Menschen und Tiere im Paradies. Auf einem Gemälde von Peter Wenzel (1745-1929) ist abgebildet, wie Mensch und Tier friedlich im Paradies miteinander leben. Gibt es solch paradiesische Zustände auch in der Marktgemeinde Maroldsweisach? Das kann man bejahen, wenn man die Geschichte von Wolfgang und Barbara Jung, die "Am Heiligenberg" in Maroldsweisach zusammen mit ihrem Hund "Scharu" wohnen, hört.

Verräterische Spuren

"Wir kamen vor etwa drei Jahren vom Urlaub zurück und da war in unserem Garten einiges an Salaten und Sträuchern abgefressen", sagt Barbara Jung. Der oder die "Übeltäter" waren an verräterischen Spuren im Gartenboden schnell ausgemacht. "In unserer Abwesenheit hatten wir wohl Besuch von Rehen", sagt Wolfgang Jung. Das Haus und der naturbelassene Garten der Jungs, wo sich ein kleiner Gartenteich befindet, sind nicht eingezäunt, sondern nur von hohen Sträuchern und Büschen umgeben. Das passt nicht so zu dem eigentlichen Wort "Paradies", was ursprünglich "umzäunter Raum" bedeutete.

Für Barbara und Wolfgang Jung jedoch ist ihr Garten ihr Paradies. Das Grundstück befindet sich etwa 200 bis 250 Meter vom Wald entfernt. "Wir lieben Natur pur", sagt Barbara, die auch zweite Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Maroldsweisach ist und ihr Mann Wolfgang nickt zustimmend. Dass ihr Gemüse teilweise gefressen war, hat die beiden Naturmenschen nicht gestört, ja sie haben sich sogar gefreut, als sie den Übeltäter, ein junges Reh, vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal in ihrem Garten entdeckten. "Das war ein unglaublich schönes Erlebnis", sagt Barbara.

Lammfrommer Hund

Ihr Hund "Scharu", den man auf den ersten Blick ansieht, dass er lammfromm, ja sogar etwas ängstlich ist, hat das Reh neugierig beäugt und in keiner Weise Anstalten gemacht, dass ihm der Rehbesuch in "seinem Reich" ungelegen kam. ",Scharu' ist ein Straßenhund, den wir aus einem Spanienurlaub vor einigen Jahren mitgebracht haben", erzählt Wolfgang Jung. Natürlich wurden bei dem Besuch des Rehs Foto und Handy gezückt. Das Ereignis wollte man festhalten, wäre auch sonst ja fast nicht zu glauben.

Das junge Reh, Barbara und Wolfgang nennen es "Bambi", kam öfters zu Besuch und wohl auch ein älteres Tier. ",Bambi' passt für alle Rehe", lacht Barbara. "Bambi" besucht die Familie Jung nicht jeden Tag, aber es war schon einige Male da. Meistens kommt "Bambi" in den Nachmittagsstunden.

"Einmal saßen wir auf unserer Terrasse beim Frühstück, als es zwischen den Sträuchern hervorlugte", sagt Barbara Jung und strahlt. Als der Vierbeiner dann langsam zum Gartenteich ging um dort genüsslich Wasser zu trinken, war das ein wunderbarer Anblick bei dem das Ehepaar fast ihr eigenes Frühstück vergessen hatten. "Auch Scharu hat das aus einiger Entfernung beobachtet und sich dann ganz vorsichtig, so als wollte er es nicht erschrecken, dem Reh genähert. Er hat sich etwa drei bis fünf Meter entfernt ins Gras gelegt und den doch ungewöhnlichen Gast neugierig beäugt.

Kein Bock

Ob es sich bei dem Tier um ein Kitz, eine Rehgeiß oder Schmaltier handelt, wie man in der Jägersprache sagt, ist dem Ehepaar Jung egal. "Ein Bock ist es jedenfalls nicht, da fehlt das Gehörn", grinst Wolfgang.

Als der ungewöhnliche Besuch erstmals kam, sorgte er schon für Erstaunen und Überraschung. Nun ist es für das Ehepaar Jung schon ganz normal, wenn "Bambi" auftaucht. Warten würde man auf das Tier nicht, das wäre zu "stressig" immer daran zu denken. Aber die Freude ist jedes Mal groß, wenn es sich durch die Büsche auf das Grundstück der Jungs begibt.

Innerhalb der vergangenen zwei Jahre wurde das Reh etwa fünf Mal im Garten gesehen. "Aber Spuren zeigen uns, dass es manchmal auch in den Nachstunden kommt. Rehe gehören zu den scheuen Waldbewohnern. Umso erstaunlicher ist es, dass sich "Bambi" bei den Jungs in Garten zeigt. Meistens bekommt man Rehe nur in der Dämmerung zu Gesicht.

Und selbst dann muss man ganz leise und vorsichtig sein, wenn man sie beobachten will. Sie sehen zwar nicht sehr gut, hören und riechen dafür aber umso besser. Für Barbara steht fest: "Die Natur ist eigentlich noch in Ordnung und es sei toll, wenn Wildtiere ganz einfach in das Reich der Menschen kommen können, ohne Angst haben zu müssen, vor die Flinte eines Jägers zu kommen.

Ein passionierter Jäger, Dieter Bayersdorfer aus Ebern, der in Maroldsweisach zur Jagd geht, hörte von dem seltenen Besuch bei der Familie Jung, freute sich darüber.

Obwohl es romantisch klingt, so harmonisch und friedlich mit zutraulichen Tieren zusammenzuleben, hat es auch seine Schattenseiten. Angst ist schließlich auch Teil des Überlebensinstinktes - und die Welt der Menschen ist eine Welt, in der für wilde Tiere viele Gefahren lauern. Barbara und Wolfgang Jung jedenfalls hoffen dass "Bambi" ihnen auch weiterhin von Zeit zu Zeit einen Besuch abstattet.