz.

Birgit Bayer fand, dass "einer aus Euren Reihen 2020 in den Kreistag gebracht werden muss", zumal sich viele Kreisinvestitionen in den nächsten Jahren in Ebern abspielen, wie sie mit Blick auf die Schulsanierungen feststellte.

Zur Sparkassen-Fusion sagte die Kreisvorsitzende, dass "wir uns alle die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, die Fusion aber mittragen, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern". Als Aufsichtsrat der Raiffeisenbank zeigte Limpert volles Verständnis.

Im eigenen Rückblick attestierte Vorsitzender Herbert Stang einen guten Zusammenhalt in den zurückliegenden Jahren. "Unsere Stammtische waren alle gut besucht." Dieses Niveau will Thomas Limpert "halten oder mit Blick auf 2020 steigern".

Aus Sicht der Stadtratsfraktion ging er auf verschiedene Punkte wie die Erweiterungsgebühren beim Abwasser oder die Baunach-Allianz ein. "Es wurden gute Ideen zusammengetragen, die wir ab der Vereinsgründung am 1. März umsetzen wollen."
Weitere Themen waren der Bezug des Ganztages-Betreuungsgebäudes durch die Grundschulkinder, der Breitbandausbau und die Antwort auf die Frage: "Was wird aus dem Aldi?" Dazu bedürfe es der Fertigstellung des Einzelhandels-Konzeptes. "Wenn das unter Dach und Fach ist, kann es formell weitergehen."

Zur Friedwald-Diskussion verwies Limpert auf die Fahrt nach Alsleben mit 25 Teilnehmern, da "uns Leute um neutrale Informationen gebeten hatten". Das Thema werde am morgigen Donnerstag im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzung vertieft. "In Alsleben wurde uns gut aufgezeigt, wie ein kommunales Modell aussehen könnte."

Die Entscheidung über den Bau eines neuen Kindergartens erwartet Limpert im ersten Quartal. "Das angedachte Areal und die Gedanken dazu halten wir für sehr positiv."

Zur Zukunft der Xaver-Mayr-Galerie meinte der neue FWE-Vorsitzende, dass die letzten Veranstaltung dort gezeigt hätten, was "man daraus machen kann". Limpert: "Das waren gute Ausstellungen und es wäre schön, wenn die Galerie erhalten bliebe."

Ein kritisches Wort zielte auf den Auftritt von Bürgermeister Hennemann (SPD) beim Warnstreik der IG Metall. "Auch als Gastredner sollte sich ein Bürgermeister neutral verhalten und nicht solche Statements wie zur Gewerbesteuer abgeben."

Fraktionskollege Philipp Arnold monierte, dass das innerstädtische Beschilderungskonzept zwar umgesetzt wurde, aber wieder keine Hinweise auf die Schulen zu finden seien, obwohl "alle Schulleiter seit Jahren darauf drängen". Als Grund sei genannt worden, dass es keine entsprechenden Piktogramm gebe.

Zur Unterschriftenaktion der Freien Wähler zur Abschaffung der Straßenausbau-Beitragssatzung verteilte Thomas Limpert die entsprechenden Listen. "Wir planen dazu keine größere Aktionen, eventuell einen Informationsstand an einem Samstag."

Birgit Bayer fand, dass "wir bei diesem Thema verarscht worden sind", da viele Kommunen so eine Satzung gar nicht erlassen hätten. Allerdings könnten viele Gemeinden den Ausbau ihrer kaputten Straßen allein nicht schultern. "Ohne einen guten Ersatz durch den Freistaat wird's schwierig."

An künftigen Veranstaltungen verwies Thomas Limpert auf die Teilnahme am DLRG-Heringsessen am Aschermittwoch sowie mehrere Besichtigungstermine in Betrieben, Schulen sowie eine Führung zur Biber-Thematik.

Die Neuwahlen

Generationswechsel Die Stadtrats- und Bürgermeisterwahl im Blick hatten die Freien Wähler bei den fälligen Neuwahlen am Montag. "Ich ziehe mich gerne in die zweite Reihe zurück, um jüngere Leute nach vorne zu bringen", sagte Vorsitzender Herbert Stang, wobei man keine "alten Zöpfe abschneiden" wolle, wie Fraktionssprecher Thomas Limpert ergänzte.

Rochade So kam es unter Leitung von Wählergemeinschaft-Kreisvorsitzenden Birgit Bayer zu folgender, neuer Konstellation: Erster Vorsitzender Thomas Limpert, Zweiter Vorsitzender Herbert Stang, Kassier Rüdiger Ebert, Schriftführer Philipp Arnold (neu), Kassenprüfer Leo Biebelriether und Andreas Leibold (neu), Öffentlichkeitsarbeit Ralf Kestel (neu).

Team-Zuwachs Erstmals als Beisitzer hinzugewählt wurden Andreas Mölter, Elke Hohnhausen und Jürgen Käser. "2020 steht vor der Tür und deswegen möchten wir den Vorstandskreis erweitern", erläutert Limpert diesen Ansatz. Alle Kandidaten wurden ohne Gegenstimme bestätigt.