In Sachen Bildung und Schulentwicklung hat der Landkreis Haßberge ohnehin einen guten Namen. Landrat Rudolf Handwerker (CSU) möchte aber in Zusammenarbeit mit allen für die Bildung im Kreis Verantwortlichen das ministerielle Qualitätssiegel "Bildungsregion in Bayern" erhalten. Die offizielle Auftaktveranstaltung, das erste Dialogforum für den Prozess, in dem so etwas wie ein bildungspolitisches Gesamtkonzept entstehen soll, fand am Mittwoch im "Silberfisch"statt, dem Betreuungsgebäude am Schulzentrum in Haßfurt.
Der Landkreis Haßberge ist Sachaufwandsträger für zwei Gymnasien, vier Realschulen und die Heinrich-Thein-Berufsschule und wird in die Gebäude in den nächsten Jahren weit über 50 Millionen Euro investieren. Doch die Bemühungen enden nicht beim Sachaufwand, wie Landrat Handwerker bei seiner Begrüßung erläuterte.
"Eine Vorreiterrolle haben wir in Sachen Jugendsozialarbeit übernommen", erinnerte er, und zwar nicht nur an den Schulen in eigener Zuständigkeit, sondern flächendeckend auch an allen Mittelschulen. Auch beim Ausbau der Ganztagesschulen und mit dem Angebot an Kinderbetreuungsplätzen liege der Kreis ganz vorne, sagte er.

Breites Fundament

Der jetzt gestartete Prozess kann auf ein breites Fundament aufbauen, denn bereits vor zehn Jahren wurde der "Arbeitskreis Schulentwicklung" gegründet. Hier arbeiten Pädagogen vom Kindergarten bis zur Berufsschule mit Politikern zusammen und erarbeiten Lösungen für konkrete Probleme, wie etwa Stützunterricht oder die pädagogischen Konzepte für den Ganztagsunterricht. Auch das Projekt "Soft Step" entstand hier. Der begleitete Übergang zwischen den verschiedenen Schularten ist eine wesentliche Säule der Bildungsregion.
Handwerker begrüßte es ausdrücklich, dass das Kultusministerium mit der Initiative "Bildungsregionen in Bayern" jetzt auf die Verantwortlichen der Region zugeht, die sich mit Bildung befassen. Ausdrücklich betonte der Landrat, dass es nicht darum gehe, möglichst jeden Menschen zum Akademiker zu machen. Allerdings sollte jeder junge Mensch die optimalen Entwicklungsmöglichkeiten haben. Zugleich brauche es ein gutes Erwachsenenbildungssystem. Als ersten Schritt sieht Rudolf Handwerker ein Gesamtkonzept für den Kreis Haßberge, mit "dem wir uns um das Qualitätssiegel Bildungsregion in Bayern bewerben können".
Sowohl vom Regierungsvizepräsidenten Andreas Metschke, als auch vom Leitenden Ministerialrat Stefan Graf aus dem Kultusministerium erhielt der Landkreis Haßberge ein Lob für sein Engagement in Sachen Bildung und Schule. Hier sei frühzeitig erkannt worden, dass das Bildungsangebot einer Region auch ein wichtiger Standortfaktor ist, denn "Firmen gehen heute dorthin, wo die qualifizierten Fachkräfte sind", erklärte Metschke, der auch Demografiebeauftragter an der Regierung von Unterfranken ist. Als vorbildlich bezeichnete Gert Weiß, der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, das Thema Bildungsübergänge im Landkreis.

Haßbergkreis war wieder schnell

Ministerialrat Stefan Graf erläuterte, dass auf Initiative von Landkreisen und kreisfreien Städten im Kultusministerium eine Arbeitsgruppe gebildet wurde, die das Handbuch für die Bildungsregionen erarbeitete. Der Landkreis Haßberge gehört zu den ersten, die sich an diesem Prozess beteiligen: als vierter Kreis in Unterfranken und 25. in Bayern. Das Landesjugendamt und der Bayerische Jugendring werden die Ergebnisse aus dem Landkreis Haßberge ebenso bewerten wie das Kultus- und das Sozialministerium. Die beiden Ministerien entscheiden dann darüber, ob der Landkreis Haßberge das angestrebte Qualitätssiegel erhält.
Fünf Arbeitskreise mit Unterarbeitskreisen wurden am Mittwoch gebildet, sie sollen ihre Ergebnisse in etwa neun Monaten vorlegen. Die fünf Säulen der Bildungsregion Haßberge haben folgende Themen: "Übergänge organisieren und begleiten" (Leitung Rektor Stephan Bauer), "Schulische und außerschulische Bildungsangebote und Bildungsträger vernetzen - Schulen in die Region öffnen" (Leitung Schulamtsdirektorin Ulrike Brech), "Kein Talent darf verloren gehen - Jungen Menschen in besonderen Lebenslagen helfen" (Leitung Rot-Kreuz-Kreisvorsitzender Dieter Greger), "Bürgergesellschaft stärken und entwickeln - Beitrag von Jugendhilfe einschließlich Jugendarbeit, Ganztagsangeboten und generationenübergreifendem Dialog" (Regierungsrätin Carolin Mehringer-Räth), "Herausforderungen des demografischen Wandels annehmen" (Horst Hofmann, Geschäftsführer des Zweckverbandes Schulzentrum Haßfurt).

Vernetzung mit Wirtschaft

Diese Themen zeigten auf, dass bei aller bisheriger Vorarbeit noch viele Herausforderungen zu bewältigen sind, sagte Landrat Rudolf Handwerker. So gehe es beispielsweise um die bessere Vernetzung mit der Wirtschaft, aber auch darum, Schülern die Vielfalt von Arbeitsplätzen im Landkreis Haßberge aufzuzeigen. Das Netzwerk Ganztag und die Ferienbetreuung sollten ausgebaut werden, die wohnortnahe Schule sei ebenso ein Thema wie das nachhaltige Schulgebäudemanagement, betonte er.