Sehr sauber und aufgeräumt sahen Hof und Betriebshallen der Firma Loacker in Wonfurt am Dienstagnachmittag aus. Hatten die Mitarbeiter extra klar Schiff gemacht, weil sich der Umwelt- und Werkausschuss des Kreistages für einen Besuch angekündigt hatte?

Hier habe es in der Vergangenheit immer so ordentlich ausgesehen, auch bei unangekündigten Besichtigungen, erklärte Adelinde Friedrich unserem Portal. Sie leitet die Abteilung Bau und Umwelt am Landratsamt Haßberge und ist intensiv mit der Firma Loacker beschäftigt. Sie und weitere Mitarbeiter aus der Behörde aus Haßfurt begleiteten den Ausschuss in Wonfurt, der sich ein Bild von der Firma und vor allem von den baulichen und technischen Verbesserungen machen wollte, nachdem das Unternehmen vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geraten war. Es ging um Schadstoffe, die mit dem Staub in die Umwelt gelangten und die für heftige Proteste in der Bevölkerung, insbesondere in Wonfurt, sorgten.

Und jetzt? Landrat Wilhelm Schneider (CSU) machte deutlich: "Ich möchte nicht mehr nach Gestern oder Vorgestern zurückblicken." Er freut sich, dass durch die Mediation eine Lösung gefunden wurde, die die Situation befriedet hat. Er ist, wie er unserem Portal bestätigte, zufrieden mit der Entwicklung. Endgültige Entwarnung gab er aber jedoch noch nicht. "Man muss dran bleiben."

Das geschieht auch. Das Landratsamt hat in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt die für rund 2,5 Millionen Euro aufgerüstete Anlage bereits unter die Lupe genommen. Das Gewerbeaufsichtsamt wird das demnächst tun. In Zukunft gibt es immer wieder Kontrollen durch die Behörden.

Mehrere Jahre schwelte der Konflikt um die Firma Loacker im Wonfurter Gewerbe- und Industriegebiet, die am Ortsausgang Richtung Haßfurt liegt. Anfang 2012 war das Problem öffentlich geworden. Bürger in Wonfurt beschwerten sich massiv, dass Staub, der offenbar mit Schadstoffen belastet ist, aus der Produktion der Recyclingfirma in die Umgebung gelangt sei. Die Wonfurter befürchteten gesundheitliche Auswirkungen.

Der Betrieb Loacker recycelte bis dahin Elektronik- und Kabelschrott. Mehrmals ist es im Betrieb zu kleineren Bränden gekommen, die das Problem verschärft haben.

Messungen

Nach den Bürgerprotesten gab es Messungen, die den Verdacht der schädlichen Emissionen zumindest teilweise bestätigt haben. Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde legte die Produktion still, kurz danach hob das Verwaltungsgericht in Würzburg die Anordnung aus Haßfurt auf. Die Produktion ging weiter, aber eingeschränkt. Elektronikschrott wurde nicht mehr aufgearbeitet, Kabelschrott jedoch weiterhin. Die Firma selbst bemühte sich um Verbesserungen im technischen Ablauf, die die Kritiker indes als unzureichend bezeichneten.

Es gab weitere Messungen, die teils unterschiedlich interpretiert wurden. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt", die sich zwischenzeitlich gebildet hatte, organisierte Protestkundgebungen. Politiker aller Parteien sahen sich vor Ort um. Lösungsvorschläge wurden diskutiert. Wichtigster Ansatz: Der Betrieb, der zu einem großen Teil in der oberen Hälfte der Gebäude offen ist, muss eingehaust werden.

Um die Auseinandersetzung endgültig aus der Welt zu schaffen, entschieden sich die Konfliktparteien zu einem Mediationsverfahren. Daran beteiligt waren das Landratsamt Haßberge, die Firma Loacker, die Gemeinde Wonfurt, die Bürgerinitiative und der Mediator vom Verwaltungsgericht in Ansbach.

Das Mediationsverfahren lief ab Herbst 2013 hinter verschlossenen Türen. Es war erfolgreich. Am Ende stand die Gütevereinbarung, die alle Beteiligten gebilligt haben. Jetzt kam es darauf an, die Vereinbarung umzusetzen. Die Firma Loacker stellte einen Antrag auf bauliche und technische Verbesserung, den das Landratsamt in einem Bescheid im Juni 2014 genehmigt hat. Ab August wurde gebaut.

Betriebsleiter Matthias Köhler führte den Landrat, die Kreisräte und die Behördenvertreter gestern durch die Anlage, für die die baulichen und technischen Arbeiten weitgehend abgeschlossen sind. Das entscheidend Neue ist: Die Recycling-Produktion wurde eingehaust. Die rund 4000 Quadratmeter große Halle ist nicht mehr offen. Per Unterdruck und über Filteranlagen wird die Luft ständig abgesaugt. In der Stunde findet laut Matthias Köhler ein 4,8-facher Luftwechsel statt.

Am Ende des Produktionsprozesses stehen Kupfer, Kunststoff und der in den Filtern aufgefangene Staub. Es ist ein geschlossenes System geworden.

Daten und Zahlen

Die Firma Loacker ist ein Recycling-Unternehmen mit insgesamt 800 Mitarbeitern an 40 Standorten in acht Ländern. In Götzis im Nachbarland Österreich ist der Loacker-Hauptsitz.

Ein Standort ist Wonfurt. Dort sind in der Aufarbeitung von Elektrokabeln derzeit 23 Beschäftigte im Zwei-Schicht-Betrieb tätig. Zu Spitzenzeiten waren es einmal 43 Mitarbeiter. In Wonfurt werden, wie der Betriebsleiter Matthias Köhler informierte, im Monat rund 1500 Tonnen Rohmaterial verarbeitet. Der Jahresumsatz liegt bei rund 28 Millionen Euro.