Ausgerechnet jetzt, da landesweit Maskenpflicht herrscht, werden Faschingsmasken überflüssig. Eine Narrensaison, wie sie viele Orte im Landkreis Haßberge kennen, wird es wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Ausgelassene Feiern, Alkohol, Stimmung, Nähe und der Spaß daran, auch mal über die Stränge zu schlagen, böten beste Voraussetzungen zur Verbreitung des Virus. So haben die Faschingsveranstalter im Landkreis den Saisonauftakt am 11.11. serienmäßig abgesagt. Wir haben uns in den Faschingshochburgen umgehört.

Haßfurt

"Maskenball" hätte das Motto für die fünfte Jahreszeit heißen sollen, doch die "Elf weisen Hasen" in Haßfurt haben sämtliche Termine storniert. Sandra Lohs lacht, wenn man sie darauf anspricht, dass sie als neugewählte Sitzungspräsidentin ja nun einen Fehlstart hinlegt. Sie erinnert an das Jahr 1991, als der heutige Altbürgermeister Rudi Eck als neuer Sitzungspräsident der "Weisen Hasen" ebenfalls eine geplatzte erste Saison erlebte. Damals war der Golfkrieg schuld. "Ich nehme das als gutes Omen", sagt die Pastoralreferentin, die trotz ihrer Jugend ein alter Hase bei den "Hasen" ist. Die 25-Jährige tritt seit zwölf Jahren auf. Viele Haßfurter kennen sie vom "Mottenkrieg" oder als Chantal.

Die Absage, befindet sie, sei vernünftig. "Die Gesundheit der Akteure und des Publikums muss vorgehen." Aus finanzieller Sicht sei's kein Problem für den Verein, "da gibt es Polster". Sie denkt an die Kindergärten, denen in all den Jahren zuvor die Erlöse zuflossen. Diesmal werden sie leer ausgehen.

Sand/M.

"Alles gestrichen" vermeldet auch Stefan Flachsenberger in Sand, der als Präsident der Narren in die Fußstapfen seines Vaters Günther getreten ist. In die Rolle sei er von Kindesbeinen an hineingewachsen, erklärt er. Flachsenberger steht hinter der Entscheidung der Sander, aus Sicherheitsgründen die komplette Saison abzusagen. Das wird auch den Umzug am Faschingssonntag betreffen, den er zu den größten in ganz Unterfranken zählt. Zwar seien die Sander Faschingsaktiven so hervorragend strukturiert, dass sie zum Organisieren keine lange Vorlaufzeit bräuchten, "aber in diesem Fall steht die Gesundheit im Vordergrund". Flachsenberger findet: "Die Leute sollten jetzt entspannen und dann im Februar vielleicht ihren Fasching im kleinen Rahmen feiern."

Ermershausen

Richtig hoch geht's alle Jahre in der fünften Jahreszeit in Ermershausen beim Faschingsverein "Ermetzia" her. Aber auch dort wird erstmals seit vielen Jahren kein neues Prinzen- und Kinderprinzenpaar proklamiert. "Das wäre doch kurios", findet Ermetzia-Präsident Michael Albert, "ein Prinzenpaar zu küren, das dann gar nicht regieren darf". Aber der 60-Jährige hat bereits seine Kandidaten fürs nächste Mal im Auge. Er verrät seinen Zwei-Stufen-Trick: Kurz vor Saisonende, wenn die Stimmung richtig gut ist und die Leute schon ein bisschen was getrunken haben, fragt er Pärchen, ob sie nicht auch mal in die Prinzenrolle springen wollten. Mitte Oktober sucht er sie dann mit Blumen und einer Flasche Sekt zu Hause auf. "Das klappt fast immer." Diesmal bleibt es beim Stand-by.

So sind Prinzessin Christine I. und Prinz Günter I. ein weiteres Jahr die Regenten, wenn auch "die Amtsgeschäfte ruhen". Ganz vom Tisch sind die Faschingsmeriten dennoch nicht, denn auch übers Jahr begrüßt man sich auf der Straße freundlich mit "Herr Prinz" und "Herr Präsident".

Albert bedauert den Verlust fürs Ortsleben in Ermershausen. Dort sind alle Generationen in den Ermetzia-Fasching eingebunden; der Spaß an der Freude verbindet. "Die Leute sind mit Herzblut dabei", weiß der langjährige Sitzungspräsident. "Und da kullern schon fast die Tränen, wenn heuer nichts draus wird."

Maroldsweisach

Gleich nebenan im Markt Maroldsweisach hat der Gesangsverein Concordia das Sagen in der närrischen Saison. Doch die startet ohne Remmidemmi, ohne den üblichen Rathaussturm und ohne Überfall auf den Bürgermeister. "Höchstens spontan was Virtuelles", also ein kurzes Video, kann sich Heidi Müller-Gärtner zum Auftakt vorstellen. Auf die Eroberung der Gemeindekasse legt die 42-Jährige, die seit vielen Jahren zu den Motoren des Concordia-Faschings zählt, sowieso keinen Wert: "Da ist heuer kaum was drin; die soll der Wolfram Thein mal schön selbst verwalten", scherzt sie. Als zweite Bürgermeisterin muss sie's wissen!

Vor allem für die Auftritte ihrer Garden, daheim im Hartleb-Saal und bei großen Büttensitzungen in der Umgebung, ist die "Concordia " bekannt. Dieses Jahr hatten die Tänzerinnen geübt, das Training aber bei Bekanntwerden des neuen Lockdowns wieder eingestellt. Als Mutter und Betreuerin weiß Heidi Müller-Gärtner, die selbst schon mit 15 Jahren auf der Bühne stand, nur zu gut, wie traurig die Mädels sind, weil sie - trotz eigens ausgearbeiteter Hygienekonzepte - nicht mehr trainieren konnten.

