Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ist zuversichtlich, dass der Kreis Haßberge auch diese "große Herausforderung" meistert. Kommende Woche werden bis zu 200 Flüchtlinge, die meisten vermutlich aus dem Bürgerkriegsland Syrien, erwartet. Sie werden zunächst in den beiden Turnhallen West und Ost im Dürerweg in Haßfurt untergebracht, dann auf die vier weiteren Notfall-Unterkünfte in Sand (Turnhalle, 20 Plätze), Gleisenau (Schloss, 40 Plätze), Wonfurt (Feuerwehr, 20 Plätze) und Breitbrunn (Schulturnhalle, 30 Plätze) verteilt.

Das soll eine einmalige Aktion sein. Ob es genau die 200 Flüchtlinge sein werden, ist nicht bekannt. Es können auch weniger sein. "Wir müssen aber mit 200 rechnen", sagte Landrat Schneider am Freitag bei der Pressekonferenz in Haßfurt im Landratsamt. Er und seine Mitarbeiter Horst Hofmann (Leiter der Hauptverwaltung im Amt), Moni Göhr (Sprecherin der Behörde) und Carolin Mehringer-Räth (Abteilungsleiterin für Soziales im Landratsamt) informierten über den Notfallplan.


Zustrom hält an

Ausgelöst hat ihn die Regierung von Unterfranken. Die Behörde in Würzburg hat vor einigen Tagen den Notfallplan für die Unterbringung von Flüchtlingen für den Landkreis Haßberge und andere Kommunen in Unterfranken aktiviert. Der ungebremste Zustrom an Asylbewerbern macht es nötig.

Bei einer Notunterkunft handelt es sich um eine vorübergehende Unterbringung (wenige Tage bis sechs Wochen) von neu angekommenen Asylbewerbern bis zur Verteilung an die zuständige Kommune. Das heißt, die Asylbewerber werden in der Regel nicht im Landkreis Haßberge bleiben, sondern entsprechend den Quoten der Bundesländer auf anderen Orte in Deutschland verteilt. Übrigens: Genau nach dieser Regelung erhält der Kreis Haßberge wöchentlich 18 neue Asylbewerber zugeteilt.

Erste Durchgangsstation für die Asylbewerber, die am Dienstag mit dem Bus ankommen, sind die Sporthallen West und Ost am Dürerweg in Haßfurt. Die Sporthalle Ost wurde kurzfristig in den Notfallplan mit aufgenommen, um zusätzliche Kapazitäten zu nutzen - bis Schulbeginn können in Haßfurt insgesamt 120 Personen untergebracht werden. Für die Vereinsnutzung sind die Turnhallen zunächst auf alle Fälle bis Mitte September gesperrt.

Dort werden die Flüchtlinge medizinisch untersucht. Sie erhalten da Informationen, Leistungssachverhalte werden geklärt und der besondere Betreuungsbedarf bei einzelnen wird ermittelt (zum Beispiel Hochschwangere, Behinderte, Kranke, Traumatisierte). Hier werden die Flüchtlinge auch versorgt. Das Essen kommt aus der Küche der Haßfurter Klinik.

Nach Abschluss der ärztlichen Untersuchung werden die Asylbewerber auf die umliegenden Gemeinden mit den kleineren Notunterkünften verteilt. In Sand, Wonfurt, Gleisenau und Breitbrunn sollen sich die Flüchtlinge selbst versorgen. Die Gemeinden kümmern sich um die notwendige Sachausstattung (Küche, Töpfe, Geschirr, Besteck) und richten die Räumlichkeiten mit dem nötigen Mobiliar (Stühle, Tische) ein. In den dezentralen Notunterkünften ist auch geplant, eine Waschmaschine aufzustellen, damit die Asylbewerber selbst ihre Wäsche reinigen können.

Nach Auskunft der Verantwortlichen im Landratsamt sind mehrere hundert Helfer eingespannt, um die Notfall-Unterbringung geordnet und sicher über die Bühne zu bringen. Im Landratsamt Haßberge sind derzeit rund 40 Mitarbeiter in irgendeiner Weise mit der Betreuung der Asylbewerber befasst.

Bei der Notfall-Unterbringung wirken ferner das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die Caritas und die Haßberg-Kliniken mit. Und in den Orten stehen zahlreiche Helfer in Asyl-Freundeskreisen bereit, um Unterstützung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu leisten. "Ohne die Erfahrung und die Tatkraft der ehrenamtlichen Helfer aus den beteiligten Organisationen könnten wir diese Aufgabe nicht stemmen", erklärte Landrat Wilhelm Schneider. "Wir sehen das als Gemeinschaftsaufgabe." Wer vor Ort helfen will, solle sich an die jeweiligen Ansprechpartner wenden. Die wüssten, wo und wie geholfen werden kann und was gebraucht wird. Die Hilfe vor Ort müsse koordiniert werden, "damit keine chaotischen Verhältnisse entstehen".

