Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge verteidigte bei einer Veranstaltung in Königsberg den Zusammenschluss. Trotzdem ist ein Bürgerentscheid wahrscheinlich.
Bleibt die zum 1. Januar gebildete Sparkasse Schweinfurt-Haßberge auch in Zukunft bestehen? Wenn es nach dem Willen der Führungsspitze des kommunalen Unternehmens geht, dann kann die Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden. Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in der Rudolf-Mett-Halle in Königsberg, zu der rund 50 Besucher gekommen waren, verteidigten der Vorstandsvorsitzende Johannes Rieger, sein Stellvertreter Peter Schleich und der weitere Vorstand Roberto Nernosi den Zusammenschluss der beiden Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken. Die Fusion "ist der richtige Weg", sagte Schleich. Die Weichen seien mit der Fusion richtig gestellt worden, bekräftigte Johannes Rieger.
Das sieht der pensionierte Betriebswirt Rainer Gottwald aus Landsberg am Lech anderes. Er hat die Fusion wiederholt kritisiert und ein Bürgerbegehren zur Rückabwicklung des Zusammenschlusses der beiden Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken initiiert, das erfolgreich zu laufen scheint und vermutlich in einen Bürgerentscheid mündet.
Am 9. Mai wurden im Rathaus von Königsberg 301 Unterschriften für das Bürgerbegehren eingereicht. 302 Unterschriften sind nötig (Quorum) für einen solchen Wahlgang. Mittlerweile sind es schon 360 Unterschriften, wie Gottwald bei der Informationsveranstaltung sagte. Aktuell werden die Unterschriften im Rathaus geprüft. Innerhalb einer Vier-Wochen-Frist muss sich der Stadtrat mit dem Thema auseinander setzen und einen Beschluss darüber fassen, ob ein Bürgerentscheid zugelassen wird. Das wird voraussichtlich in der Sitzung am Dienstag, 29. Mai, geschehen.
Warum ausgerechnet in Königsberg? Die Stadt war neben dem Landkreis Haßberge Träger der früheren Sparkasse Ostunterfranken und ist auch heute Träger des neuen kommunalen Unternehmens. Wird in einem Bürgerentscheid die Rückabwicklung der Fusion gefordert und damit der Fusionsbeschluss des Königsberger Stadtrates gekippt, platzt die Vereinigung. Theoretisch wäre auch ein Bürgerentscheid auf Landkreisebene möglich, aber dazu bräuchte es zwischen 4000 und 4500 Unterschriften, und diese Hürde scheint zu hoch zu sein. Deshalb haben sich Gottwald und seine Mitstreiter auf die Stadt Königsberg konzentriert.
Die Vorstände der Sparkasse ließen keinen Zweifel daran, dass mit der Fusion die richtige Entscheidung für die Zukunft getroffen worden sei: für die Kunden, für die Bürger und für die ganze Region, wie sie betonten. Der Zusammenschluss sichere Wettbewerbsvorteile, Kostenvorteile und eine höhere Ertragslage in einem Markt mit vielen Herausforderungen, hieß es. Das Filialnetz, an dem nicht gerüttelt werden soll, werde gestärkt. "Das Thema Schließung von Filialen ist für mich weit weg", sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Rieger. Der Kostendruck für das kommunale Unternehmen könne nur über größere Einheiten gesenkt werden.
Rieger versicherte, dass das neue Unternehmen partnerschaftlich geführt werde. Es sei so organisiert, dass "Schweinfurt an keiner Stelle allein bestimmen kann". Den Vorsitz im Verwaltungsrat hätten zum Beispiel die beiden Landräte aus Schweinfurt und Haßberge gleichberechtigt. Zwar werde die Hauptstelle in Schweinfurt gestärkt, aber gleichzeitig würden die Marktfolge-Bereiche in Haßfurt gebündelt, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Erfolgsprognosen für die fusionierte Sparkasse sind nach seiner Darstellung besser als beispielsweise für die Sparkasse Ostunterfranken allein.
In dem neuen Unternehmen mit seinen 800 Mitarbeitern werde es "keine betriebsbedingten Kündigungen" geben, versicherte Peter Schleich. Allerdings würden 40 Mitarbeiterkapazitäten abgebaut, schilderte Johannes Rieger (über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit). Die Reduzierung betrifft nach seinen Worten nur den Stab und die Verwaltung, nicht den Servicebereich.
In der Diskussion kristallisierten sich drei Hauptkritikpunkte heraus. Die Sparkasse hätte besser über die Fusion informieren müssen, hieß es. Zweitens: Manche Filialen seien zwar vorhanden, hätten aber reduzierte Öffnungszeiten und eine dünne Besetzung. Und: Warum kam die Fusion, obwohl früher die Eigenständigkeit der Sparkasse Ostunterfranken betont und eine Fusion vor Jahren schon einmal abgelehnt wurde?
Die Kritik, dass Filialen nicht ausreichend besetzt oder geöffnet seien, nahmen die Vorstände mit dem Versprechen entgegen, sich mit jedem Fall auseinander zu setzen. Kundenschlangen solle es nicht geben, versicherten sie, wenngleich sie punktuell nicht ausgeschlossen werden könnten.
