Weil er versucht hat, auf seinen Nebenbuhler mit einem Hammer einzuschlagen und ihn unter anderem als "Hurensohn" betitelt hat, hat das Jugendschöffengericht in Haßfurt einen 19-jährigen Arbeitslosen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einem zweiwöchigen Dauerarrest verurteilt.

Die Tat geschah am 1. September vergangenen Jahres. Als der Angeklagte vor seinem Elternhaus in Haßfurt kurz nach Mitternacht eine Zigarette rauchte, spazierte auf der anderen Straßenseite sein Nebenbuhler mit seiner 18-jährigen Freundin vorbei, die er dem Angeklagten zuvor ausgespannt hatte. Der Angeklagte begrüßte seinen Rivalen mit dem Schimpfwort "Hurensohn" und anderen Beleidigungen.

Haßfurt: Mit dem Hammer über die Straße gerannt und Nebenbuhler angegriffen

Der beleidigte 20-Jährige rannte daraufhin über die Straße auf seinen Kontrahenten zu. Es kam zu gegenseitigen Beleidigungen und einer Schlägerei, bei der der Angeklagte plötzlich einen Hammer in der Hand hatte, mit dem er versuchte, den 20-Jährigen zu schlagen. Doch dies gelang ihm nicht. Der 20-Jährige sagte vor Gericht, er sei den Hammerschlägen ausgewichen. Es sei ihm schließlich gelungen, den Angeklagten zu Boden zu bringen und ihn dort festzuhalten, bis ein unbeteiligter Passant dazwischenging und die Schlägerei beendete.

Einfach weiterlaufen und die Beleidigungen ignorieren habe er nicht wollen, da er fürchtete, der Angeklagte würde ihn dann von hinten angreifen. Zudem habe er selbst zur Tatzeit einen Viertelliter Wodka intus gehabt, sagte der Geschädigte vor Gericht. Zum Glück habe ihn der Hammer nicht getroffen. Außer ein paar Schürfwunden habe er keine Verletzungen davongetragen.

Ein Unbekannter ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Fünf Einträge zieren seinen Bundeszentralregisterauszug - allesamt wegen Drogendelikten und unerlaubtem Waffenbesitz. Seine Eltern wanden sich bereits mehrfach an das Jugendamt, weil sie alleine nicht mit ihrem Sohn zurechtkamen.

Konflikte oft körperlich ausgetragen

Nach seinem Mittelschulabschluss vor vier Jahren sei er zunehmend aggressiv geworden, sagte die Jugendgerichtshelferin vor Gericht. Konflikte habe er mit seinem Vater zum Teil auch körperlich ausgetragen. Sein Betäubungsmittelkonsum sei beträchtlich. Seiner Mutter bereite er nach deren Aussage "nur Schwierigkeiten". Sie schaffe es jedoch nicht, ihren Sohn vor die Tür zu setzen. Er würde beleidigen, stehlen und lügen und sei den ganzen Tag lang mit seiner Spielkonsole beschäftigt.

Die Mutter sei am Ende ihrer Nerven. Bereits verbüßte Arbeitsleistungen und Arreste hätten kein Umdenken bewirkt. Die Verzweiflung der Mutter ging bereits so weit, dass sie ihren eigenen Sohn bei der Polizei anzeigte, weil er auf ihren Namen im Internet Waren bestellte und sie eine Rechnung über rund 300 Euro erhielt. Der Sohn war deswegen wegen Computerbetrugs angeklagt. Das Gericht stellte das Verfahren jedoch ein.

Um sein Bild vor Gericht aufzubessern, warf der Angeklagte ein, er habe zuletzt vier Bewerbungen geschrieben, aber drei Absagen erhalten. Derzeit konsumiere er zudem keine Drogen.

Negative Sozialprognose

Der Staatsanwalt stellte fest, dass der Angeklagte "die Sanktionstreppe hinaufgestiegen" sei - von der Arbeitsleistung bis hin zum Arrest. Er forderte eine Jugendstrafe von acht Monaten - ohne Bewährung. Denn eine positive Sozialprognose könne er nicht erkennen.

Verteidiger Alexander Wessel führte an, dass sein Mandant bislang nicht einschlägig vorbestraft ist und nur einmal versucht habe, mit dem Hammer zuzuschlagen. Er hielt daher vier Wochen Dauerarrest für ausreichend, "damit er zum Überlegen kommt." Das Gericht blieb unter den beiden Anträgen. Der Geschädigte habe von sich aus eine körperliche Auseinandersetzung gesucht, sagte Richter Martin Kober in der Urteilsbegründung.

Über die Zukunft des 19-Jährigen machte er sich Sorgen: "Sie haben Ihre Chefposition daheim ausgebaut. Ihre Eltern haben nichts mehr zu sagen. Sie machen, was Sie wollen", schrieb er dem Verurteilten hinter die Ohren.

Beim nächsten Mal drohe eine Jugendstrafe ohne Bewährung. "Lenken Sie Ihr Leben in andere Bahnen", ermahnte der Vorsitzende den Verurteilten, der das Urteil ebenso annahm wie der Staatsanwalt.