Der Landrat dankte bei der Pressekonferenz am Freitag ausdrücklich den vielen Ehrenamtlichen, die sich in den Dienst der guten Sache stellen. Er bescheinigte den Helfern eine große Motivation. "Bisher läuft's sehr gut im Landkreis", fasste er zusammen. Der Landkreis komme mit der Situation zurecht. "Sehr geordnet" laufe alles ab.


Wenn der Druck bleibt...

Bedenken allerdings hat Wilhelm Schneider, wenn der Zustrom über Jahre so anhält und der Druck nicht abnimmt. Dann könne es "irgendwann mal problematisch werden", befürchtet der Haßberge-Landrat.


Sand bereitet sich auf die Ankunft von 20 Flüchtlingen vor


Die Gemeinde Sand ist eine von fünf Kommunen im Landkreis, die im Zuge des Notfallplans der Regierung von Unterfranken in der nächsten Woche Flüchtlinge aufnimmt.

Sand hat auf die Aktivierung des Notfallplans reagiert und trifft Vorbereitungen für die Aufnahme von 20 Asylbewerbern. Sand ist neben Haßfurt, Wonfurt, Breitbrunn und Ebelsbach als Notfallunterkunft vorgesehen. Die Asylbewerber sollen von diesen Unterkünften so schnell wie möglich auf kleinere Wohneinheiten aufgeteilt werden. Es wird mit einer Verweildauer von maximal sechs Wochen gerechnet.


In zwei Gruppenräumen

Sand erwartet 20 Asylbewerber, wie die Gemeinde mitteilte. Sie werden in zwei Gruppenräumen zu je zehn Personen im Untergeschoss der Turnhalle untergebracht. Im Untergeschoss befinden sich auch WC-Anlagen und eine Küche. Für das Blasorchester Sand steht der Probenraum weiter uneingeschränkt zur Verfügung. Die Turnhalle selbst wird nicht benötigt. Der Turnhallenbetrieb kann ungestört weiterlaufen. Benötigt wird nur ein Duschraum. Die für die Grundversorgung notwendigen Räume und Ausstattungsgegenstände sind vorhanden. Sollte weiterer Bedarf bestehen, kann kurzfristig reagiert werden.


Mehrere Ansprechpartner

Für die Betreuung der Flüchtlinge in Sand haben sich Gemeinde, Pfarrei und Sozialbeirat zusammengeschlossen und ein Organisationsteam gegründet. Ansprechpartner sind für die Gemeindeverwaltung Matthias Klauda (Telefon 09524/822221), für die Pfarrei Diakon Bernhard Trunk (Ruf 09524/850105) und für den Sozialbeirat der Gemeinde Sand Waldemar Seuffert (Telefonnummer 09524/3000 410).

Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) bittet die Sander, den Menschen "ohne Vorurteile zu begegnen und sie als Gäste in unserer Dorfgemeinschaft zu empfangen". Es sind die ersten Asylbewerber in der Gemeinde.



630 Plätze im Landkreis Haßberge


Unterkünfte Aktuell stehen im Kreis Haßberge 630 Wohnplätze für eine zentrale und dezentrale Unterbringung zur Verfügung, von denen fast alle belegt sind. Um die zentrale Unterbringung kümmert sich die Regierung von Unterfranken, um die dezentrale Unterbringung der Landkreis. Das Landratsamt Haßberge ist weiterhin ständig dabei, neue Unterkünfte zu akquirieren. Zusätzlich zu den Asylbewerbern, die im Zuge des Notfallplanes vorübergehend im Landkreis Haßberge aufgenommen werden, werden dem Landkreis aktuell pro Woche 18 Asylbewerber zugewiesen, die dezentral untergebracht werden. Außerdem trägt der Landkreis aktuell für 33 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge die Verantwortung, zu denen bis Ende September noch 17 dazu stoßen werden. Sie werden zum Beispiel von der Jugendhilfe St. Josef Eltmann betreut.

Anerkennung Unter den nahezu 630 Asylbewerbern im Landkreis sind Menschen aus vielen Nationen vertreten. Nicht alle können damit rechnen, dass sie als Asylant anerkannt werden. Menschen aus Balkanstaaten haben kaum eine Chance.