Wer das Tierheim Haßberge besucht, der steht zunächst vor verschlossenen Türen. In den Außenkäfigen klettern keine Katzen. Kein Hundebellen schallt aus dem Gebäude. Durch die Corona-Krise haben nicht nur im Landkreis - sondern auch bundesweit - Tierheime deutlich weniger pelzige Bewohner als sonst. Denn in Zeiten von Ausgangsbeschränkung, Kurzarbeit und Homeoffice kam vielen Bürgern der Gedanke, dass sie sich um ein Tier kümmern könnten. "Wir haben gut vermittelt", bestätigt auch Britta Merkel, Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge e.V..

Experten befürchten, dass nach der Corona-Krise viele Tiere wieder zurückgegeben werden. Die Angst vor einer solchen Abgabewelle teilt Merkel nicht. Wer einTier adoptieren möchte, der muss zunächst eine Selbstauskunft ausfüllen. "Ich sortiere auch schon am Telefon aus. Wer normalerweise acht Stunden täglich arbeitet, der hat keine Zeit für ein Tier. Die Leute vergessen aktuell, dass sie ja auch irgendwann wieder arbeiten müssen und dann wäre das Tierheim bald wieder voll", erklärt die Vorsitzende.

Teilzeit-Angebote, also ein Tier für eine gewisse Zeit in privaten Haushalten aufzunehmen, gibt es im Haßberger Tierheim nicht. "Sonst hat sich das Tier gerade erst eingelebt und weiß gar nicht, warum es wieder gehen muss. Das wäre eine Katastrophe!"

Auch gibt es viele Anfragen von Bürgern, so Merkel weiter, die ihre freie Zeit sinnvoll nutzen wollen und ihre Dienste als Gassigeher anbieten. Für Merkel keine Option: "Wir haben unsere Stammgassigeher." Fremde Personen müsse man erst anlernen, an das Tier gewöhnen und "man kann davon ausgehen, dass sie keine Zeit mehr fürs Gassigehen haben, sobald sie wieder zur Arbeit gehen".

Einnahmen fallen weg

Zur Urlaubszeit ist das Tierheim für gewöhnlich randvoll. Bürger, die verreisen, können ihrem Tier einen Platz im Tierhiem buchen. "Heuer gibt es keine Pensionsplätze. Normal wäre alles ausgebucht jetzt zur Urlaubszeit", erzählt Merkel. Etwa 11000 Euro Einnahmen bleiben damit auf das Jahr betrachtet aus.

"Wir haben aktuell 32 Katzen, sieben Hunde, fünf Kaninchen und zwei Waschbären." Für letztere wurde erst kürzlich ein größerer Spendenaufruf gemacht - mit wenig Erfolg. "Ich würde sagen, es sind fast weniger Spendeneinnahmen als sonst, weil wir viele Einbußen haben, zum Beispiel können wir kein Sommerfest und kein Straßenfest veranstalten, wo viele Spenden generiert werden", sagt Merkel. Etwas mehr als die Hälfte an Spendenennahmen fallen durch die abgesagten Feste weg. "Dabei bleiben die Ausgaben ja erhalten. Wir haben zum Biepsiel einige Dauerkandidaten da, die versorgt werden müssen." Finfanzielle Hilfe vom Staat habe das Tierheime einmalig erhalten. "Wir haben damals Glück gehabt. Manche Tierheime haben nichts erhalten", so die Vorsitzende.

Kein Publikumsverkehr

Doch die Pandemie hat auch zwei Hunden aus dem Tierheim Glück gebracht: "Unsere zwei Bernhardiner wurden vermittelt, obwohl man dachte, dass die beiden nie adoptiert werden", erzählt Merkel. Denn die Hunde gab es nur im Doppelpack. "Die Interessenten konnten immer nur am Wochenende zum Gassigehen und Kennenlernen kommen. Durch die Folgen von Corona konnten sie dann täglich die Hunde besuchen und das haben sie auch vier Monate lang konstant gemacht. Schließlich haben sie die zwei Hunde genommen", erzählt sie und schmunzelt.

Wegen Corona-Krise: Tierheime verlieren Spenden

Während die finanzielle Lage äußerst angespannt ist, ist der Alltag im Tierheim selbst "relativ entspannt". Die vorgeschlagenen Corona-Maßnahmen des Deutschen Tierschutzbundes sehen vor, dass Tiervermittlungen nur noch nach Terminvereinbarung erfolgen. Zum Termin selbst ist nur eine begrenzte Anzahl an Personen zugelassen. "Für die Tiere ist es wesentlich entspannter mit den Terminvergaben, zum Beispiel wurden früher die Hunde immer so aufgescheucht", erzählt Merkel. Mindestens über den Sommer hinweg wird das Tierheim diese Regelung beibehalten und das Tierheim für Besucher ohne Ankündigung geschlossen lassen - "allein schon, weil vielleicht eine zweite Welle aufkommen könnte".

Mehr Infos rund um die Tierschutzinitiative

Initiative Die Tierschutzinitiative Haßberge e.V. betreibt das Tierheim des Landkreises Haßberge sowie eine Wildtierauffangstation und hat hierbei den Schwerpunkt auf die Versorgung von Igeln und Eichhörnchen gelegt. In Oberschwappach beherbergt der Verein einen Gnadenhof für Nutztiere.

Aufgaben Die Aufgaben sind vielseitig. Auch die Verfolgung und Anzeige von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ist ein wichtiger Teil der Arbeit, gefolgt von der Öffentlichkeitsarbeit zu wichtigen Tierschutzthemen, der Tierrettung sowie der Vermittlung von Tieren.

Spendenkonto Die Tierschutzinitiative Haßberge e.V. finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden: Name: Tierschutzinitiative Haßberge e. V.; Sparkasse Schweinfurt-Haßberge

IBAN:DE 8479 350 1010 0091 044 64

BIC: BYLADEM1KSW