Es ist momentan nicht gerade wenig los in der Welt, und alles gibt Anlass zur Sorge: Flüchtlingsströme, kriegerische Auseinandersetzungen, Terrorismus, Wirtschaftsaggressionen und "Entwicklungsdiktaturen", wie Monika Hohlmeier kompromissloses Handeln von Staaten nennt, die sich Macht, Geld und Einfluss mit allen Mitteln zu sichern versuchen. Die CSU-Politikerin, die im Europaparlament Sitz und Stimme hat, sprach diese und viele weitere Themen am späten Freitagnachmittag bei einem Firmenbesuch in Hofheim an. Der CSU-Ortsverband hatte die Tochter von Franz-Josef Strauß eingeladen, damit sie vor allem mit Vertretern der Wirtschaft über deren Anliegen diskutieren konnte.
In Hofheim war sie damit genau an der richtigen Stelle, denn die Firma "Elso" agiert europa- und weltweit und ist damit auch ein Stück von der Politik der Europäischen Union abhängig.


Für eine starke EU

In ihrer Rede, die in alle Winkel und Winkelzüge dieser Welt führte, machte Monika Hohlmeier unmissverständlich deutlich, insbesondere Deutschland brauche eine starke Europäische Union. Die EU müsse die eigenen Unternehmen schützen, vor allem vor Aggressionen aus China und anderen Ländern, und für einen gerechten Markt sorgen. Ein einzelner Staat wie Deutschland könne nichts ausrichten. Die 53-Jährige sieht mit Sorge das Erstarken rechter und nationalistischer Tendenzen in der Bundesrepublik und anderen europäischen Staaten. Damit könnten keine Probleme gelöst werden. Politik nach dem Motto Grenzen zu und alles ist gut sei zum Scheitern verurteilt, erklärte Hohlmeier.

Die CSU-Politikerin gab gerne zu, dass die Europäische Union noch besser werden muss. Vor allem die Bürokratie ist eine Bremse. Hohlmeier führt nach eigenen Angaben einen "täglichen Kampf" gegen die Bürokratie, an der Deutschland einen großen Anteil trage. Denn viele Verordnungen gehen nach ihrer Darstellung auf Vorschläge aus Deutschland zurück. "Die Prüfungsprozesse sind zu extrem geworden" und zu kleinteilig, räumte sie ein. Wichtig sei, die "großen Fische" bei eventuellen Gaunereien zu erwischen, nicht den armen bulgarischen Bauern, der vielleicht vier statt drei Kühe angegeben habe, um 20 Euro mehr Unterstützung von der EU zu erhalten.

Mit ihrem Geständnis, dass die EU mit ihren 28 Mitgliedsstaaten zu viel Bürokratie produziere, rannte sie offene Türen bei Andreas Dellert ein. Der CSU-Ortsvorsitzende von Hofheim und Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hofheim, hatte bedauert, dass in der EU "jeder Punkt, jedes Komma belegt sein müssen". Der "bürokratische Aufwand ist gewachsen", sagte er. Dellert sieht aber auch die positive Seite Europas: Als VG-Leiter ist er froh über die EU-Fördergelder, und die Wirtschaft könne profitieren und Europa als Chance erfahren, wenn sich die Unternehmen darauf einstellen.

Eine Firma, die sich in Europa und auf dem Weltmarkt zurechtfindet, ist "Elso" in Hofheim. Die 420 Mitarbeiter produzieren Antriebstechnik für den Fahrzeug- und den Maschinenbau. Monika Hohlmeier schaute sich die Fertigung an, durch die sie Geschäftsführer Horst Kneuer, der Betriebsleiter Paul Vierneusel und Vertriebsleiter Michael Koch führten. Weitere Gäste aus der Wirtschaft und dem CSU-Ortsverband verfolgten ebenso interessiert die Ausführungen des Unternehmens.

"Elso" ist seit über 40 Jahren in Hofheim tätig. Die Firma ist weltweit unterwegs, wie Horst Kneuer erläuterte. 2015 haben die 420 Mitarbeiter einen Umsatz von über 54 Millionen Euro erwirtschaftet.

Mit der Konstruktion und dem Bau von Gelenkwellen hatte das Familienunternehmen in Hofheim einst begonnen. Mittlerweile sind weitere Produkte in der Antriebstechnik für den Fahrzeugbau (69 Prozent Anteil an der Fertigung) und im Maschinenbau (25 Prozent) dazu gekommen. Als wichtigstes Kapital sieht das Unternehmen nach den Worten Kneuers "eine hohe Motivation bei den Mitarbeitern". Die Firma setze auf ihr "gut ausgebildetes" Personal, auf Qualität und Flexibilität: Die Kundenwünsche würden schnell und zuverlässig erfüllt.

Aber "Elso" spürt auch heftig die Konkurrenz. "Wir müssen uns warm anziehen. Der Druck wird immer größer" - vor allem aus Richtung Asien. Auch die Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine machen dem Unternehmen zu schaffen. "Die Sanktionen tun uns richtig weh", bekannte Horst Kneuer.