Die ältesten Leichenfunde im Stadtgebiet datieren ins Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung: Um 1200. Die Skelette wurden im vergangenen Jahr von Peter Müller bei kleineren Arbeiten auf seinem Gartengrundstück nahe dem Brunnenhaus östlich der Bahnlinie unten am Schwimmbadberg entdeckt. Dort befand sich einer von Eberns Galgenhügeln, wie Kreisheimatpfleger Günter Lipp bei einem VHS-Vortrag am Donnerstagabend enthüllte. "Der war von der Via regia aus für jedermann erkennbar, wenn er von der Hetschingsmühle her nahte und diente auch der Abschreckung."

Einen zweiten Galgenhügel ortet Lipp im Bereich des jetzigen Dorschengarten. Dem Rabenhügel am Zentweg, wo Verurteilte auch gerädert oder enthauptet wurden.

Wie Dr. Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof zum Fund auf im Müllerschen Garten im Flurstück Galgenleite auf Anfrage erklärte, habe die Rettungsgrabung ergeben, dass dort zwei jüngere Männer bestattet worden waren. Und dies im Zeitraum zwischen 1167 und 1258, wie eine naturwissenschaftliche Untersuchung in einem Institut in Mannheim ergeben habe. "Weil kaum Grabbeigaben gefunden wurden, war das Datieren der Skelettreste schwierig, weshalb wir dieses komplexe und komplizierte Verfahren wählten."

Das Einschalten des Landesamtes durch den Grundbesitzer bezeichnet Dr. Büttner als "vorbildlich", wobei Müller vorher schon einige Instanzen bemühte hatte, wie Lipp bei seinem Vortrag verriet: Knochenteile landeten beim Hausarzt, bei der Polizei, in der Stadtverwaltung, wieder bei der Polizei, dann bei der Kripo, danach im Landratsamt und letztlich im Landesamt in Schloss Seehof.


Woher kommt das Schlitzohr?

Das Interesse am Lipp-Vortrag war groß. Fast 50 Zuhörer waren gekommen. "Sie sind sicher gespannt, was die Eberner so alles auf dem Kerbholz hatten", stieg der Kreisheimatpfleger ins Thema ein, wobei er nur wenig Details verriet und sich mehr auf die Form der Gerichtsbarkeit im Verlauf der Jahrhunderte konzentrierte.

Auch wenn so mancher Übeltäter der Neuzeit hinter Gittern das anders einschätzen mag: Den Frevlern früherer Zeiten erging es viel schlimmer. Hiebe am Pranger waren noch eine milde Form der Bestrafung.

Und so manches Schlitzohr zeugte im wahrsten Sinn des Wortes auf Lebzeiten von einer Verfehlung. Ebenso wie eine gespaltene Zunge. "Solche Verstümmelung gab's für Meineid oder Diebstahl", wusste Lipp.

Freiheitsstrafen im Kerker waren auch kein Pläsier, da die Insassen Kälte und Ungeziefern ausgesetzt waren und hungern mussten. Da war eine Arbeitsstrafe im Zuchthaus fast schon eine Gnade.

Selbst bei der Todesstrafen gab's laut Lipp Abstufung. "Wenn es ein Scharfrichter gut mit dem Verurteilten meinte, hängte er ihm vor dem Verbrennen ein Säckchen (mit Pulver) um, damit es schneller ging." Oder: "Enthaupten war eine ehrliche Todesstrafe, Aufhängen eine unehrliche."

Die Gehängten blieben so lange am Galgen, bis sie von selbst abgefallen sind. "Das diente der Abschreckung." In einem Fall habe das sechs Jahre gedauert, hat Lipp, der sich oft auf Aufzeichnungen aus der Grebschen Chronik stützte, herausgefunden.

Für die Eberner Galgen sei das Holz stets von Müllern aus Ebern geschlagen worden. Der Stamm wurde von Bauern aus Unterpreppach herangetragen. Die Nägel hätten nur der Keller, eine Art mittelalterlicher Verwaltungsbeamter, und der Zentgraf einschlagen dürfen.

