Von der Medizin an der Oberfläche des Körpers bis zu den neuzeitlichen Methoden mit hervorragenden Blicken in das Innere Organe. So weit reichte der Bogen, den Festredner Dr. Gottfried Hofmann beim Festakt "100 Jahre Krankenhaus Ebern" spannte. Dabei untersuchte er den medizinischen Fortschritt ebenso, wie die Entwicklung des Krankenhauses bis hin zur heutigen modernen Klinik, die ein wenig an den sagenhaften Sisyphus erinnere (siehe Bericht auf der rechten Spalte).

Wohnortnah und zuverlässig


"Seit 100 Jahren bietet das Krankenhaus in Ebern der Bevölkerung eine wohnortnahe, medizinische Versorgung und das Personal gibt sein Bestes für die Menschen", sagte Landrat Rudolf Handwerker (CSU). Ebern sei das Zentrum eines dünn besiedelten Gebietes, was bedeute, dass es ganz wenige Ärzte gab und diese Ärzte auf sich gestellt waren. "Es müssen Menschen gewesen sein, die sich etwas zugetraut haben, die einfach helfen wollten in einem Gebiet, das bis dahin medizinisch unterversorgt war. Lange hatte das Krankenhaus Ebern keine eigenen angestellten Ärzte, sondern die niedergelassenen Ärzte aus der Umgebung haben die Kranken versorgt", erinnerte Handwerker an die Gründerzeit.

Rückhalt für die Hausärzte


Auch heute noch verstehe sich das Krankenhaus als Zentrum einer medizinischen Versorgung im östlichen Landkreis, die ganz wesentlich von den niedergelassenen
Hausärzten geprägt werde. Ihnen wolle das Haus Ebern Rückhalt geben. Der Landrat würdigte die Leistung der Ärzte, Pflegekräfte und Mitarbeiter. Gerade der respektvolle Umgang mit den Menschen sei nicht hoch genug einzuschätzen und verdiene große Anerkennung.
Für die Stadt stellte Zweite Bürgermeisterin Gabi Rögner (CSU) heraus, dass sich in den 100 Jahren in der Klinik in Ebern ständig etwas verändert habe. "Das Haus ist ein unumstößlicher Standortfaktor und von erheblicher Bedeutung für die Lebensqualität der Bevölkerung aus der näheren und weiteren Umgebung. Deshalb darf unsere Klinik nicht zum Spielball von politischen Entscheidungen werden", sagte sie.

zaghafte Anfänge


Gottfried Hofmann, ehemaliger Belegarzt und Internist am Haus Ebern, rückte in seiner Festansprache die medizinische Entwicklung und den Baufortschritt sowie auch das Leistungsspektrum am Eberner Krankenhaus in den Fokus. Dabei ging er auf die lange Anlaufzeit und zögerliche Umsetzung einer Planung ein, weil sich unter anderem auch die Stadt Ebern vor den finanziellen Belastungen fürchtete.
Medizinisch kämpfte man damals beispielsweise noch mit Wundfieber, was auch durch fehlende Hygiene bedingt war. Erfindungen wie Aspirin als erstes Schmerzmittel 1899 sowie das Röntgen im Jahre 1895 mit Sichtbarmachung des Knochenbruchs und vor allem des Magen- und Darmtraktes seien bahnbrechende Fortschritte gewesen.

Vor 100 Jahren wurde das Haus dann eröffnet und 1938 habe der erste Arzt "50 Pfennig pro Patient und Tag erhalten und für Selbstzahler gab es noch einmal 50 Pfennig", berichtete Hofmann: "Damit war alles abgegolten." Sieben Ordensschwestern und sechs weitere Frauen hätten die Krankenpflege durchgeführt.
Hofmann berichtete von ersten Nabelbruch- und Blinddarmoperationen im Jahr 1921. Damals gab es noch keine Infusionen, die Patientin durfte nichts essen und trinken und so kam es auch zur Lähmung der Darmtätigkeit und anderen Komplikationen, was die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus auf heute kaum mehr vorstellbare Zeiten verlängerte.

Epochale Sanierung


Der Mediziner berichtete über mehrere Baumaßnahmen im Lauf der Jahrzehnte, zuletzt samt Erweiterung ab dem Jahre 1989 unter Landrat Handwerker. "Letzteres ist eine wahrhaft epochale und großzügige Generalsanierung gewesen", urteilte der Mediziner, bei der die Fläche um ein Drittel vergrößert, aber die Bettenzahl verringert wurde. "Das Haus ist heute eines der schönsten Akutkrankenhäuser, das ich kenne", betonte Hofmann.
"Hinter solch einem Jahrhundertwerk steckt eine wahre Sisyphusarbeit", meinte Dr. Hofmann. Ob es Bestand hat, werde von der demographischen Entwicklung abhängen, aber auch davon, ob sich der Bürger dort im Bedarfsfall behandeln lasse oder nicht. Er selber habe auch als Patient gute Erfahrungen gemacht.
Viele Informationen rund um den "Gesundheitstag" gab es auch von der Rettungswache Ebern, einem "Gesundheitstruck" und von der Volkshochschule Ebern, die zusammen mit dem Friedrich-Rückert-Gymnasium Workshops und Projekttage durchführt.

