Wer an Depressionen leidet, wird nicht direkt als Kranker wahrgenommen. "Obwohl oder gerade weil eine Depression kaum sichtbar für Außenstehende ist, stellt sie eine ernstzunehmende aber auch behandelbare Krankheit dar", sagt Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Eine Vernissage - eine "Mut-Tour" - in der Haßberg-Klinik soll über die Erkrankung aufklären und Hilfe vermitteln.

Die Ausstellung ist ein Baustein der Kampagne des bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, die unter dem Motto "Bitte stör' mich - aktiv gegen Depressionen" steht. Zu der Eröffnung kamen auch Bürger, die selbst betroffen sind.
"Die Erkrankung ist leider häufig immer noch ein Tabuthema, obwohl bei rund einem Drittel der Erwachsenen in Deutschland im Laufe eines Jahres psychische Störung festgestellt wurden. Dies zumindest ergab eine Studie des Robert-Koch-Instituts", sagte Schneider. Auf Bayern bezogen bedeute dies, dass rund 4,2 Millionen Menschen von Depressionen, Angst- oder alkoholbedingten Störungen betroffen seien. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gehören 2020 depressive Störungen zu den weltweit häufigsten Krankheiten.


Mitten im Leben dabei

Berühmte Personen, die unter dieser Krankheit gelitten haben, waren zum Beispiel Wolfgang von Goethe, Pablo Picasso, Lady Diana, Robert Enke und Siegmund Freund. Man habe bewusst die Haßberg-Kliniken als Ausstellungsort gewählt, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Die "Mut-Tour" mit dem Titel "Deutschland, eine Reise" zeige hier anschaulich, welche Möglichkeiten sich beispielsweise über gemeinsame sportliche Aktivitäten mit Betroffenen ergeben.

Die Fotos machen deutlich, dass Menschen mit Depressionen nicht nur dunkle Momente erleben, sondern auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Im Landkreis gebe es zum Glück bereits ein dichtes Netz an Hilfen, die Betroffene und Angehörige dabei unterstützen, ihren Alltag zu meistern. Dazu gehören Selbsthilfegruppen oder der Sozialpsychiatrische Dienst des Caritasverbandes Haßberge.
Die "Mut-Tour" ist Deutschlands erstes Aktionsprogramm auf Rädern, das seit 2012 durch Deutschland rollt und einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Krankheit leistet. Depressionserfahrene und Unerfahrene radelten in Etappen und mit Zeltbetrieb durch Deutschland. Die Grundidee ist, mit Betroffenen und Nicht-Betroffenen gemeinsam Sport, Struktur und Natur zu erleben und täglich Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. So werde das schwere Thema leicht verpackt.

Im vergangenen Jahr machte die Tour auch in Haßfurt Halt. Herbert Ritter aus Erlangen war einer der Teilnehmer, der Haßfurt als einen der urigsten Plätze auf der Tour von Bremen über Mainz nach Haßfurt bezeichnete. Die Radler haben damals auf dem Flugplatzgelände die Zelte aufgeschlagen. "Mit 60 Jahren im Zelt unter einem Sternenhimmel zu übernachten, ist Natur pur. Ich war am Ende völlig begeistert."


Arbeitgeber sind gefordert

Ritter geht offen mit seiner Krankheit um: "Schließlich bin ich sogar als Ingenieur tätig, aber mein Chef weiß Bescheid und findet alles okay. Mit einer Depression kann man nämlich auch arbeiten." Dies ist eine Botschaft an Arbeitgeber. Nicht selten würden Erkrankte entlassen werden. Das werde der Krankheit nicht gerecht.
Monika Strätz-Stopfer, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe am Landratsamt, wies darauf hin, dass es im Landkreis vier Selbsthilfegruppen gibt. Tina Lenhart, Geschäftsstellenleiterin der "Gesundheitsregion plus", erläuterte die Ausstellung, die in den Gängen zwischen der Patientenaufnahme und der Bereitschaftspraxis bis 1. Mai zu sehen sind. Die Künstler Alexander Müller und Peter Schmitt spielten schließlich noch "Lieder für die Seele". Gitarrist Alexander Müller verschwieg nicht, dass er seit 19 Jahren von der Krankheit betroffen ist und seit zehn Jahren nicht mehr arbeitet. Über eine Selbsthilfegruppe mit Musik habe er viel für sich selbst erreicht, aber auch für andere. Auch wenn die Krankheit nicht weg sei, habe sich die Psyche zusehends erholt.