1938 ist Franz Reinisch wieder in Untermerzbach. Diesmal flieht er nachts wirklich über die Mauer. Er liebt die Musik, das Kartenspiel, die Geselligkeit. Gleichzeitig fühlt er die Berufung, Priester zu sein.
Nachdem er sich zunächst kritisch, zunehmend dann radikal ablehnend gegenüber dem herrschenden nationalsozialistischen Regime äußert, erhält Reinisch 1940 ein Predigt- und Redeverbot für das Gebiet des gesamten Deutschen Reiches von der Gestapo. Am Osterdienstag 1942 erreicht ihn die endgültige Einberufung in die Wehrmacht. Damit beginnt sein letzter Lebensabschnitt.
Absichtlich und im vollen Bewusstsein der Folgen kommt er einen Tag später in der Kaserne Bad Kissingen an, als der Gestellungsbefehl es fordert. Auf die Frage des Feldwebels, ob er nicht Wert darauf lege, sich rechtzeitig zu melden, antwortet Reinisch: "Ich würde Wert darauf legen, wenn das gegenwärtige Regime nicht am Ruder wäre." Den Fahneneid auf Hitler lehnt er aus Gewissensgründen ab.
Franz Reinisch ist einer von vielen Millionen, die unschuldig dem blutigen Regime von Adolf Hitler zum Opfer fallen. Allein im Zuchthaus Brandenburg-Görden, in dem auch Reinisch ein Opfer des Fallbeils wird, werden ab dem 1. August 1940 genau 2743 Menschen hingerichtet, davon 1722 aus politischen Gründen. Im Unterschied zu anderen herausragenden Märtyrern wie Edith Stein, Hans und Sophie Scholl oder Maximilian Kolbe hätte Franz Reinisch sein Todesschicksal bis wenige Woche vor seiner Hinrichtung wenden können.
Immer wieder versuchen Freunde und Vorgesetzte, Reinisch doch noch zum Fahneneid zu bewegen. Sie bedrängen ihn, sie wollen sein Leben retten. Am Ende soll ihm gar mit einem Ausschluss aus der Gemeinschaft der Pallottiner gedroht werden, um ihn zum Eid zu bewegen. Franz Reinisch bleibt bei seinem Entschluss: "Sooft ich auch mein Gewissen überprüfe, ich kann zu keinem anderen Urteil kommen. Und gegen mein Gewissen kann und will ich mit Gottes Gnade nicht handeln. Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten. Es muss Menschen geben, die gegen den Missbrauch der Autoritäten protestieren; und ich fühle mich berufen zu diesem Protest."
"Es war nicht einfach Kriegsverweigerung, sondern religiös motiviert", zeigt Pfarrer Lang aus Seßlach sich während der Ausstellungseröffnung in Untermerzbach von der Aufrichtigkeit und Gewissenstreue Pater Reinischs beeindruckt. Mit 14 Roll-Ups in rot, schwarz und weiß scheint die Ausstellung auf den ersten Blick wenig spektakulär. Umso aufrüttelnder ist ihr Inhalt. Konzipiert vom Direktor des Paulusheims in Bruchsal und anschaulich von Schülern des Gymnasiums St. Paulusheim aufgearbeitet, behandelt sie am bewegenden Beispiel eines Einzelnen ein Thema, dessen Brisanz bis heute aktuell ist: die Treue zum eigenen Gewissen, in widrigsten Zeiten, den Umständen zum Trotz.
Einen Bogen vom Leben Franz Reinischs in die Gegenwart spannte deshalb auch Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) in seiner Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung. "Wie Reinisch muss heute jeder die Augen offen halten", betonte das Gemeindeoberhaupt und mahnte zu persönlichen Konsequenzen, Aufrichtigkeit und aufrechtem Gang, wie es das Beispiel des Pallotiner-Paters Reinisch lehre.
Am 7. Juli 1942 wird Franz Reinisch schließlich vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt. Sechs Stunden vor seiner Hinrichtung am 21. August schreibt der Pallottiner im Alter von 39 Jahren bewegende Zeilen an seine Eltern: "Darum freut euch, wenn ihr diesen Brief in den Händen haltet. Dann wißet: ich bin ewig glücklich! ... Liebe Mutter, herzlichen Dank auch noch für dein Päckchen. Es war ein Vorverkosten der himmlischen Seligkeit."
Die Ausstellung über Pallottiner-Pater Franz Reinisch, sein Wirken und seine Überzeugung ist bis 22. November im Gemeindezentrum "Komm" in Untermerzbach zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags 9 bis 11 Uhr, dienstags bis donnerstags 16 bis 18 Uhr und freitags 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am Dienstag, 19. November, wird im Rahmen der Ausstellung um 18 Uhr auch ein Film über Pater Reinisch gezeigt.