Breites Spektrum


Der Landkreis Haßberge ist stolz auf das breite Spektrum des operativen und internistischen Angebotes im Krankenhaus Ebern. Dies wurde beim "Tag der Gesundheit in Ebern" deutlich und auch die vielen interessierten Besucher der Vorträge konnten sich ein Bild von der modernen Medizin und den Leistungen der Ärzte machen. Das Haus ist zwar klein, aber medizinisch auf der Höhe der Zeit.

Der Chefarzt der Inneren Medizin, Ants Lohnus, beschäftigte sich mit der "Schilddrüse - Dirigent in unserem Körper" und ließ keinen Zweifel daran, "dass ihre Funktion in unserem Körper sehr wichtig ist. Leider werde sie manchmal etwas vernachlässigt." Deswegen stellte er ihre Bedeutung heraus, weil das walnussgroße Organ den gesamten Organismus beeinflusse wie das Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Knochenaufbau und sogar die Psyche. Grund dafür seien die verschiedenen Hormone, die von der Schilddrüse jeden Tag ausgeschüttet würden. Dieses kleine Organ sei ein wahres Multitalent. Die Beobachtung der Funktionstätigkeit der Schilddrüse falle in das Aufgabengebiet der internistischen Abteilung und hier biete das Haus seine Dienste an. Natürlich erfuhr man auch, wie wichtig eine gesunde Ernährung für das Organ und die Versorgung mit Jod sei.

Der neue Chefarzt der chirurgischen Abteilung, Dr. Klaus Riedel, setzte sich mit "Schmerzen in Schulter, Hüfte und Knie" auseinander und "wann der richtige Zeitpunkt für die Gelenkersatzoperation" ist. Wichtig für eine Operation, so Dr. Riedel, sei der richtige Zeitpunkt. Dabei legte er Wert auf die Feststellung, dass auch ein hohes Alter des Patienten keine Gegenindikation zu einem künstlichen Gelenkersatz darstelle. Stolz stellte Riedel heraus, dass seit kurzem im Haus Ebern das künstliche Kniegelenk mit modernsten Navigationssystemen implantiert werde.

Hoch qualifiziert


"Gallenkoliken - was tun?" lautete die Frage, die der neue Internist Dr. Enrique Marcos-Rubinat mit großer Fachkompetenz beantwortete. Er hat die Nachfolge von Dr. Michael Lehner angetreten und will die gute Verzahnung der internistischen Praxis mit der Haßbergklinik Ebern fortsetzen. Dr. Marcos-Rubinat ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologe. Zudem verfügt er über die Fachkunde für Intensivmedizin, der Röntgendiagnostik, Diabetologie und die palliativmedizinische Grundversorgung, die nun auch im Haus Ebern vertreten ist.
In seinem Vortrag stellte er heraus, dass Gallensteinleiden und Gallenkoliken inzwischen als Volkskrankheit gelten. Erfreulich sei, dass vermutlich bald eine Ausrüstung für die Spiegelung der Gallenwege für das Haus angeschafft werde. Damit könne man auch die Steine aus dem Gallengang mit einem Schlauch entfernen oder mit der "Schlüssellochmethode" ohne großen Bauchschnitt operieren. Dies sei ein großer Fortschritt.

Als Kardiologe und Herzspezialist liege ihm auch die Nachsorge bei Herzschrittmachern besonders am Herzen.
Dr. med Peter Range zeigte Möglichkeiten der Diagnostik mit Hilfe des Computertomographen im Haus Ebern anhand von Praxisbeispielen auf, und Physiotherapeut Marc-Michael Dünisch informierte über Nachbehandlungen nach Gelenkersatzoperationen. Dabei ging er ausführlich auf Gehübungen mit Stützen, Bewegungsbäder und Elektroanwendungen ein.

Schwestern als Models


Eine "Modenschau" der besonderen Art zeigte dann das Pflegepersonal mit einem Streifzug durch die Berufskleidung der Schwestern im Wandel der Zeit.
Im Gegensatz zu früher seien heute die Krankenschwestern adrett gekleidet in kniekurzem Kleid oder in Kasak mit passender Hose, meinte Moderatorin Schwester Bozena.

Bei der nicht so ernst gemeinten letzten Tracht, bei der die Schwester auch Knie zeigen darf, gab es tosenden Beifall. Diese moderne Schwesterntracht, so behauptete die Moderatorin, bewähre sich bei Patienten mit niedrigem Blutdruck und als optischer Defibrillator bei Herzrhythmusstörungen: "Manche Operation wird vielleicht nicht mehr nötig sein." Mit diesem lustigen Akzent wurde die Modenschau natürlich zu einem vollen Erfolg.