Damit hatte Wilfried Neubauer nicht gerechnet: Der Beschluss des Verwaltungsgerichts in Würzburg traf den Geschäftsführer der GUT völlig überraschend, und die GUT (Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte) hat sofort reagiert: Am Freitag wurde der Weiterbau der Windräder fünf bis zehn im Sailershäuser Wald eingestellt.

Ohne Begründung

In einem Beschluss hatte das Gericht die "aufschiebende Wirkung" von sechs Klagen gegen den Bau der Windräder "wiederhergestellt". Das bedeutet: Baustopp für die sechs Windräder (fünf bis zehn). Die weiteren vier Anlagen (eins bis vier) können weitergebaut werden. An ihnen wird gearbeitet, wie man im Wald sieht.

Eine Begründung hat das Gericht für seinen Beschluss nicht angegeben. Es ist auch nur ein Beschluss und kein Urteil. In der Sache selbst haben die Juristen in Würzburg noch keine Entscheidung getroffen, aber offensichtlich wollten sie mit der Wiederherstellung der "aufschiebenden Wirkung" verhindern, dass Fakten geschaffen werden, die ein späteres Urteil quasi überflüssig machen. Wenn die Windräder erst einmal stehen, braucht es kein Urteil mehr darüber, ob sie gebaut werden dürfen oder nicht.

Erheblichen Widerstand gegen die rund 200 Meter hohen Windräder gibt es vor allem in dem Riedbacher Gemeindeteil Kleinmünster. Zuletzt war von sieben Klagen gegen das Projekt die Rede, jetzt behandelte das Gericht sechs Klagen und erließ dazu jeweils einen gleich lautenden Beschluss. Warum jetzt für sechs Klagen und nicht für sieben ist nicht bekannt.

Die GUT und die Bürgerwindpark Sailershäuser Wald GmbH und Co.KG, die die zehn Windräder bauen und betreiben will, sind natürlich daran interessiert, dass alle Windkraftanlagen so schnell wie möglich gebaut werden. Der vom Gericht in Würzburg verhängte Baustopp koste Zeit und Geld, erklärte Wilfried Neubauer am Montag unserem Portal. Der Baustopp kommt gerade in der Phase, in der die Türme geliefert werden sollen.

Die beiden Gesellschaften, hinter denen der Landkreis und die Gemeinden im Landkreis stehen, wollen nun nach den Worten Neubauers die Rechtslage prüfen und ausloten, was machbar ist, um mit dem Projekt voranzukommen. "Wir lassen gegenwärtig prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten wir haben", betont Neubauer.

Zuversicht

Er ist zuversichtlich, dass das Projekt allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich weitergeführt und abgeschlossen werden kann. Neubauer: "Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung des Landratsamtes (die Genehmigung der zehn Windräder, d. Red.) rechtmäßig zustande gekommen ist, so dass wir am Ende Recht bekommen werden."

Die Bürgerwindpark Sailershäuser Wald GmbH und Co. KG hat zudem am Montag per Eilantrag Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt. Ziel ist es, den Baustopp aufzuheben. "Wir gehen davon aus, dass der Verwaltungsgerichtshof in München in unserem Sinne entscheidet und zügig den Weiterbau der Windkraftanlagen erlaubt", sagt Norbert Zösch, Geschäftsführer der am Bürgerwindpark Sailershäuser Wald beteiligten städtischen Betriebe Haßfurt. "Wir sehen uns im Recht, schließlich haben wir in umfangreichen Gutachten nachgewiesen, dass alle gesetzlichen Kriterien zum Schutz der Anwohner und der Natur eindeutig eingehalten werden, und haben deshalb die Genehmigung der Behörde erhalten."

Für die Kläger, Privatleute aus Riedbach, und die Bürgerinitiative gegen das Windkraftprojekt im Wald ist der Würzburger Beschluss ein Erfolg. Die Gegner kritisieren die Natur-, Umwelt- und die Landschaftszerstörung durch die zehn Anlagen.


Die Energiewende im Landkreis Haßberge