Hier strandete die Arche Noah, hier wurde Prometheus an den Felsen geschmiedet, hier stahl der Argonautenheld Jason das Goldene Vlies. Die Rede ist vom sagenumwobenen Kaukasus. Das reizvolle, aber touristisch wenig bekannte Gebiet ist geprägt von zahlreichen hohen und zerklüfteten Gebirgszügen. Die Bergriesen erwiesen sich für mich nach einem Wort des alten Goethe als "stille Meister", die den Willen auf eine harte Probe stellten, aber die Muskeln stählten und Geduld und Ausdauer lehrten.

Ausgangspunkt für die Tour, die eine frühere Reise fortsetzte, war die heimliche Kurdenhauptstadt Diyarbakir. startete. Hier setzte ich eine frühere Tour fort, die ich vor wenigen Jahren zusammen mit meiner Frau Inge durchgezogen hatte. Diesmal war ich allein, und mein Weg führte mich zunächst zum Vansee, siebenfach größer als der Bodensee. Hier leben die Van-Katzen mit ihren verschiedenfarbigen Augen.
Ich sah etliche Stubentiger, aber ob ein "echter" dabei war, weiß ich nicht.

Über die Frage, ob es sich bei der Felsenformation am 5137 Meter hohen Ararat um die echte Arche Noah handelt, braucht man nicht zu rätseln. Es bedarf viel Fantasie, um die Gesteine als Arche zu deuten. Trotzdem haben die geschäftstüchtigen Türken an dieser Stelle für die Touristen ein kleines Museum hingestellt. Wenige Kilometer entfernt fasziniert der 1913 entstandene Meteorkrater, mit 60 Metern Tiefe weltweit ziemlich einmalig.


Türkische Gastfreundschaft

Bei einer Rast erlebe ich die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Einheimischen. Am benachbarten Platz winkt mir ein Türke mit einer Flasche Bier. Als ich zu der Kleinfamilie hinübergehe, bleibt es nicht beim Getränk. Vielmehr werden dem sich bevorzugt vegetarisch ernährenden Biker ständig die besten "Leckerbissen" zugeschoben - wozu auch gegrillte Hammelhoden zählen.

Gestärkt durch diese kulinarische Prüfung geht es unverzagt in die Berge. Die Luft flimmert, die Sonne sticht und es ist drückend heiß bei etwa 40 Grad im Schatten. Mal eben mit dem samt Gepäck gut 50 kg wiegenden Rad 1000 Meter rauf und anschließend ebenso viel wieder runter, das erwartet jeden, der sich hierher traut. Auch dem "kampferprobten" Globetrotter mit seinen 59 Jahren geht das gewaltig in die Knochen.


Begleiter aus Japan

Für eine Woche finde ich zufällig einen gleichgesinnten Partner: Den 26-jährigen Ken aus Japan. Wir harmonieren auf Anhieb, zusammen erklimmen wir manchen Pass und campen in der freien Natur. Erst in Georgien trennen sich unsere Wege wieder.

In Armenien, dem ältesten christlichen Staat der Erde, entdecke ich uralte Zeugnisse früher Jesus-Gemeinden aus den ersten Jahrhunderten. In Eriwan begegne ich einem "alten Bekannten": Hinter der Stadt erhebt sich majestätisch der Ararat mit seinem ewig schneebedeckten Haupt. Auf einem Hügel der Metropole blickt eine 51 Meter hohe Statue, Mutter Armenien genannt, mit ihrem blank gezogenen elf-Meter-Schwert drohend gen Westen zum türkischen Nachbarn.


Geschlossene grenzen

Nicht nur zwischen diesen beiden Ländern herrscht Eiszeit, auch der Konflikt Armeniens mit Aserbeidschan um das Gebiet Berg-Karabach schwelt weiter. Deshalb sind die armenischen Staatsgrenzen sowohl nach Westen zur Türkei als auch nach Osten Richtung Aserbeidschan geschlossen. Dass der Kaukasus ein politischer Unruheherd ist, dazu tragen auch die zwischen Russland und Georgien liegenden de-facto-Staaten Abchasien und Südossetien bei. Da ich diese Krisengebiete meide, verläuft die Tour friedlich.


Die Reste der Zeiler Zuckerfabrik

In Aserbeidschan nehme ich mir Zeit, die ehemalige deutsche Siedlung Helenendorf anzuschauen und kurz vor dem Kaspischen Meer bewundere ich prähistorische Petroglyphen, also in Fels geritzte Bilder. Die Reise endet dort, wo die Zeiler Zuckerfabrik ein neues Domizil fand: In der modernen aserbeidschanischen Hauptstadt Baku.
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