Die mangelnde Informationspolitik schluckten die Vorstände. "Wir hätten unsere Kunden besser mitnehmen können", räumte Rieger ein - "müssen", schallte es aus dem Publikum entgegen. Zum Beispiel hätte man eine Bürgerversammlung zu dem Thema ansetzen können, hieß es aus den Besucherreihen. "Das war meine fehlende Nähe zu Ihnen", gestand Rieger weiter und wies darauf hin, dass wohl auch seine Schweinfurter Sicht auf die Dinge schuld daran gewesen sei. Im Raum Schweinfurt gebe es nämlich überhaupt keine Diskussionen wegen der Fusion.
Zum dritten Punkt (Eigenständigkeit) sagte Peter Schleich, dass sich die Vorzeichen mittlerweile stark gewandelt hätten. Heute "sieht die Welt ein bisschen anders aus", erklärte er mit Blick auf die Finanzkrise vor etwa zehn Jahren und die Zinspolitik. Man müsse die Situation "immer wieder neu bewerten".
Und was machte Rainer Gottwald? Er verfolgte die Diskussion und bekannte am Ende: "Meine Fragen werden immer weniger." Gleichwohl will er die Fusion kippen. "Ich bin überzeugt", sagte er, dass die Rückabwicklung kommt. Er wies darauf hin, dass Sparkassen, die fusioniert haben, heute schlechter dastehen als vor den Zusammenschlüssen. Er machte seine Behauptung an der Kapitalquote fest und zählte einige Beispiel aus Bayern auf.
Dem hielt Johannes Rieger entgegen: "Ich glaube nicht, dass man den Wert einer Sparkasse an der Kapitalquote messen soll." Den Sparkassen als kommunalen Unternehmen gehe es nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, dass sie Daseinsvorsorge für die Menschen in der Region betreiben können, und dafür sei die Kapitalquote der fusionierten Sparkasse hoch genug. Als das wichtigste Kapital der Sparkassen bezeichnete der Vorstandsvorsitzende das Vertrauen der Bürger; er sprach sogar von "Zuneigung". Rieger: "Ein kommunales Unternehmen kann ich nicht daran messen, wie viel Gewinn es macht."
Was passiert, wenn die Rückabwicklung doch kommt? Dann werde es schwierig, befürchtet Peter Schleich. Dann gebe es nur Verlierer, vor allem die Kunden, warnte der Zweite Bürgermeister von Königsberg, Alexander Krauser. "Sie sehen zu schwarz", entgegnete Rainer Gottwald.
Die fusionierte Sparkasse Schweinfurt-HaßbergeGebiet: Zum. 1. Januar 2018 fusionierten die beiden Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken (Kreis Haßberge) zur neuen Sparkasse Schweinfurt-Haßberge. Ihr Geschäftsbereich umfasst die beiden Landkreise Haßberge und Schweinfurt sowie die Stadt Schweinfurt. Träger sind der Landkreis Schweinfurt mit einem Anteil von 40, 52 Prozent, die Stadt Schweinfurt (26,68 Prozent), der Landkreis Haßberge (27, 22 Prozent) und die Stadt Königsberg (5,58 Prozent). Träger der früheren Sparkasse Ostunterfranken waren der Landkreis Haßberge und die Stadt Königsberg. Sie hatten Anteile von rund 83 Prozent (Landkreis) und 17 Prozent (Königsberg).
Volumen: Die Bilanzsumme der fusionierten Sparkasse wird mit vier Milliarden Euro angegeben. Die Sparkasse Ostunterfranken hatte zuvor eine Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro.
Führung: Aktuell leiten fünf Vorstände das kommunale Unternehmen. Nach dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Johannes Rieger im Juli (Ruhestand) werden es vier Vorstände sein. Je zwei kommen aus den Altsparkassen Ostunterfranken (Peter Schleich und Andreas Linder) und Schweinfurt. Den Verwaltungsrat (Aufsichtsratsgremium) bilden 18 Personen (elf aus der Altsparkasse Schweinfurt und sieben aus der Altsparkasse Ostunterfranken).
Wenn Klaus Schmitt in seinem Kommentar fragt, warum ein Rentner aus Landsberg die Fusion der Sparkasse rückgängig machen will, dann denke ich mir, dass es Leute gibt, die stehen noch im Berufsleben und die sind nicht ein Viertel so aktiv wie ein Rentner.
Wenn Klaus Schmitt in seinem Kommentar schreibt, warum ein Rentner aus Landsberg die Fusion verhindern soll, dann denke ich, d
Ich finde es nicht in Ordnung, dass von Peter Schleich, einem Fusionsgewinnler, auch noch die Überschrift des Zeitungsartikels "Die Fusion der Sparkasse 'ist der richtige Weg'" entlehnt wird.
Woher will der Autor wissen, ob die Fusion der richtige Weg ist? Er kann es nur glauben, wissen kann das nur, wer Einblick in die Zahlen hat. Aber die Sparkassen halten ihre Zahlen unter Verschluss.
Warum gibt es denn den Widerstand? Weil vermutlich nicht einmal die Kreisräte die Zahlen kennen!? Zumindest wahrscheinlich nicht verstehen. Das ist keine Grundlage für eine Fusion. Der FT sollte endlich seiner Aufgabe als kritischer Begleiter von politischen Entscheidungen nachkommen und nicht den Honoratioren nach dem Mund reden!