Mit lokalen Bezügen wartete Lipp, der sein Referat mit der bambergischen Halsgerichtsordnung von 1508 als Bild begann, ohne darauf näher einzugehen, auch auf. So mit einem Bild von der Richtstätte des Altensteiner Hochgerichts, wo 1775 noch ein Dieb hingerichtet wurde.

Oder mit einem Überblick über die bischöflichen Zentgerichte in der Region anno 1221: In Ebern, Medlitz, Baunach und Kottenbrunn, zu deren Besetzung stets zwölf Schöffen aus jeweils unterschiedlichen Dörfern gezählt haben.


Viele Gefängnisse

Die Tatbestände listete Lipp auch sorgsam auf, wobei schon Müßiggang aller Laster Anfang war: Üble Nachrede, Beleidigung, Schlägerei bis zum Totschlag, Diebstahl, Versetzen von Grenzsteinen, Unzucht, Ehebruch, Blutschande, Wilderei, falsche Maße, Münzfälscherei, Hochstapelei. Aufruf zum Landfriedensbruch und Ketzerei. Halt Verfahren gegen die Obrigkeit, Kirche und Gesetze.

Laut Mürsbacher Chronik gab es um 1610 in Ebern, so, hat Lipp herausgelesen, als "hartes Gefängnis", den Diebsturm, gegeben, wo Missetäter bis zu ihrer Verurteilung festgehalten wurden. Bei Greb fand er noch 1870 Urteile über die "peinliche Gerichtsbarkeit". Aus 1882 taucht ein Überschreiten der Sperrstunde auf, wofür der Nachtschwärmer im Gänseturm landete. Einen weiteren Kerker, das Narrenhaus, gab es im Rathaus unter der Treppe .


Ganz moderner "Knast"

Ein "hochmodernes Gefängnis " ließ Ferdinand von Toskana vor über 200 Jahren im späteren Gesundheitsamt (jetzt: Gaststätte "Zum Freigang") einrichten, dazu gab es neben dem Grauturm die "Bütteley" und ein Verlies in der Polizeiwache neben der Stadtpfarrkirche (jetzt: Stadtbücherei).

Die peinliche bzw. als nächste Stufe die hochnotpeinliche Befragung der Beschuldigten fand unter der Anwendung von Folterwerkzeugen vor dem Zentgrafen, elf Schöffen, zwei Bürgermeistern und einem Gerichtsschreiber im ersten Stock des historischen Rathauses statt, wo auch jetzt so mancher Ratsherr noch Torturen erleiden muss. Die Folterwerkzeuge waren damals auch dort oben gelagert.


Scharfrichter kam aus Königberg

Über konkrete "Kriminalfälle" haben sowohl Greb wie auch Lipp wenig herausgefunden, da es kaum Urkunden darüber gebe, warum einer vom Leben zum Tode befördert wurde. Lipp kennt Aufzeichnungen aus Hafenpreppach, wo der Pfarrer bei Enthauptungen drei Raben ins Matrikel eingezeichnet hat.

Aus Ebern ist eine Verbrennung aus 1456 bekannt, da der Verurteilte das Tabernakel aufgebrochen hatte. Weitere überlieferte Todesurteile betrafen das Aussetzen eines Neugeborenen (1572 ertränkt), Diebstahl (1573 aufgehängt). Weitere Delikte: Siebener im Rausch mit Besen erstochen (1725), Kind im Brunnen gefunden (1727), Monstranz aus der Kirche von Kirchlauter gestohlen.

Einen eigenen Scharfrichter wollten oder konnten sich die Eberner laut Lipp nie leisten. "Der wurde aus Königsberg ausgeliehen." Vielleicht waren sie so artig, dass sich ein eigener nicht lohnte oder ihm ein Broterwerb nicht sicher schien.