In zwei Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr und damit für viele junge Menschen ein ganz neuer Lebensabschnitt. Für einige ist der Schritt noch größer als für andere, wenn ihre Ausbildungsstelle auch den Umzug in die ersten eigenen vier Wände bedeutet.

Maike Raab aus Westheim packte vor drei Jahren ihre Koffer. Ihren Traumjob als Hotelfachfrau zu erlernen bedeutete für sie, als 16-Jährige, nach Bad Brückenau "umzusiedeln". "Ich wollte immer Hotelfachfrau werden," erzählt Maike Raab. Dem Papa hat sie schon immer beim Wirtschaftsdienst im Westheimer Sportheim geholfen, später in Eltmann gekellnert. "Die Berufsberaterin war schon ganz verzweifelt, weil die Maike so eingeschossen war und gar keinen alternativen Berufswunsch angegeben hat", erzählt Mutter Andrea.


Unbeirrbar zum Ziel

Anders als andere Schulabgänger wusste Maike genau, was sie wollte. Auf Vermittlung eines Bekannten, der drei Jahre vor ihr die Realschule in Haßfurt verließ, machte sie ein Praktikum im Dorint-Hotel in Bad Brückenau. Sie kam dort sehr gut an und sollte eine offizielle Bewerbung abgeben. Damit hatte sie ihren Ausbildungsplatz in der Tasche. "Ich habe wirklich nur die eine Bewerbung geschrieben", erinnert sich Maike. So ging sie ganz entspannt in die Abschlussprüfungen zur Mittleren Reife.

Dann wurde es im Sommer 2010 ernst. Maike war voller Vorfreude, Mama Andrea eher zwiespältig, wie sie erzählt: Sie wusste zwar, dass ihre Tochter extrem zuverlässig, zielstrebig und vernünftig ist, doch einer 16-Jährigen im 100 Kilometer entfernten Bad Brückenau eine Bleibe zu suchen, das ist nicht ganz einfach. Maike zog zunächst mit sieben anderen Hotelbediensteten in eine Wohngemeinschaft am Kurpark. "Anfangs war es schon manchmal schwer", gesteht Maike im Rückblick "aber dass die Mama die erste Zeit täglich angerufen hat, war dann doch wieder zu viel". Die beiden müssen lachen.

Andrea Raab ist froh, dass es nicht noch weiter weg ging. "Die Maike wäre ja auch nach Berlin, aber das ging mit 16 Gott sei Dank nicht." Die Eltern und Bruder Mauritz hatten sich dann doch relativ schnell daran gewöhnt, dass die "Große" außer Haus war. Umso mehr freuten sie sich, dass sie jedes arbeitsfreie Wochenende nutzte, um nach Westheim zu kommen. "Das hat aber bis zum 18. Geburtstag bedeutet, dass wir zwei Mal nach Bad Brückenau fahren", erzählt Andrea Raab. Mittlerweile hat Maike den Führerschein, ein Auto - und seit ein paar Wochen einen Einser-Ausbildungsabschluss in der Tasche.

Die Ausbildungszeit liegt nun hinter ihr, sie sammelte Erfahrung im Service wie im House-Keeping, doch jetzt steht sie als gelernte Fachkraft am Empfang "so wie ich das immer gerne wollte". Sich um Gäste kümmern, organisieren, hin und wieder auch die Fremdsprachenkenntnisse einsetzen, das ist ihre Profession, und ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrem Beruf erzählt, der ja auch Nacht- und Wochenendarbeit umfasst.

Das Einzige, was während der Ausbildung ein bisschen "nervte", waren die fünf nötigen Umzüge. Sie lebt immer noch in einer WG, die ist aber deutlich geschrumpft: Maike teilt sich eine kleine Wohnung mit dem 72-jährigen Saxophonisten des Kurorchesters. Der gebürtige Ungar ist sehr besorgt um Maikes Wohl, "er bringt mir sogar den Regenschirm zum Dienst, wenn ein Wetterumschwung angekündigt ist."

Die drei Jahre vergingen wie im Flug, berichten Mutter und Tochter übereinstimmend. Maike ist am ersten Ziel ihrer beruflichen Träume. Zwar freut sie sich sehr darüber, dass sie in ihrem Ausbildungsbetrieb fest übernommen wurde, doch es zieht sie noch immer in die Ferne. Gerade im Hotelfach gibt es da ja unendliche Möglichkeiten. "Sie kann sich jetzt in aller Ruhe überlegen, wo es hingehen soll", sagt Andrea Raab, und wieder schwankt sie zwischen Mutterstolz und ein bisschen Wehmut.

Eines wurde bei dem Treffen in Westheim deutlich: Das Verhältnis zwischen Eltern, Bruder und Schwester hat durch die frühe Trennung nicht gelitten. Und wenn Maike ihr Kommen ankündigt, dann wartet die Bank am Backhäuschen im Hof des Elternhauses schon auf einen gemütlichen Plausch.