Dass er am 1. Juni dieses Jahres nach mäßigem Alkoholkonsum ein anderes Auto "angetatzt" und rund 1000 Euro Schaden verursacht hat, stellte der 26-jährige Angeklagte in keiner Weise in Abrede. Dass er dafür eine Strafe erhalten soll, auch dagegen hatte der Mann keine grundsätzlichen Einwände. Nur, dass ihm die Behörden die Fahrerlaubnis gleich für 14 Monate sperren lassen wollten, das erschien dem Autofahrer doch sehr dick aufgetragen. Deshalb legte er gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft wegen Straßenverkehrsgefährdung Einspruch ein, was zu der jüngsten Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt führte.

Das kleine Malheur passierte an dem besagten Tag in der Kreisstadt abends um 19.45 Uhr. Der Fahrer des VW Passat war zum Parkplatz des Krankenhauses in der Hofheimer Straße gefahren, um einen Bekannten zu besuchen. Beim rückwärtigen Ausparken kam es zu dem Missgeschick, weil er mit seiner Anhängerkupplung an einem VW Golf hängen blieb.
Die Blutprobe wurde erst zwei Stunden später entnommen und enthielt 0,66 Promille. Da der 26-Jährige in dieser Zeit einen "Nachtrunk" in Form von zwei Gläsern Bier genossen hatte, errechneten die Mediziner für den Tatzeitpunkt einen geringeren Wert von 0,33 Promille. Solange nichts passiert, ist dieser Wert für erwachsene Autofahrer unproblematisch.

Erst am 27. Oktober dieses Jahres erreichte ihn das Schreiben der Staatsanwaltschaft, das neben der Sperre für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen á 20 Euro vorsah. Aus den oben genannten Gründen erhob er dagegen Einspruch, gab aber seinen Führerschein am 16. November bei der Polizei ab.


Probleme im Beruf befürchtet

Wie er nun vor Gericht erläuterte, ist er beruflich dringend auf seinen "Lappen" angewiesen. Jetzt im Winter wurde er zwar für die kalte Jahreszeit ausgestellt, aber er kann in seiner Firma wieder einsteigen, sobald es wärmer wird. Wenn er das ganze Jahr 2017 über kein Auto fahren dürfe, erklärte der Mann, müsse er damit rechnen, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, und hätte voraussichtlich große Probleme, woanders beruflich wieder Fuß zu fassen.

Sowohl Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft als auch die Richterin Ilona Conver äußerten Verständnis für diese Sorge des Angeklagten. Bei dieser Gelegenheit verdeutlichte der Ankläger den großen Unterschied zwischen einem "Fahrverbot" und der "Entziehung beziehungsweise Sperre der Fahrerlaubnis". Während man bei ersterem quasi automatisch nach einer bestimmten Zeit seinen Führerschein wieder kriegt, muss man bei der Führerscheinsperre nach Ablauf einer Sperrfrist bei der Kfz-Zulassungsstelle die Fahrerlaubnis wieder neu beantragen. Das ist häufig nicht nur mit weiteren Kosten verbunden, sondern in vielen Fällen besteht die Zulassungsstelle auf einer Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU). Diese MPU wird landläufig oft als Idiotentest bezeichnet.


Höhere Geldstrafe

Im vorliegenden Fall nun erhöhte die Strafrichterin die Geldstrafe zwar von 70 auf 80 Tagessätze; also statt 1400 muss der Beschuldigte nun 1600 Euro bezahlen. Quasi im Gegenzug dafür wurde die Auto-Abstinenz gewaltig reduziert: Anstatt nach über einem Jahr einen neuen Antrag stellen zu müssen, kann der Angeklagte seinen Führerschein am 15. Februar 2017 im Amtsgericht Haßfurt abholen. Da dieses Urteil alle Prozessbeteiligten zufrieden stellte, wurde es unverzüglich rechtskräftig.