Spontan ist am Montagmorgen ein Tui-Flug von Frankfurt nach Ägypten über den Alpen umgekehrt. Grund dafür war kein technischer Defekt, sondern die Ausbreitung des Coronavirus: Das Auswärtige Amt rät von allen nicht notwendigen Auslandsreisen ab. Wie eine Sprecherin des großen Touristikkonzerns Tui mitteilte, hat Tui Deutschland deshalb entschieden, "das weltweite Reiseprogramm bis einschließlich 27. März auszusetzen". Davon sind Pauschalreisen, Kreuzfahrten und der Hotelbetrieb betroffen. Tui ist dabei nur ein Beispiel von vielen.

Chaos in der Reisebranche

Nicht nur die Branchen-Riesen, sondern auch kleine Betriebe werden von der Pandemie hart getroffen, wie Bernd Ebert vom Eberner Reisebüro mitteilt: "Es herrscht Chaos. Keiner weiß, wo vorn und hinten ist. Zum Beispiel wurden kurzfristig am Wochenende die Grenzen zu Madeira für sieben Tage zugemacht und ich hatte ein paar Personen, die am nächsten Tag dahin fliegen sollten. Da muss man auch erstmal versuchen, jemanden zu erreichen", sagt der Reisebüroleiter. Die Veranstalter würden die Telefone stumm stellen und nur auf schriftliche Anfragen per Mail reagieren. Mit dem Osterurlaub sehe es düster aus.

Generell gilt: Wer eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gebucht hat, bekommt seine Kosten erstattet, sofern die Reise vom Veranstalter abgesagt wird oder wenn eine amtliche Reisewarnung für den Urlaubsort ausgesprochen wird.

"Sobald eine Einreisesperre ausgewiesen ist, bekomme ich Bescheid", erklärt Anette Kneuer, Inhaberin der "Urlaubsinsel" in Knetzgau. Bei ihr im Reisebüro sei es momentan "noch recht ruhig", aber es gab schon einige Nachfragen zu Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten. Momentan gebe es noch kostenfreie Lösungen. "Was aber nach Ostern ist, wissen die Veranstalter auch noch nicht", erklärt Kneuer.

"Jeden Tag kommen neue und neue Probleme", sagt Ebert. "Manche Kunden haben so große Angst, dass sie einfach stornieren, egal wie viel es kostet." Er versteht diese Sorgen: "Momentan weiß man nicht, was kommt; ob man sich den Virus am Flughafen einfängt, wo viele Leute aus verschiedenen Gegenden beieinander sind, ob man sich im Flugzeug infiziert oder ob man dann nach dem Flug überhaupt ins Urlaubsland einreisen darf."

Bangen um die Existenz

"Gerade heißt es nur stornieren und stornieren, was bedeutet: kein Geld verdienen", sagt Ebert. Das geht an die Existenz. Die versprochenen Kreditprogramme der Bundesregierung helfen gerade kleinen, lokalen Unternehmern kaum, ist sich der Reisebüroleiter sicher.

Auch Kneuer muss da schlucken: "Ich glaube, die Pfingstferien werden noch schlimmer betroffen sein, weil da mehr verreisen als an Ostern."

Auch sie macht sich Sorgen, wie es mit ihrem Reisebüro weitergeht, wenn sich die Lage nicht bessert. Doch Kneuer bleibt optimistisch: "Es heißt jetzt für alle abwarten. Das sage ich auch zu meinen Kunden. Es könnte ja sein, und das hoffen wir alle, dass es sich in drei Wochen normalisiert hat." Und man muss auch hoffen, so Ebert, dass sich die Branche rasch erholen kann.