Familie Müller-Gärtner hat ein besonders inniges Verhältnis zum "Marokkaner" Fasching, in dem sich die Eheleute einst kennenlernten und später als Prinzenpaar auftraten. Heute tanzen die Töchter in den Garden und die Große war bereits Prinzessin; die Jüngere stünde für die Thronfolge bereit, "aber Corona lähmt das Vereinsleben".

Rentweinsdorf

Keine Absprachen, kein Motto, aber auch noch keine offizielle Absage. In Rentweinsdorf hat der "Sechserrat" bis zuletzt abgewartet. Doch am Ende will man den Ruf als "Faschingsrebellen, die immer auf die Pauke hauen", nicht um jeden Preis verteidigen. "Es bringt ja nix, Fasching ohne Kontakte funktioniert einfach nicht", sagt Sprecher Oliver Stark. "Über 100 Akteure auf Abstand zu halten, das geht gar nicht und wir stellen uns bestimmt nicht über das Gesetz." Er findet die Absage schade, weil die Rentweinsdorfer Faschingsmannschaft bei Besuchen im Altenheim in Ebern oder in der Tagesbetreuung "Sonnenschein" vielen Leuten Freude bereiten konnte. Er persönlich sei "einfach ein bissle verrückt" und feiere gern. Als damaliger Bühnentechniker sei er "wie die Mutter zum Kind gekommen", als der Sechserrat vor fünf Jahren einen Generationenwechsel erlebte. Inzwischen funktioniere alles richtig gut und er habe sich eigentlich auf den Start in die kurze Faschingssaison gefreut.

Knetzgau

Während im Hause Stark Faschingskrönchen und Umhang weitere Monate in einer Schublade schlummern - Oliver Starks Tochter Lene ist und bleibt amtierende Faschingsprinzessin - will der Carnevals-Verein Knetzgau (KCV) heute trotz der Corona-Pause ein neues Prinzenpaar küren. Dabei hatte Komitee-Sprecher Robert Beetz noch vor wenigen Tagen im FT-Gespräch erklärt, den Carnevalisten im Ort täte eine Verschnaufpause gut, weil der Verein geschrumpft sei und eigentlich nur noch auf dem Papier existiere. Allein die Garden seien sehr rührig und trainierten den gesamten Sommer. Dementsprechend sei der Lockdown eine herbe Enttäuschung für die Trainerinnen und die fünf Tanzgruppen. Im Übrigen aber, so der Sitzungsehrenpräsident, der auch im Pfarrfasching mitmischt, bringe der Ausfall den Verein nicht um. Eher schon sieht der 64-Jährige die Zukunft gefährdet, wenn sich bei der Neuwahl demnächst das Führungsproblem nicht löst. Ihm, Bühnenaktiver seit gut 40 Jahren, sei der Verein stets eine Herzensangelegenheit gewesen. "In den ersten zehn Jahren ist es gut gelaufen, aber dann hat die Kontinuität gefehlt."

Unterschleichach

Ein ähnlich alterfahrener Faschingsredner wie Beetz ist Klaus Arnhold in Unterschleichach, wo Ball und Auftritte zum Faschingsprogramm gehören. Wie üblich hat der 64-Jährige auch diesmal die Geschehnisse im Dorf aufmerksam verfolgt und sich seinen Reim darauf gemacht. Allerdings nur im Kopf, weil sich schon früh abzeichnete, dass sein traditioneller Prolog am 11.11. diesmal ausfallen muss. Sonst sitzt er vier bis fünf Wochen, oftmals bis Mitternacht daran, seine Knetzgauer überspitzt auf die Schippe zu nehmen.

Die Absage heuer findet Arnhold okay, müssen Vereinsvorstände doch haften, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Und unter die Kinderdisco, die er über 25 Jahre lang moderierte, hatte er letztes Jahr bereits einen persönlichen Schlussstrich gezogen.

Ebern

Spannend machte es der Kulturring in Ebern, der noch am Dienstag an einem Kurz-Trailer fürs Internet feilte, um das Faschingsmotto bekanntzumachen. Denn trotz Absage der Bunten Abende und des Faschingszugs will der Elferrat sich den Spaß nicht stehlen lassen. Wenn etwas gestohlen wird, dann nur Stadtkasse und Rathausschlüssel! Das Video gibt es ab 11.11 Uhr auf den Netzwerken Instagram und Facebook zu sehen. Das Motto-Plakat, gemalt von Erich Wolfert, wird gleichzeitig im Gerstenkorn-Schaufenster am Marktplatz enthüllt, verrät Walter Ullrich, der Vorsitzende des Kulturrings. Abgesehen von dem virtuellen Beitrag sind Faschingsspektakel nach seiner Überzeugung mit Corona-Regeln nicht vereinbar. Eigentliche Einnahmequelle ist ohnedies der Faschingszug mit dem Verkauf von Losen und Buttons für den Eintritt. "Das reicht dann immer grad so, um das Defizit vom 11.11. aufzufangen", sagt er. Mindestens 260 zahlende Zuschauer benötige der Kulturring, um die Bunten Abende mit 150 Akteuren nicht zu einem Draufzahlgeschäft werden zu lassen. Wenn dann aber die Maximalzahl an Menschen im Saal begrenzt ist, Hygiene- und Lüftungskonzepte greifen müssen und ein Maskenzwang herrscht, "dann geht's halt einfach nicht mehr", sagt der 59-Jährige.