Der Bauherr verließ sich auf das bayerische Handschlagrecht, doch der Handwerker suchte das Weite: Eineinhalb Jahre nachdem er einen Bauherren in Haßfurt in Stich gelassen hatte, musste sich ein 29-jähriger Bauhandwerker, der mittlerweile in der Schweiz lebt, vor dem Amtsgericht in Haßfurt wegen Betrugs verantworten.

Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Vor dem Zivilgericht hat der Bauherr aber bereits eine Versäumniszahlung von 2935 Euro rechtskräftig eingeklagt. Ob er das Geld von dem Beschuldigten, der mit seiner Firma mittlerweile Insolvenz angemeldet hat, jemals bekommt, bleibt fraglich.

Ein viel versprechender Anfang

Ende 2011 suchte der Haßfurter Bauherr händeringend nach einem Handwerker. Gerne hätte er einen Handwerker aus dem Landkreis beauftragt. "Aber es war keiner beizukriegen", erzählte der 48-Jährige dem Richter Roland Wiltschka. Darum habe er über eine geprüfte Internetplattform nach einem Handwerker gesucht - und wurde fündig. "Der Mann hat auf mich einen vernünftigen Eindruck gemacht", sagte der 48-Jährige. Also vergab er den Auftrag an den 29-Jährigen, der erst in Roth am See, später in Schwäbisch Hall und schließlich in der Schweiz lebte.

Etwa zwei Wochen hatte der Handwerker Zeit, zwei Bäder und die Küche zu fliesen. "Aber ich bin ständig von anderen Bauarbeiten gestoppt worden", sagte der Angeklagte. Bereits nach zwei Tagen habe es die erste Arbeitsunterbrechung gegeben, es seien zwei weitere gefolgt. Die Zwangspausen nutzte der 29-Jährige, um nach Schwäbisch Hall zu fahren. Dadurch seien ihm, so versicherte er dem Richter, neben dem bereits im Voraus bezahlten Hotelzimmer weitere Kosten entstanden.

Weil er so kurzfristig keine anderen Aufträge annehmen konnte, bat er den Bauherren am 20. Dezember um einen Vorschuss von 2000 Euro. "Ich habe mir dabei nichts gedacht", sagte der 48-Jährige vor Gericht. Mit den anderen Handwerkern habe er es genauso gehalten. "Bei uns in Bayern gilt das Handschlagrecht, da braucht man keinen Vertrag", ergänzte er.

In dem Fall kam ihn sein Vertrauen teuer zu stehen. Der Handwerker verließ die Baustelle auf Nimmerwiedersehen. Der Bauherr blieb auf der halb gefliesten Baustelle zurück. Teilweise musste er schief gelegte Fliesen wieder herausreißen.

"Wenn Sie mit ihm gesprochen hätten, hätte er sich nicht mal aufgeregt", hielt der Richter dem Angeklagten vor. Auch dem Bauherren unterstellte er eine mangelnde Absprache. Letztlich konnte das Gericht nicht klären, ob es sich bei den 2000 Euro um einen Vorschuss oder um eine Abschlagszahlung handelte.